Wasserburg: Die Lust an der Körperkunst

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Waserburg - Jeder vierte Deutsche hat ein Tattoo, heißt es laut einer bundesweiten Umfrage. Ein Trend, der sich entwickelt. Auch in Waserburg.

Das Tattoo! Was in den 70er Jahren oftmals nur von ganz besonderen Personengruppen, wie Seemännern und Soldaten getragen wurde, hat seit mehr als 30 Jahren stetig an Beliebtheit gewonnen. Auch im „Wasserburger Stadtgebiet“ ist ein Tattoo keine Sache mehr, die man geheim hält. Kaum fängt man an, die Leute zu fragen, ob denn eine Tätowierung den eigenen Körper ziert, krämpeln viele den Ärmel vom Pullover hoch oder zeigen einem die nackte Schulter!

Individualität bevorzugt

Die Bedeutung jedes einzelnen Symbols oder Schriftzugs ist für die Besitzer unterschiedlicher, aber meist privater Natur: Persönliche Erinnerungen, ein Bild das gut gefällt oder etwa der Name des Liebsten oder des eigenen Kindes. Individuelle und äußerst persönliche Tatoos sind bei den Wasserburgern äußerst beliebt!

Maria (26): „Ich habe mir schon viele Tatoos machen lassen und bereue keines. Ich mag Symbole und Schriftzüge gern. Meine neueste Errungenschaft ist mein Lebensmotto: Genieße das Leben! Als Symbol ist noch ein 4-blättriges Kleeblatt mit dabei. Ich bin total happy damit und freu mich, dass es so gut zu mir passt.“ 

Von 50 befragten Inn-Städtern hatten 32 ein Tatoo. Dabei waren alle Altersgruppen vertreten: Überwiegend 20- bis 30-Jährige schmücken sich mit den dauerhaften Kunstwerken auf der Haut. Doch auch im Altersbereich bis einschließlich 50 Jahren haben einige aus dem Wasserburger Stadtgebiet eine Tätowierung anbringen lassen. Auffällig: Während die etwas Älteren Bilder auf der Haut haben, mögen die Jüngeren gerne individuelle Schriftzüge oder Symbole.

Arschgeweih wird belächelt

Völlig aus der Mode gekommen ist dafür das sogenannte „Arschgeweih“, oberhalb des Steißbeins. „Wie peinlich ist das denn“ poltert die 25-jährige Yvonne, die zwar von ihrem japanischen Schriftzug am Handgelenk begeistert ist, sich aber nie ein „Arschgeweih“ vorstellen könnte. „Das ist ja wirklich nur was für echte Zicken“ grinst sie und schlendert weiter die Ledererzeile entlang.

Edith (25): „Ich wollte schon immer ein Tatoo haben. Eigentlich dachte ich, an der Schulter wäre der ideale Platz dafür. Doch nun ist es doch das Handgelenk geworden und ein besonderer Schriftzug: Der Name meines Sohnes. So hab ich ihn immer dabei“.

Was im 20. Jahrhundert oftmals nur als Jugendkult angesehen wurde, wird heute von allen Schichten der Gesellschaft getragen. Viele Prominente zeigen ihre Tätowierungen ganz selbstverständlich, was zu einer erhöhten Akzeptanz in der Bevölkerung geführt hat. Personen mit Tattoo sind seither nicht mehr als „anders“ angesehen. Viele Bürger lehnen zwar nach wie vor diesen Trend ab, ebenso wie auch Piercings. „Doch die Beliebtheit geht weiter“, findet Micha Stippel vom Tattoo-Studio Facefull aus Wasserburg: „Seit 13 Jahren bin ich hier im Geschäft und kann mich nicht über Arbeitsmangel beklagen“, bestätigt die Ladenbesitzerin. „Nur mit den Jahren hat sich eben der Geschmack der Motive deutlich verändert“.

Tattoo im Job

„Tätowierungen und Piercings sind Privatsache, die dem Persönlichkeitsrecht unterliegen“, heißt es in den Informationen vieler Gewerkschaften. Grundsätzlich dürfe die Chefin oder der Chef den Körperschmuck nicht verbieten. Ungeschriebene Gesetze gebe es aber immer, heißt es in manchem Ratgeber. In Branchen mit regelmäßigem Kundenkontakt sind Tätowierungen oftmals nur innerhalb der sogenannten „T-Shirt-Grenze“ erlaubt. Das ist der Bereich, der von einem handelsüblichen T-Shirt abgedeckt werden kann. Bei den Banken in der Region ist ein Tatoo kein Einstellungshindernis. Auf Anfrage unserer Redaktion heißt es beispielsweise bei der Sparkasse Wasserburg: „Wir haben mit Tätowierungen kein Problem. Ein gepflegtes Erscheinungsbild im Gesamten wird vorausgesetzt, dies ist aber auch mit Tattoo durchaus möglich.“

 

Krankenkassen warnen davor

Als „unverantwortliches Handeln“ bezeichnen viele Krankenkassen diese Selbstdarstellung in Form von dauerhafter Farbe: „Die Farbe für eine Tätowierung kommt oftmals aus der Industrie, hat Zusatzstoffe, die als ungesund, teils sogar als schädlich gelten“, entsetzt sich eine Mitarbeiterin einer Krankenkasse. Dies widerlegt Micha Stippel vom Tattoostudio: „Alles Quatsch! Seit Mai 2009 gibt es eine sogenannte Tätowiermittelverordnung. Alle Farben, die verwendet werden, sind speziell hergestellt und geprüft.“

Laserbehandlung zur Tatoo-Entfernung

Wenn der einstiege „Spaß“ plötzlich zu einer echten Belastung wird, dann ist der Wunsch nach einer Tatoo-Entfernung groß. Manch einer schämt sich für die „Laune aus der Jugend“. Eine gute Möglichkeit, Tätowierungen dauerhaft weg zu bekommen ist die Laserbehandlung. Dabei werden die Makrophagen, also körpereigene Zellen, die in die Farbpigmente eingebettet wurden, wieder aufgebrochen. Auch die Hautarztpraxis Dr. Nachbar aus Wasserburg bietet eine Tattoo-Entfernung durch Laserbehandlung an.

Von den Krankenkassen werden solche Behandlungen nicht übernommen. „Jeder, der ein Tatoo trägt, hat dies auch freiwillig machen lassen“, so die Krankenkassen-Mitarbeiterin aus der Region. „Darum muss derjenige auch selbst dafür finanziell gradestehen, wenn die Farbe wieder weg soll“.

 

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa (Symbobild)

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