Wieso findet "Familienpass" keinen Anklang?

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Wasserburg - Der "Wasserburger Familienpass" findet bislang bei denen, für die er gedacht ist, eher schleppend Anklang. Soziale Anlaufstellen glauben, das Projekt brauche noch Zeit.

Nachdem viel Werbung für den Familienpass gemacht wurde, hat Karin Brandner, im Rathaus zuständig für die sozialen Angelegenheiten, mehr Nachfrage erwartet. Zirka 20 Pässe wurden bisher ausgestellt.

Der Familienpass wurde nach längerer Diskussion im Stadtrat eingeführt, um Familien mit geringem Einkommen oder einer erheblichen Belastung zum Beispiel die Teilnahme an Freizeitaktivitäten oder den Besuch der Mittagsbetreuung zu erleichtern.

Erika Pohl, die Wasserburger Familienberaterin, meint, der Pass brauche noch eine Anlaufzeit: "Ich komme zu den verschiedensten Familien und versuche auch immer viel über den Familienpass zu informieren. Die Idee finden die meisten wirklich gut, aber das Ganze muss sich erst noch rumsprechen". Sie kenne auch schon Familien, die den Pass haben, und die seien sehr zufrieden. Erika Pohl kann sich auch vorstellen, dass für viele der "Erfahrungswert" wichtig sei, den man mit der Zeit bei Familien mit Pass sehen wird.

Irene Langer vom Wasserburger Bündnis für Familien meint, dass manche den Pass als negativen Stempel empfinden könnten. "Die Familien wollen nicht als Bittsteller dastehen, und deswegen kostet es vielleicht für viele Überwindung, den Pass zu beantragen. Es muss erst noch in die Köpfe der Leute reingehen, dass wir ihnen mit dem Pass nur etwas Gutes tun wollen, und sie keine Bittsteller sind", meint Irene Langer. Auch die Stadträtin kennt eine Familie, die den Pass schon hat und begeistert ist. "Sie machen sogar Vorschläge was noch in den Pass integriert werden könnte".

Regina Semmler vom Mehrgenerationenhaus hält den Pass ebenfalls für ein tolles Angebot, das den Familien von den betroffenen Stellen immer wieder ins Gedächtnis gerufen werden müsse. "Die persönliche Ansprache der Leute ist sehr wichtig. Manche unserer Familien hätten ohne unsere Informationen nichts über den Familienpass gewusst", erklärt Regina Semmler. Auch sie ist der Meinung, dass das Projekt erst eine gewisse Anlaufphase braucht.

Susanne Mittermair-Johnson von der Familienberatungsstelle "Donum Vitae" wirbt ebenfalls für den Familienpass. Sie verstehe allerdings nicht ganz, warum nicht schon mehr beantragt wurden. "Das Erstinteresse der Leute, denen ich den Pass vorstelle, ist immer groß, aber danach beantragen sie ihn doch nicht. Eigentlich ist der Bedarf sehr hoch, weil es viele Familien in Wasserburg gibt, die diese Hilfe gut brauchen könnten".

Susanne Mittermair-Johnson hat den Eindruck, dass die Hemmschwelle des Beantragens darin liegt, dass die Betroffenen das "Antrag-Stellen" grundsätzlich scheuen. "Viele Leute, die für den Pass infrage kommen, müssen auch andere Anträge in ihrem Alltag stellen - was oft anstrengend und kompliziert sein kann. Deswegen denken sie vielleicht, der Familienpass sei sehr kompliziert zu beantragen, auch wenn ich ihnen immer versichere, dass das schnell und problemlos geht", sagt Susanne Mittermair-Johnson. In Zukunft werde sie "den Pass holen", statt "beantragen" sagen, um diesen Eindruck zu unterbinden.

Der Familienpass soll es Familien mit geringerem Einkommen ermöglichen, besseren Zugang zu Bildungsangeboten zu bekommen und die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben für sie erleichtern. Der Pass gilt immer für das laufende Kalenderjahr, kann aber jederzeit bei Karin Brandner angefordert werden. Der Pass ist eine freiwillige Leistung der Stadt im Rahmen der Haushaltsmittel, die zur Verfügung stehen.

Der berechtigte Personenkreis ergibt sich entweder einkommensabhängig, oder einkommensunabhängig. Im ersten Fall darf das Einkommen eines Alleinerziehenden oder einer Familie eine bestimmte Summe nicht überschreiten. Bei zwei Elternteilen mit zwei Kindern wären das 36000 Euro im Jahr. Im zweiten Fall müssen besondere Umstände, zum Beispiel die Schwerbehinderung eines Kindes nachgewiesen werden, oder der Bezug von gewissen Leistungen, wie zum Beispiel nach dem Wohngeldgesetz.

Verschiedene Zuschüsse und Vergünstigungen, von denen die Familien profitieren, fallen unter anderem in den Bereich der Kinderbetreuung und des Freizeitangebots der Stadt. Zum Beispiel gibt es Zuschüsse für Ausflüge und Klassenfahrten der Kinder, für den Eintritt ins Badria, für den Stadtbus, für Musikunterricht oder die Mitgliedschaft bei den Autoteilern.

Linda Zacherl/Wasserburger-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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