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Bundeswehr-Hubschrauber in Mali abgestürzt

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Viel Freude, Angst und eine Pistole

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Würdevolle Erscheinung: 300 Euro hat dieses geschneiderte Nikolausgewand mit Insignien wie dem Stab und dem goldenen Buch gekostet.

Wasserburg/Schnaitsee - Jedes Jahr, vom ersten Advent bis kurz vor Weihnachten, ist Franz Bachleiter als diplomierter Nikolaus unterwegs. Das klingt schon fast wie ein Vollzeitjob:

Er besucht Familien, öffentliche Einrichtungen und Weihnachtsfeiern von Firmen und Vereinen.

75 Auftritte in einem Zeitraum von nicht einmal einem Monat, an den Haupttagen 3. bis 7. Dezember in vier Stunden 15 bis 18 Hausbesuche. Bei Großauftritten vor bis zu 250 Leuten 10 bis 15 Stunden Vorarbeit - ja, das Leben als Nikolaus kann schon anstrengend sein.

Und dabei ist er nicht nur ein Nikolaus, sondern ein "Diplomnikolaus": Franz Bachleiter macht schon seit zehn Jahren Kindern eine Freude und kommt als Nikolaus, ohne Krampus, aber mit Helfer, überbringt Geschenke und sagt was gut und was nicht so gut läuft beziehungsweise gelaufen ist.

Die Bezeichnung "Diplomnikolaus" ist nur halb ernst gemeint. Der diplomierte Sozialpädagoge absolvierte die Nikolausschule in Mühldorf, und darf sich so ganz legal mit diesem "Diplom" schmücken, "was natürlich kein akademischer Grad ist", so Bachleitner.

Am Beginn seiner Arbeit als Nikolaus stand ein handfestes Problem: "Als mein ältester Bub damals drei war, da hab ich gedacht, jetzt ist er in dem Alter für einen Nikolaus. Aber ich konnte keinen auftreiben, nirgendwo in der Nähe gab es einen". Daraufhin sprang zwar kurzfristig der Nachbar ein, aber "es kann doch nicht sein, dass es keinen Nikolaus gibt für die Kinder".

So hat er angefangen, zu Beginn nur für ein paar Bekannte und Freunde, aber das hat sich schnell herumgesprochen. Nun ist er gut beschäftigt, und die Termine sind begehrt: "Dieses Jahr wurde ich zum Teil für den 6. Dezember schon im August gebucht", weiß Bachleitner zu berichten. "Die Leute, die mich erst eine Woche vorher anrufen, kriegen halt keinen so guten Termin mehr".

Anfangs lief seine Tätigkeit noch über die Caritas, seinen Arbeitgeber. Damals nahm er noch Klienten aus der Suchtstation als Helfer mit und besserte so auch deren Image auf. "Aber nicht alle Eltern waren davon so begeistert", und der ständige Zeitdruck war anstrengend, sodass diese Helfer es nicht lange durchhielten. "Irgendwann war auch die Nachfrage so groß, dass ich gesagt hab: Das mach ich jetzt privat".

Und er kommt weit herum im Raum Wasserburg und auch nach Ebersberg, Mühldorf oder Bad Reichenhall. Da besucht er aber meist die Weihnachtsfeiern von Firmen, an denen teilweise 200 bis 300 Leute teilnehmen. Da heißt es: Enge Absprache mit dem Chef, "und dann hock ich mich an den Computer und mache Reime draus, da bin ich schon bis zu 15 Stunden beschäftigt", berichtet der Nikolaus von den Vorarbeiten. Die Auftritte vor einem so großen Publikum sind dann natürlich aufregend, man muss improvisieren, das Ganze ist mehr eine Show. Da kommen schon auch Witze, "und wenn keine Kinder dabei sind, sind die manchmal auch ein bissl versaut", schmunzelt Bachleitner. Die Belohnung für die Mühen sei der Applaus, "und das freut einen dann ja auch. Da bin ich schon eine kleine Rampensau". Man sieht: An Selbstironie mangelt es dem Nikolaus nicht.

Auftritte vor Familien fallen natürlich etwas kleiner aus. Da dauert der Auftritt als Nikolaus meist nur fünf Minuten, mit Anfahrt und kurzer Vorbereitungszeit eine Viertelstunde pro Familie. Die Reaktion der Kinder auf den Auftritt des Nikolaus sei unterschiedlich. In Kindergärten seien keine ängstlichen Gesichter zu sehen, "da sind die Kinder ja in Gruppen von ungefähr 60 oder mehr". Bei Hausbesuchen seien die Kleinen dagegen manchmal ängstlicher. "Einmal bin ich sogar mit einer Spielzeugpistole bedroht worden", erzählt der Nikolaus von seiner "gefährlichen" Arbeit. Meistens seien die Kinder aber aufgeregt und ehrfürchtig, gestehen bereitwillig alles, was der Nikolaus ihnen aus seinem goldenen Buch vorliest. Und sie geloben auch Besserung. Die hält dann auch an, "zumindest zwei oder drei Tage, vielleicht auch mal eine Woche", so der Pädagoge Bachleitner. Auch wenn viele Eltern das möchten: Das Hauptziel seines Auftritt ist nicht Pädagogik. Deswegen hat er auch keinen Krampus dabei, sondern nur einen Helfer, der die Geschenke verteilt. "Ich will den Kindern nur eine Freude machen." Das ist einfach eine Herzensangelegenheit.

Auch wenn so ein Nikolauskostüm teuer ist - "mit allem drum und dran kommt man schon auf 300 Euro" - aufgeben möchte Bachleitner sein zweites Ich als Nikolaus nicht. Und auch nicht so schnell aufhören. Sein größter Wunsch: " Ich würd mich freuen, wenn's mein Sohn dann weitermachen würde".

Vielleicht sind in den nächsten Jahren mehr Nikoläuse unterwegs: "Ich überleg, ob ich nicht mal an der VHS einen Kurs für Nikoläuse gebe". Eine Nikolausfirma dagegen, die Nikoläuse überall hinschickt, sei zwar "ein schöner Gedanke". Aber einmischen in den anderen Gemeinden, wo zum Teil die Landjugend oder andere Vereine die Rolle des Nikolaus übernehmen, möchte er sich nicht.

Lukas Steffinger (Wasserburger Zeitung)

Quelle: rosenheim24.de

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