Viele Kulturen in einem großen Garten

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Eine Naschhecke mit Haselnüssen, Sanddorn, Holunder und anderen Leckereien sollen den interkulturellen Garten einmal umgeben. Den Anfang machten jetzt Reitmehringer Schüler zusammen mit dem Bund Naturschutz.

Wasserburg - Hier wachsen schon Zwiebeln, dort ist gerade umgegraben worden und mancherorts grüßt noch die Blumenwiese: Bunt geht es zu im interkulturellen Garten.

3900 Quadratmeter Südhang am Rande der Nördlichen Burgau. Ein Bachlauf und drei Biotope gleich nebenan. Die nahe Bundesstraße schickt ein Murmeln herüber. 27 Kinder, Frauen und Männer teilen sich diesen Fleck, den "interkulturellen Garten". Die 27 Gärtner kommen aus zehn Nationen, Brasilien ist ebenso vertreten wie der Irak und Rumänien. Der "Kids Club" des Mehrgenerationenhauses ist genauso vertreten wie die junge Mutter mit drei kleinen Kindern oder die Stadträtin. Die Gärtner wohnen nicht nur in der Burgau oder Reitmehring, es sind auch etliche Altstädter und Burgerfelder dabei.

Es ist keine zwei Monate her, als zum ersten Treffen für interessierte Wasserburger aus aller Welt eingeladen wurde. "Ich war ganz schön nervös, hatte überhaupt keine Vorstellung , ob und wie die Idee angenommen wird", gesteht Renate Mayer, treibende Kraft bei RioKonkret hinter dem interkulturellen Garten. 13 Parzellen waren gleich vergeben, die Mayersche Nervosität weg. Zehn, 20, 30 und 40 Quadratmeter plus Variationen davon gab es. Zweimal waren gleich zwei mal 40 Quadratmeter gefragt, "so groß geht's jetzt aber nicht mehr".

Denn viel Platz für weitere Gärtner ist nicht mehr. Schließlich ist am Waldesrand noch eine Gemeinschaftshütte geplant, wo Gartengerätschaften untergebracht werden können. Außerdem soll ein Grillplatz mit zwei fest installierten Feuerstellen und Platz für mobile Grills entstehen. Und auch eine Kinderecke ist in Planung. Wie das alles gestaltet werden soll, das besprechen die Gärtner am heutigen Freitag ab 18 Uhr. Bei schönem Wetter in ihrem Garten, sonst im Mehrgenerationenhaus.

Viel geredet und besprochen wurde naturgemäß im Vorfeld. Valentina Somaia flitzte oft hinüber zum künftigen Garten, redete mit Interessenten vor Ort, Renate Mayer besprach Dinge wie zum Beispiel die Wasserversorgung mittels Schwengelpumpe mit der Stadtverwaltung, die beiden telefonierten mehrfach täglich miteinander und eine Leitungsgruppe entwickelte in ihren Treffen diverse Punkte, die in die Gartenordnung einflossen. Wie zum Beispiel die biologische Bewirtschaftung des Gartens, den Verzicht von Hütten in den Parzellen und das Verbot von Hunden. Wenn der Betrieb rund läuft, gibt die Leitungsgruppe die Organisation ab, die interkulturellen Gärtner verwalten sich dann selber.

Eine Parzelle sieht schon sehr aufgeräumt aus. Thujen kennzeichnen den Eingang, Beete mit Zwiebeln und Paprika sind angelegt, vier Obstbäumchen und einige Johannisbeerbüsche sind gepflanzt. Ein paar Meter weiter lugen winzige Himbeeren aus dem Gras, unter einer Plastikfolie wachsen Tomatenpflänzchen. Und noch ein paar Meter weiter ist eine Gartenumrandung fertig. "Die Steine hätten jahrelang beim Nachbarn vor der Garage gelegen, hat mir der Gärtner strahlend erzählt, und nun hätte es doch noch eine Verwendung dafür gegeben", berichtet Renate Mayer schmunzelnd. Überhaupt scheint der interkulturelle Garten nachbarschaftliche Beziehungen anzukurbeln. Ein Mann und eine Frau, die auf ihrer jeweiligen Parzelle werkeln, stehen auf einmal beieinander und ratschen. Ein ganze Gruppe kleiner bunter Punkte ist am andern Ende des interkulturellen Gartens zu sehen. Die Punkte entpuppen sich als Kinder aus dem Burgauer Kindergarten. "Ein paar Eltern von unseren Kindern sind hier dabei und die Kleinen haben mit so viel Begeisterung von ihrem Garten erzählt, dass wir heute einen Ausflug hierher unternommen haben", erzählt Kindergartenleiterin Hannelore Meerstein. Renate Mayer strahlt. "Für mich ist der interkulturelle Garten jetzt schon eine unheimliche Bereicherung. Ich hoffe, für alle anderen wird er es auch." Und wer weiß, vielleicht gibt es ja irgendwann einen zweiten interkulturellen Garten, am anderen Ende der Stadt.

syl/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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