Vertrauen statt Qual der Wahl

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Rosenheim/Landkreis - Einmal googeln – und das Internet spuckt Interessenten, die einen Heizungsbauer oder einen Maler suchen, Dutzende Adressen in Rosenheim aus. Aber:

Angesichts dieses Informationsflusses empfinden viele die Wahl als Qual – und vertrauen lieber der Empfehlung von Freunden oder Arbeitskollegen. Diese von-Mund-zu-Mund-Werbung hat die Ortsgruppe Rosenheim der Unternehmer-Organisation „Business Network International (BNI)“ professionalisiert.

Seit fünf Jahren beginnt der Freitagmorgen für 18 Handwerker, Freiberufler und Dienstleister aus dem Raum Rosenheim bereits um 6.45 Uhr an einem ungewöhnlichen Ort: im Wirtshaus. „Das Unternehmerfrühstück im ,Happinger Hof‘ ist jedoch alles andere als eine gemütliche Plauderrunde“, berichtet BNI-Direktorin Barbara Fischbacher.

Jeden Freitagmorgen wird bei Kaffee und Butterbrezen intensiv gearbeitet. Es geht um aktuelle Geschäftszahlen und Umsätze. Alle Mitglieder stellen sich und ihren Betrieb vor. Visitenkarten machen die Runde – schwarz auf weiß gedrucktes Symbol des Empfehlungsmarketings.

Das war früher üblich - etwa im Wirtshaus, wenn dem Stammtischkollegen ein Kachelofenbauer oder Zimmerer empfohlen wurde. Oder wenn ein Sanitärinstallateur auf der Baustelle seinen Kunden Kontakte zum befreundeten Elektriker vermittelte, dieser nach dem Anschluss der Leitungen die Visitenkarte eines guten Malers überreichte, der wusste, welcher Krankengymnast den schmerzenden Rücken des gestressten Bauherren wieder einrenken kann.

Dass solch persönliche Kontakte auch heute in Zeiten von Internetkommunikationsforen und Online-Marketing funktionierten, beweist seit fünf Jahren die BNI-Ortsgruppe. "Mehr Umsatz durch mehr Kontakte": Dieses Erfolgsrezept untermauert Fischbacher mit Zahlen: In den vergangenen zwölf Monaten generierten die Mitglieder allein durch 948 gegenseitige Empfehlungen einen Umsatz von über 815426 Euro. Jede Empfehlung ist nach eigenen Angaben durchschnittlich 860 Euro wert.

Damit Handwerker oder Dienstleister A den Kollegen B auch guten Herzens weiterempfehlen kann und dabei nicht seinen eigenen Ruf riskiert, haben sich die Mitglieder der Gruppe den strengen Regeln des international tätigen BNI unterworfen. Es stellt das weltweit größte Unternehmernetzwerk. Ihm gehören heute in 43 Ländern weltweit 5800 Gruppen mit 133000 Mitgliedern an.

Zum strengen Regelwerk gehört die gegenseitige Vorstellung bei jedem Unternehmerfrühstück. Eine Minute gibt die Stoppuhr dem Steuerberater und Rechtsanwalt, dem Zimmerer und Maler, dem Unternehmensberater und Grafiker, dem Webdesigner und Drucker Zeit. Schwarze Schafe, die nicht halten, was sie versprochen haben, werden aus der Runde ausgeschlossen. "Die Mitgliedschaften werden nicht automatisch verlängert, sondern erst nach Qualitätsüberprüfung", so die Direktorin.

Wichtigster Akt während des gemeinsamen Arbeitsfrühstückes: die feierliche Übergabe neuer Empfehlungen. Damit sich die Mitglieder nicht gegenseitig Konkurrenz machen können, vertritt jeder nur eine Berufssparte. Und damit das dreiköpfige Führungsteam nicht Gefahr läuft, zu einseitig zu agieren, wechselt es alle sechs Monate, ab 2012 einmal im Jahr.

Das Empfehlungsmarketing funktioniert zur Freude der Mitglieder nicht nur nach außen, sondern auch nach innen. So hat die Chapterleiterin für ihren eigenen Betrieb in Rohrdorf den Versicherungsmakler, mit dem sie seit Jahren jeden Freitag frühstückt, beauftragt.

Fischbacher hat durch ihre Mitarbeit im BNI außerdem ihren Bekanntheitsgrad erhöht. "Natürlich pflege ich eine eigene Internetseite und nutze diverse Werbemöglichkeiten. Doch all dies kann eine persönliche Empfehlung nicht ersetzen. Dafür investiere ich gerne eineinhalb Stunden pro Woche - Zeit, die nichts kostet, aber gut angelegt ist."

Oberbayerische Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolfoto)

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