Viel Zeit für Form und Harmonie

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Kein Einheitsbrei, sondern Häuser in verschiedenen Farben und Formen entstehen am Spitz der Münchener- und der Köbingerbergstraße. Und es wird wohl auch noch einige Zeit gebaut werden.

Wasserburg - Was wird aus den Häusern an der Stadteinfahrt in der Münchener Straße? Seit 2007 werden dort Reihenhäuser gebaut, bezogen ist aber noch keines.

Auffällig ist schon die geschwungene Mauer mit ihren kleinen Türmchen, die sich an der Münchener Straße entlangzieht. Dahinter befinden sich an der Köbingerbergstraße drei fertige Häuser und weitere zwei, an denen noch gebaut wird. Wenn sie im Mai 2012 fertig werden, soll sich noch ein Turmgebäude dazu gesellen, erst dann ist die Baustelle abgeschlossen.

"Der Turm zusammen mit der Baugruppe soll in seiner Gesamtform die Einfahrt nach Wasserburg gestalten" sagt Theresa Betzl, die zusammen mit ihrem Partner, dem Architekt Erwin Lynen die Gebäude gestaltet. Früher seien an dieser Stelle die Zölle kassiert worden, die Mauer solle auch ein bisschen daran erinnern.

Der ursprüngliche Auftraggeber des Projektes verunglückte vor drei Jahren tödlich, seitdem verwaltet Betzl das Vorhaben treuhändisch. "Das Geld kommt von verschiedenen Leuten, die alle nur eine vergleichsweise geringe Summe zahlen". Daher komme es auch, dass sich für den Verkauf beziehungsweise die Vermietung der Häuser "Zeit genommen werden kann", es gebe niemanden, der eine große Summe investiert habe, die er durch den Verkauf wieder hereinholen müsse.

Was mit den Häusern gemacht wird, stünde sowieso auf einem ganz anderen Blatt, sagt Theresa Betzl: "Die Bauten werden erst verkauft, wenn alles fertig gestellt ist." Das Bauvorhaben sei von Anfang an so geplant gewesen, dass nicht alles auf einmal gebaut wird. Das reduziere die Lärmbelastung der Anwohner und die Belastung des Geldbeutels der Investoren erheblich.

Zeit braucht man hier ohnehin, denn kein Teil der Häuser besteht aus Fertigbauteilen oder Komponenten von der Stange. Jeder Türrahmen, jedes Fenster ist von Hand gebaut, "und das kostet dann auch dementsprechend". Vor allem wenn es, so wie in diesem Projekt, von Fenstern nur so wimmelt. In jedem Raum und bei jeder Treppe ist mindestens eines angebracht, auch zwischen den Räumen wurden sie im Kleinformat eingefügt. Durch diese Eigenart, auf die laut Betzl sehr viel Wert gelegt wurde, ist jeder Raum hell, es bietet sich immer ein Ausblick nach draußen.

Die Aussicht ist beileibe nicht schlecht, hinter einer Grünfläche sind die Häuser der Burgau zu erkennen und am Horizont bietet sich ein Blick auf die Berge. Die Mauer schirmt gegen die Staatsstraße ab. Zu den einheitlichen, sehr ähnlichen Wohnhäusern im Blickfeld sollte, so Betzl, "ein Gegensatz geschaffen werden".

Anders sind die neuen Häuser in der Köbingerbergstraße auf jeden Fall: Die Architektur ist sehr verspielt, überall gibt es kleine Simse und Ecken, "man kann immer wieder etwas Neues an seiner Wohnung entdecken". Zudem ist alles nachhaltig gebaut, das heißt jeder verbaute Rohstoff ist leicht zu entsorgen und in keiner Weise schädlich. Wenn es nach Betzl geht, "muss das Haus 300 Jahre stehen", handwerklich solide genug sei es auf jeden Fall. Ein weiteres Ziel sei auch, dass sich der Bewohner wohl fühle: "Er soll zuhause Urlaub machen können und nicht am Wochenende wegfahren müssen um neue Kraft zu tanken."

Es wird auch auf umweltfreundliche Energien gesetzt, eine Holzpelletsheizung sorgt für Wärme. In jedem Haus steht außerdem ein Ofen, in dem seperat eingeheizt, gekocht und gebacken werden kann.

Die Idee hinter der Art des Bauens erinnert ein wenig an das chinesische Feng Shui: "Zwischen Innen und Außen besteht eine Einheit, diese erzeugt eine Nachhaltigkeit für den Nutzer, der diese Harmonie lebt" sagt Betzl. Das Umdenken, mehr an die Natur zu denken, setze, so Betzl, erst langsam ein: "Leider".

Lukas Steffinger (Wasserburger Zeitung)

Quelle: rosenheim24.de

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