Das Vertrauen gnadenlos ausgenutzt

Wasserburg - Das Vertrauen seiner Freundin hatte ein 58- jähriger gelernter Koch und Metzger gnadenlos ausgenutzt und sich nicht unerheblich von ihrem Konto bedient.

Wohl um eine Schadenswiedergutmachung zu ermöglichen, hat das Amtsgericht trotz des langen Vorstrafenregisters eine Bewährungsstrafe verhängt.

Einen Ausflug zum Chiemsee, eine Einladung zum Essen und ein kleiner Zuschuss zum Tanken - so verwöhnte ein 58-Jähriger aus dem Raum Wasserburg seine 75-jährige Freundin im Mai des letzten Jahres. Dumm, dass er sich das Geld dafür, unerlaubterweise mit ihrer EC-Karte vom Bankomaten beschafft hatte. Die hatte die Frau, samt Geheimnummer, im Küchenschrank aufbewahrt. In der Zeit vom 14. Mai bis zum 9. Juni im vergangenen Jahr hatte der Angeklagte neunmal die Karte der Freundin benutzt und damit insgesamt 4200 Euro abgehoben, bis ein Anruf der Bank die Geldquelle versiegen ließ.

Neben kleinen Geschenken für die Angebetete verwendete der damals arbeitslose Mann den Großteil des Geldes für sich und das Automatenspiel. Der "Scheißalkohol" sei schuld gewesen, betonte der Angeklagte vor Gericht und räumte unter Tränen seine Verfehlungen umfassend ein. Er habe seine Freundin beeindrucken und ihr etwas bieten wollen, aber zu diesem Zeitpunkt habe ihm das Geld gefehlt, um sie einzuladen. Mittlerweile habe er auch wieder Arbeit und auch Halt gefunden und 1130 Euro an die Geschädigte zurückbezahlt.

Auf seine Aussage, er sei schon hin und wieder betrunken, aber kein Alkoholiker, musste sich der Angeklagte von seinem Verteidiger den Einwand gefallen lassen, dass ihm wohl die Selbsterkenntnis und das Einräumen mit Alkohol ein Problem zu haben, schwer falle.

Doch das schien nicht das einzige Problem zu sein. Denn während seiner Straftat stand der Angeklagte unter offener Bewährung und auch der Auszug aus dem Bundeszentralregister offenbarte, dass der Angeklagte bisher noch nie eine Bewährungszeit durchgestanden hatte. Bis 1987 hatte er es geschafft, straffrei durchs Leben zu kommen, der Tod der Freundin hatte ihn nach eigenen Angaben dann aus der Bahn geworfen. Insgesamt elf Delikte wegen Diebstahls, Betrugs und Urkundenfälschung schlugen seither zu Buche, die letzte Verurteilung erfolgte vom Amtsgericht Ebersberg im August 2011. Damals wurde er zu einer Bewährungsstrafe von vier Monaten verurteilt, weil er sich in Hotels eingemietet und nicht bezahlt hatte. Die Richterin hatte damals wohl noch keine Kenntnis von der neuerlichen Anklage und war davon ausgegangen, dass der Angeklagte nach Obdachlosigkeit und Entzug für zwei Jahre fest in Arbeit sei und Schadenswiedergutmachung leiste. Doch weder die Zahlungen erfolgten, noch wurden die Bewährungsauflagen erfüllt und somit war dieses Urteil voll einbeziehungsfähig.

Für die Staatsanwaltschaft stand der Sachverhalt fest und es ging nur um das Strafmaß. Zugunsten des Angeklagten spreche sein Geständnis, dagegen spreche sein ständiger Verstoß gegen Bewährungsauflagen. Deshalb forderte die Staatsanwältin eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten.

Der Verteidiger betonte, dass der Fall aufgrund des Geständnisses ganz einfach sei, schwieriger sei es, das rechte Strafmaß zu finden. Vermögens- und Eigentumsdelikte zögen sich wie ein roter Faden durch das Leben des Angeklagten, doch bei seinen Straftaten fehle es an Raffinesse. Seine Alkohol- und Spielsucht beschleunige die Abwärtsspirale und der Weg in den Sumpf sei relativ kurz. "Wenn sie nicht aufpassen, saufen sie sich zu Tode", sagte der Verteidiger in aller Deutlichkeit. Deshalb plädierte er für eine Bewährungsstrafe im Ermessen des Gerichts sowie über gestaffelte Bewährungsauflagen zur Schadenswiedergutmachung und zur Alkohol- und Spielsucht-Therapie.

Das Gericht verhängte schließlich unter Einbeziehung des Urteils vom Amtsgericht Ebersberg eine Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung. Der Schaden und der Vertrauensbruch seien enorm, doch das Opfer habe verziehen, hieß es in der Urteilsbegründung. Die Voreintragungen sprächen für keine Bewährungsstrafe, doch nun habe der Angeklagte eine Arbeitsstelle gefunden und bisher sei er sich auch des Ausmaßes seiner Alkoholsucht noch nicht bewusst gewesen. Unter Zurückstellung erheblicher Bedenken werde die Strafe zur Bewährung ausgesetzt, da sonst keine Schadenswiedergutmachung geleistet würde und die Geschädigten "in die Röhre schauten". Nun gelte es die Bewährungsauflagen strengstens zu erfüllen, mahnte die Richterin "Entweder sie schaffen es oder ich sperr sie ein"!

Ob das lange dauern wird, darf spekuliert werden, denn nach der Urteilsverkündung meldete sich ein Mann von den Zuhörerbänken und kündigte ein schnelles Wiedersehen im Gerichtssaal an, denn die nächste Anklage sei bereits eingereicht.

ca/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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