Urahn des unsinnigen Donnerstags

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
"Der Branntweintanz" von Heinrich Dendl zeigt den Wasserburger Fasching im frühen 19.Jahrhundert und verweist auch auf den "unsinnigen Donnerstag".

Wasserburg - Einen alten Faschingsbrauch zeigt das Objekt des Monats des Museums in der Herrengasse: Den Branntweintanz aus dem 19. Jahrhundert.

Auf dem Bild finden sich Hinweise auf den "unsinnigen Donnerstag".

Das Bild von Heinrich Georg Dendl zeigt eine Faschingsszene in einem Lokal. Schaut man sich die tanzenden Paare an, so stellt man schnell fest, dass etwas nicht stimmt. Die beiden Damen rechts neben dem Kasper fallen nicht nur durch ihre alten Kleider, sondern vor allem durch ihre Bärte auf. Auch dem Herrn mit der Feder am Hut scheint der Gehrock etwas zu lang zu sein und er muss sich weit zu den Schultern seines Tanzpartners hinaufstrecken.

Die in das Geschlecht des anderen gehüllten Tanzpaare stehen für den Unsinnigen Donnerstag. Angeblich haben, so Museumsleiterin Sonja Fehler, die Ballester-Schützen den Brauch begründet, als sie sich am Altweiberfasching als alte Weiber verkleideten und unerkannt einen ganz besonders ungebundenen Abend verlebten. In der Folgezeit kamen andere, die es ihnen nachtun wollten, hinzu. Man feierte zuerst in den Gaststätten Bruckbräu, Café Schneider und Café Strautner bis sich der Brauch nach dem ersten Weltkrieg auf alle Gasthäuser in Wasserburg ausdehnte.

"Der Kasper, wie er auch die Schäffler begleitet, ist auf diesem Gemälde die Symbolfigur des Wasserburger Karnevals. Er hat mit dem Kasper des Kasperletheaters wenig gemeinsam", so Sonja Fehler. Der Tänzer neben dem Kasper und die roten Nasen der anderen Herren versinnbildlichen den Titel des Gemäldes, den Branntweintanz, wie er laut Sonja Fehler für den Vormittag des Faschingsdienstags in der Wasserburg Chronik ab 1810 belegt ist. Er wurde beim Bierbrauer Christoph Stechl und ab 1834 bei Andrä Ponschab in der Salzsenderzeile begangen. Er ging dem Straßenkarneval am Nachmittag und frühen Abend voran.

Ein Rätsel geben die Spielkarten auf, die sich alle Personen angesteckt haben. Ob sie für das "Schnapsen" stehen oder fürs "Watten", bleibt vorerst ungewiss. Heimatpfleger Ferdinand Steffan vermutet, dass es sich um ein Losspiel handelte, bei dem die Tanzpaare zusammengeführt wurden. Auffallend ist laut Sonja Fehler die Darstellung der Personen. Während einige über ausgeprägte Charakterköpfe verfügen, die den Trinker, den wilden Musiker, den Bürger, den Bauern oder die Honoratioren der Stadt symbolisieren, sind einige Gesichter ganz genau ausgearbeitet und treten heller hervor. Wahrscheinlich handele es sich um eine allgemeine Darstellung des Wasserburger Faschings, aus der einige Personen nicht wegzudenken sind, so Sonja Fehler.

Das eineinhalb Meter lange Gemälde fertigte der Wasserburger Künstler Heinrich Dendl 1880 in Öl auf Blech. Über Jahrzehnte befand es sich im Eigentum der Familie Kirmayer. 1971 kam es durch Ankauf in den Besitz des Museums. Zwischen 2003 und 2007 war es im Lokal des Herrenhauses zu sehen.

re/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Region Wasserburg

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser