Verliebte trauen sich noch

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Malerisches Ambiente für Hochzeiten bietet der kleine Saal im Wasserburger Rathaus mit seinen Renaissance-Fresken. Der ist auch als Trauungszimmer gewidmet - Hochzeiten unter freiem Himmel hingegen sind nicht möglich. Und zwar in ganz Bayern nicht.

Wasserburg/Landkreis - 6,8 Prozent weniger Hochzeiten im Jahr 2009: Die Deutschen sind nach Erhebungen des statistischen Bundesamts ehemüde geworden. Doch in der Region Wasserburg trauen sich die Verliebten noch!

Hier haben die Standesbeamten nach wie vor gut zu tun. Nur der Wonnemonat Mai hat auch hier als Lieblingsterminspanne der Brautpaare ausgedient.

Die Hochzeitssaison beginnt bereits gegen Ostern und zieht sich bis in den Herbst hinein - zumindest im Standesamtsbezirk Wasserburg, zu dem die Stadt, Albaching, Amerang, Babensham, Edling, Eiselfing, Pfaffing und Soyen gehören. Standesbeamter Ulrich Schor stellt außerdem seit Längerem fest, dass auch die Vorweihnachtszeit zum Heiraten inspiriert. "Vielleicht sind es auch steuerliche Gründe", merkt er schmunzelnd an. Nur selten wollen sich dagegen Paare in den grauen Schmuddelmonaten Januar, Februar und März trauen lassen.

Von Hochzeitsmüdigkeit ist im Standesamtsbezirk Wasserburg jedoch nichts zu spüren: Vor zehn Jahren trauten sich hier 196 Paaare, 2009 waren es zwar nur 177. Daraus ist nach Erfahrungen von Schor jedoch keinesfalls abzulesen, dass auch die Bürger im Raum Wasserburg ehemüde geworden sind. Denn nach einem Hochzeitstief im Jahr 2005, als nur 141 Paare auf dem Standesamt ihre Eheschließung vermeldeten, hat sich die Zahl zwischen 160 und 180 Hochzeiten eingependelt, so Schor.

Ganz gegen den Trend ist in der Verwaltungsgemeinschaft Gars-Unterreit sogar eine Zunahme zu verspüren, freut sich Standesamtsleiter Josef Brumbauer. Mit 20 bis 30 Eheschließungen, Tendenz steigend, zeigen sich die Garser und Unterreiter durchaus bereit, das Wagnis Ehe einzugehen. Liegt es vielleicht daran, dass die beiden Bürgermeister persönlich die Trauungen vollziehen, wenn es gewünscht wird? Oder dass mit dem Prälatensaal im Garser Kloster neben den Rathäusern ein besonders stimmungsvoller Trauungsraum zur Verfügung steht?

"Eher nach oben" geht die Anzahl der Trauungen auch in Haag, auch zuständig für Heiratswillige aus Kirchdorf, Rechtmehring, Reichertsheim und Maitenbeth. 70-mal im Jahr sagen Paare hier "Ja" zueinander, freut sich Standesamtsleiter Patrik Peltram. Entwarnung an der Hochzeitsfront kommt auch aus Isen: Das Standesamt vermeldet gleichbleibend 25 bis 30 Trauungen pro Jahr.

Die Maisonne muss nach Meinung vieler Verliebter jedoch nicht unbedingt den Festtag bestrahlen: In Griesstätt beispielsweise liegt für den früher klassischen Hochzeitsmonat heuer noch nicht eine Anmeldung vor, bedauert Standesbeamter Alfons Albersinger. Trotzdem schwören sich auch hier nicht weniger Paare ewige Treue: Mit zehn bis 15 Hochzeiten im Jahr ist die Zahl seit Jahren konstant .

Mit extravaganten Wünschen werden die Heiratswilligen auf den Standesämtern in der Region übrigens nicht vorstellig: Zwar sind besondere Terminwünsche - etwa für den Samstag, wenn die Rathäuser eigentlich geschlossen sind - üblich und werden auch erfüllt, sind in fast allen Kommunen die Bürgermeister gerne auch in der Rolle als Standesbeamten aktiv. Auch feierliche musikalische Umrahmung gibt es auf Wunsch.

Doch ausgefallene Orte stehen eher selten auf der Wunschliste. "Bei uns wollte schon einmal jemand auf dem Fußballplatz getraut werden", erinnert sich Wasserburgs Standesbeamter Schor - ein Wunsch, der übrigens ebenso wenig erfüllt werden konnte wie eine Trauung auf dem Inn. Denn in Bayern darf die standesamtliche Trauung nur in Räumen vollzogen werden, die für diesen Zweck auch gewidmet worden sind. Diesem Vorgang musste sich deshalb auch die gotische Halle des Heimathauses unterziehen, die während der unromantischen Umbauarbeiten für den Lift im Rathaus als Trauungszimmer dient.

Auch unter freiem Himmel darf das Ja-Wort nicht fallen, berichtet Schor, auch nicht auf einem Inn-Schiff, das schießlich nur verankert am Ufer dem Sitz der Standesamtskommune zuzuordnen sei. "All diese Orte haben wir nicht nötig, ich denke, unser Rathaus und auch das Heimathaus bieten ideale Räumlichkeiten für die besondere Stimung, die Brautpaare wünschen", findet Schor angesichts der historischen Bausubstanz.

Die Verbundenheit zur Heimatgemeinde zählt für viele Hochzeitswillige übrigens mehr als die optisch vermittelte Romantik: Deshalb melden sie ihre Trauung nicht selten in Wasserburg und Haag, wo sich der Sitz größerer Standesamtsbezirke für mehrere Kommunen befindet, vollziehen den feierlichen Akt des Ja-Wortes jedoch häufig daheim im örtlichen Rathaus.

duc/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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