Viele Wünsche, wenig Geld

Wasserburg - Die "ProBahn"-Gruppe hat sich wieder einmal zu Wort gemeldet, bei der es auch um Bahn, vor allem aber um den Busanschluss dazu ging. Fazit: Es gibt noch viel Verbesserungspotenzial!

Sehr lange hatte man von Pro Bahn in Wasserburg nichts mehr gehört. Das könnte daran liegen, dass im öffentlichen Verkehr im Wasserburger Raum in den letzten Jahren schon viele Verbesserungen erreicht wurden, wie die Podiumsteilnehmer fast einhellig feststellten. Ein bevorstehender weiterer positiver Schritt war auch Anlass für die Veranstaltung im Paulaner, bei der rund 100 Besucher nach Plätzen suchten.

Ab Dezember 2013 soll es nämlich im Stundentakt per Bahn von Wasserburg nach München gehen, und das von 6 bis 22 Uhr, sieben Tage die Woche - und schneller als bisher, "unter 50 Minuten", so die Zusage. Denn der "Filzenexpress" zwischen Reitmehring und Ebersberg wird gleichzeitig von 50 auf 80 Kilometer pro Stunde beschleunigt. Ob das wirklich so kommt, war eines der wichtigsten Themen der Veranstaltung. Dabei kristallisierte es sich als das kleinere Problem heraus, dass mit dem Bau des Begegnungsbahnhofs in Steinhöring, der technische Voraussetzung für den Stundentakt ist, noch nicht begonnen wurde. "Das wird fertig", wurde mehrfach versichert.

Ob die Bayerische Eisenbahngesellschaft im Auftrag des Freistaates dann aber auch wirklich wie zugesagt den umfangreichen Stundentakt bestellen wird, das konnte und wollte deren Vertreter auf dem Podium, Peter Högl, nicht zusagen. Hintergrund seien laufende Verhandlungen mit der Bahn über Vertragsverlängerungen. Von deren Ergebnis hänge es ab, ob noch genug Geld für einen echten Stundentakt da sei, so Högl, der aber auf alle Fälle deutliche Verbesserungen versprach, unter anderem Verdichtungen zu Stoßzeiten und einen Spätzug aus München, Abfahrt um 0.21 Uhr ab Grafing.

Der Geld-Vorbehalt stieß auf wenig Verständnis beim Podium wie im Saal. Bürgermeister Michael Kölbl, der ansonsten die vielen Verbesserungen auch mit Stadtmitteln hervorhob, bezeichnete einen "Schweizerkäse-Stundentakt" als nicht akzeptabel. Das unterstrich sichtlich verärgert auch Bürgermeister Mathias Schnetzer aus Edling, der erinnerte, der Stundentakt sei bereits "versprochen."

Norbert Moy von "Pro Bahn" meinte gar, die stündliche Verbindung sei heute ein "Mindestangebot". Außerdem brauche es mehr Direktverbindungen bis München-Ost.

Hauptthema des Abends war aber eigentlich, wie man zum Zug und vom Bahnhof wieder nach Hause kommt. Für Wasserburg selbst ist das dank des seit drei Jahren getakteten Stadtbusses relativ einfach, auch wenn noch weitere Verbesserungen denkbar wären, etwa die bereits geforderte Anbindung der Antoniussiedlung in Reitmehring. In den anderen Gemeinden aber gibt es schon jetzt erhebliche Lücken bei den Buszubringern, von stündlicher Anbindung ganz zu schweigen.

Hier sagten die RVO-Vertreter auf dem Podium unter anderem Gespräche mit der Gemeinde Pfaffing zu. Das ist wegen des Bahnhofs im drei Kilometer entfernten Forsting besonders betroffen. Nicolaj Eberlein von der RVO-Direktion stellte außerdem Zukunftsprojekte vor, wie den "bedarfsgesteuerten Bustransport" nach Abruf durch den Kunden oder die Information in Echtzeit per Laptop oder Handy.

Den einmal mehr vorgetragenen Wunsch, bis Reitmehring den MVV-Tarif einzuführen, musste Hans Zagler von der Rosenheimer Verkehrsgesellschaft enttäuschen. Die RVG organisiert im Auftrag des Landkreises Rosenheim den Nahverkehr und hat errechnet, dass der erforderliche MVV-Zuschuss nur für den Filzenexpress etwa 300.000 Euro im Jahr betragen würde. Denn MVV-Preise sind prinzipiell subventioniert. Da aber dann auch andere Bereiche des Landkreises berechtigterweise diese Zuschüsse fordern würden, sah er dafür keine Chancen.

Noch weniger realistisch sind die vorgetragenen Wünsche nach einer Elektrifizierung bis Wasserburg oder gar dem Bau einer neuen Bahnspange nach Kirchseeon, was die Fahrzeit nach München deutlich verkürzen würde. "Wir haben in Bayern keine Chance, einen Meter Bahn neu zu bauen", bedauerte Peter Högl - "im Unterschied zur Straße." Und: Alles sei eine Frage des politischen Drucks und des Geldes. Alleine der Kreuzungsbahnhof Steinhöring koste mit Signaltechnik sieben Millionen Euro, erläuterte Matthias Krause von der Südostbayernbahn.

Was den Busanschluss für kleinere Orte der Umgebung betrifft, wurde unter anderem das Anruf-Sammeltaxi (AST) vorgeschlagen. Aber auch hier entstünde hoher Subventionsbedarf, in diesem Fall durch den Landkreis. Hier wurden auch die Grenzen des öffentlichen Verkehrs deutlich, etwa "wenn ein Fahrgast mit hohem Steuerzahler-Zuschuss verbilligt mit dem Taxi nach Babensham gefahren werden soll", wie es hieß.

Auch wenn es am Ende trotz der fachkundigen Nachfragen von Moderator Karl-Heinz Dix keine konkreten Ergebnisse gab, war Bernd Meerstein von Pro Bahn recht zufrieden. Man werde sich in Kürze auch wieder mit der Altstadtbahn beschäftigen, kündigte er an.

koe/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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