Diskussion in Unterreit

Widerstand gegen Baugebiet: Das sind die Argumente beider Seiten

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Alexander Wimmer (links) sieht die Pläne für das Baugebiet kritisch. Bürgermeister Forstmeier kann die Beschwerden nicht verstehen.
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Unterreit - In der kleinen Gemeinde bahnt sich ein Konflikt an. Dort soll zwischen dem Weiler Elsbeth und dem Ortsteil Stadl ein Baugebiet entstehen. Anwohner beklagen aber, ihre Anliegen seien dabei übergangen worden. Der Bürgermeister sieht das anders.

Vor dem Haus der Familie Wimmer steht seit einer Weile ein kleiner Infostand. Dort sammeln sie Unterschriften für die Zulassung eines Bürgerbegehrens gegen das Wohngebiet."Es sind schon einige zusammengekommen, das ist den Leuten ein Anliegen", berichtet Alexander Wimmer, der für die Kritiker spricht. "Aber wir können immer noch weitere brauchen." Es ist eine komplizierte Situation, die in dem Ortsteil zu Stande gekommen ist. 

Komplizierte Situation

Wie es dazu kam: 

  • Ende 2018 wurden Pläne für eine Umnutzung von landwirtschaftlichen Flächen in Bauland in dem betroffenen Gebiet von der Gemeinde bekannt gemacht. Dabei waren rechts und links des Elsbether Wegs Häuserreihen vorgesehen.
  • Daraufhin gab es Kritik und Einsprüche von Anwohnern, die sich auf eine Stellungnahme der Regierung von Oberbayern beriefen. Diese empfahl 2017, lediglich den Ortsteil Stadl abzurunden und eine Freifläche zwischen Stadl und Meister Elsbeth zu belassen.
  • Anfang Dezember gab es daraufhin ein Konsensgespräch. Laut den Kritikern wurde sich dabei auf eine Fläche von 1,39 Hektar für das Baugebiet geeinigt, die anders angelegt wurde, damit sie nicht mehr an den Weiler angrenzt. 
  • Laut der Gemeinde jedoch habe der Kompromissvorschlag nun eine Ausdehnung von 2,9 Hektar, allerdings nun mit östlicher Ausdehnung und einer Freifläche zum Weiler hin.

"Das war eine rein mündliche Absprache, es wurde über die Umstrukturierung der ursprünglichen 1,39 Hektar gesprochen aber nie von einer Vergrößerung auf 2,9 Hektar!", erklärt Wimmer. "Ich hätte ja erwartet, dass man uns den neuen Entwurf dann nochmal zeigt und fragt, ob der für uns in Ordnung geht. Stattdessen wurden wir dann auf der Gemeinderatssitzung im März quasi vor vollendete Tatsachen gestellt!" Die Anwohner befürchten, dass es in ihrer Nachbarschaft zu einer massiven Wohnbebauung kommen könnte, die dann vermietet und teils zu Zweitwohnungen werden könnte. "Ein Kernpunkt unserer Einsprüche ist, dass wir durch die Verschmelzung des Weiler Meister/Elsbeth mit dem Ort Stadl auch einen massiven Eingriff in die bayrische Kulturlandschaft sehen und unsere ländliche Wohnlage zerstört wird, auch für zukünftige Generationen." Besonders kritisch sieht er, dass in dem neuen Entwurf umfangreiche Grundstücksflächen einbezogen sind, die Gerhard Forstmeier (Freie Wähler) gehören. "Das hat schon einen Beigeschmack." 

Bürgermeister kann Kritik nicht verstehen

Forstmeier kann die Kritik unterdessen überhaupt nicht verstehen. Gegenüber unserer Redaktion wollte er sich nicht weiter äußern und verweist auf seine Ausführungen gegenüber der Wasserburger Zeitung. Dieser hatte er erklärt, dass die Kritik der Anwohner unberechtigt sei. Die Änderung des Flächennutzungsplans bedeute noch keine sofortige Bebauung. Zudem würden die Parzellen dann nur an Einheimische oder Menschen aus Nachbarorten vergeben, es gäbe bereits zahlreiche Anfragen. Viele einheimische Familien würden dort bauen wollen. Die Bebauung würde dann auch zunächst nur sehr kleinteilig ausfallen. Einen Interessenskonflikt in seinem Fall sehe er nicht, da sein eigener Grund derzeit noch an einen Landwirt verpachtet sei und erst in vielen Jahren dann als Bauland zur Verfügung stehe. Die letztliche Entscheidung liege außerdem beim Landratsamt. Alles weitere werde auf der Gemeinderatssitzung am Dienstag, den 7. Mai behandelt. 

Die Aussagen des Bürgermeisters wiederum will Wimmer nicht so hinnehmen. "So ein Flächennutzungsplan ist doch auch eine Absichtserklärung. Den weist man nicht aus, um dann nix zu bauen!" Auf den fast drei Hektar seien immerhin fast 30 Einfamilienhäuser vorstellbar, das ergäbe dann eine sehr massive Bebauung. "Dann ist da noch der Fakt, dass es keinen Wunsch aus der Bevölkerung nach diesem Baugebiet gab. Die Bauanträge kamen erst, als die Gemeinde die Pläne bekanntgab", führt er aus, "Außerdem gibt es keinerlei Bekanntgaben, dass da Einheimischenbauland ausgewiesen oder Sozialwohnungen entstehen sollen!" Zuletzt habe Forstmeier selbst in der Vergangenheit zugegeben, dass er die Verträge mit Landwirten jederzeit kündigen könne.

Quelle: innsalzach24.de

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