"Unglücklich" und "unglaubwürdig"

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Kontrastprogramm und Stadtgespräch: Moderner Bildschirm und Tageslichteinfall trotz Holztür in der Gästeinformation, daneben viel Glas, ein wenig Metall und scharfkantige, zu helle Granitstufen an der neuen Fluchttür des Cafés im Rathaus.

Wasserburg - Erst Diskussionsstoff im Stadtrat, dann auf der Straße und nun im Bauausschuss: Eine neue Tür und ein neues Fenster im Rathaus. "Ein Fehler" räumte der Bürgermeister ein.

"Es ist ein Rumor in der Stadt" zitierte Otto Zwiefelhofer aus dem Bürgerspiel. Der "Rumor" betrifft das erneuerte Schaufenster, vor allem aber die neue Fluchttür des "Café Schranne" im Rathaus.

Christian Stadler (Die Grünen) hatte beides in der jüngsten Stadtratssitzung angesprochen. Ihn störten zwei Punkte: Erstens, dass sowohl das Fenster in der Rathausfront als auch die Tür in der Salzsenderzeile aus Metall sind, die Stadt in ihrer Bau- und Werbeanlagensatzung (BWS) in der Altstadt aber Holzfenster fordert. "Dann sollten wir auch selber Holz verbauen." Zweitens ist seines Erachtens ein Bauantrag nötig, wenn aus einem Fenster eine Tür wird. Von einem derartigen Bauantrag sei ihm nichts bekannt, so Stadler, der auch Mitglied im Bauausschuss ist.

Der sei auch nicht nötig, so Stadtbaumeister Manfred Förtsch-Menzel, da die Fensterbrüstung aus Holz gewesen und deswegen nichts aus der Mauer herausgebrochen worden sei. Damit sei die Maßnahme nicht genehmigungspflichtig. Mit dem Landesamt für Denkmalpflege sei die Maßnahme abgesprochen und in der Schranne sei generell das Problem, dass kaum Tageslicht einfalle. Im übrigen ließe die BWS im Erdgeschoss Metall zu.

Dies aber stimmt so nicht: In der BWS heißt es ausdrücklich in Paragraf 7, Absatz 5 "Die Schaufenster sind mit gestrichenen Holzrahmen auszuführen" und in Paragraf 9, Absatz 1 "Außentüren sind in Holz auszuführen". Abweichungen davon sind nach Paragraf 18 möglich, allerdings müssen diese bei genehmigungsfreien Anlagen schriftlich beantragt werden und es muss das Einvernehmen der Stadt gegeben sein.

Da hakte Oliver Winter (CSU) schon in der Stadtratssitzung - auch im Hinblick auf das Stechl-Anwesen am Max-Emanuel-Platz - nach und tat dies zudem schriftlich. Er wollte wissen, ob diese Abweichungen für das Rathaus und das Anwesen Stechl schriftlich beantragt und zugelassen wurden und wer in beiden Fällen die Zustimmung der Stadt gab.

Im Bauausschuss gab Bürgermeister Michael Kölbl jetzt bekannt, dass für das Anwesen Stechl Anfang Juni ein entsprechender Antrag vorlag. Da lautete die Stellungnahme der Stadt, dass die Fenster in Holz auszuführen seien, so Kölbl, beim Panoramafenster zu überprüfen sei, ob da Metall nötig sei. Dann habe es einen Ortstermin mit dem Landratsamt als untere Denkmalschutzbehörde gegeben und Anfang Juli dann den Bescheid des Landratsamtes, dass die Fenster in Eisenglimmer ausgeführt werden können. Dem habe die Stadtverwaltung zustimmen können. "Schöner wird's dadurch auch nicht", kommentierte Peter Stenger (SPD).

Beim Fenster und der Tür im Rathaus sei das Landesamt für Denkmalpflege mit dem Entwurf der Bauverwaltung einverstanden gewesen. Allerdings seien sowohl das Fenster als auch die Stufen an der Fluchttür in der Salzsenderzeile "greißlig und ein Schlag ins Gesicht", so Kölbl. "Da sind wir eingestandenermaßen alle Schuld, haben einen Fehler gemacht", räumte der Bürgermeister ein. Denn nachdem er den Bauantrag unterschrieben hatte, änderte sich die Planung nochmal. Von dem Fenster und den Stufen solle man sich schnell verabschieden. Der Stadtbaumeister hat bereits einen Ortstermin mit dem Landesamt für Denkmalpflege im Januar vereinbart und ist selber sauer: "So hatte ich mir das nicht vorgestellt."

Mit der Tür könne er gerade noch leben, so Kölbl, schließlich gebe es ein paar Meter weiter bei der Sparkasse ähnliche Türen.

Da widersprach Andreas Roder (Block) energisch: Das sei nicht zu vergleichen, denn schließlich sei das Rückgebäude des Rathauses mehrfach umgebaut worden, habe unter anderem als Feuerwehrhaus gedient. Außerdem sei das Gebäude deutlich jünger als das mittelalterliche Rathaus. Zudem gebe es durch die Holztür der Gästeinformation eine deutliche Zäsur zwischen den modernen Türen. "Diese Tür ist mehr als unglücklich", so Roder, der darauf hinwies, dass öffentliche Gebäude Vorbilder sein sollten.

Was hier eindeutig nicht der Fall ist. "Mit diesen Baumaßnahmen machen wir uns zum Gespött aller Bewohner und Besucher unserer Stadt", so Winter in seinem Schreiben, am Christkindlmarkt hätten fast alle Besucher nur den Kopf geschüttelt über die Hässlichkeit und den Verlust der Glaubwürdigkeit. "Wie sollen wir Hausbesitzer zum Einbau von Holzfenstern beziehungsweise zum Wiederausbau von Kunststofffenstern verpflichten, wenn wir uns selber nicht daran halten?"

Sylvia Hampel (Wasserburger Zeitung)

Quelle: rosenheim24.de

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