Viele Zeugen - keine Aufklärung

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Wasserburg - Wer hat am Allerheiligentag 2008 gegen vier Uhr morgens eine damals 18-jährige Schülerin angefahren? Auf diese Frage suchte jetzt das Wasserburger Amtsgericht eine Antwort - vergeblich!

Der Vorfall ereignete sich in der Schmidzeile in Wasserburg. Der Unfallfahrer entfernte sich anschließend unerlaubt vom Unfallort. Die Geschädigte zog sich schwere Prellungen an Hüfte und Knie zu.

Im Amtsgericht waren nun acht Zeugen an zwei Verhandlungstagen geladen - Licht ins Dunkel brachten sie allerdings nicht!

Unklar war bis zuletzt , ob sich zum Unfallzeitpunkt auf dem Beifahrersitz eine oder zwei Personen befunden hatten, ob es sich dabei um Männer oder Frauen gehandelt hatte, ob die Beifahrertür kurz geöffnet worden ist und ob das Unfallopfer den Unfallverursacher beziehungsweise die Unfallverursacherin überhaupt hatte sehen können.

Kurios auch die Ermittlung des Angeklagten, den Bekannte der Geschädigten anhand des Autokennzeichens über die Internet-Community Lokalisten ausfindig gemacht hatten. Der Fahrzeughalter, ein 28-jähriger Kaufmann aus Haag, hatte sich daraufhin bei der Polizei gemeldet. Nun musste er sich vor dem Amtsgericht Wasserburg wegen fahrlässiger Körperverletzung, unerlaubtem Entfernen vom Unfallort und Fahren ohne Fahrerlaubnis verantworten.

Gleichzeitig war sein 25-jähriger Bekannter wegen versuchter Strafvereitelung angeklagt. Der hatte nämlich ausgesagt, dass die 28-jährige Ex-Freundin des Fahrzeughalters in dieser Nacht dessen Wagen gefahren hatte.

Nach seinen Angaben hatte die Frau ihn und zwei weitere Männer von der Diskothek Universum in Wasserburg abgeholt. Er sei aber sofort im Wagen eingeschlafen und erst in Haag wieder aufgewacht. Von einem Unfall habe er nichts bemerkt. Der Angeklagte beteuerte auch am zweiten Verhandlungstag, dass er sich überhaupt nicht im Wagen befunden hätte. Seine Ex-Freundin habe seinen Wagen am Unfalltag schon den ganzen Tag über gefahren. Nach einem Dämmerschoppen habe er sie am Abend besucht und sei auf ihrer Couch eingeschlafen. Den Anruf der gemeinsamen Spezln gegen 3 Uhr morgens habe er zwar mitbekommen, aber die Frau sei alleine gefahren.

Die 28-Jährige sagte aus, dass sie ihre Bekannten alleine aus Wasserburg abgeholt hätte. Dazu habe sie sich nicht sonderlich zurecht gemacht und ihre langen Haare einfach im Nacken zusammengebunden. Auf dem Heimweg sei sie nach dem Brucktor stadteinwärts vorschriftswidrig nach links in die Schmidzeile abgebogen. Zu diesem Zeitpunkt hätten sich mehrere Personen auf der Verkehrsinsel und dem gegenüberliegenden Parkplatz beziehungsweise Gehsteig aufgehalten. Deshalb habe sie die Geschwindigkeit des Fahrzeugs verringert. Jedenfalls habe sie keinen Unfall bemerkt, allerdings sei es im Wagen auch sehr laut gewesen. Die Berührung einer Person wollte sie nicht ausschließen, jedoch sei definitiv niemand auf die Motorhaube gefallen.

Die übrigen Wageninsassen bestätigten diese Angaben im Großen und Ganzen. Die geschädigte Schülerin sagte dagegen aus, dass sie vom Wagen erfasst, über die Motorhaube gerollt und neben der Beifahrertür gelandet sei. Beim Aufstehen habe sie den Fahrer deutlich gesehen und ihn in dem Angeklagten wiedererkannt. Das könne sie mit Bestimmtheit sagen, weil sie sich gedacht habe, dass der Mann gar nicht schlecht aussehe. Sie war sich außerdem sicher, dass vorne zwei Männer gesessen hatten.

Ein weiterer Zeuge war sich laut seiner Aussage zu 60 bis 70 Prozent sicher, dass es sich bei dem Angeklagten um den Unfallfahrer gehandelt habe. Er wollte kurze dunkle Haare erkannt haben, als eine Passantin nach dem Unfall die Beifahrertür aufgerissen habe. Deshalb schloss er aus, dass es eine Fahrerin gewesen sein könnte.

Drei Zeugen sagten aus, dass sich auf dem Beifahrersitz zwei Personen befunden hätten, wobei sie sich über deren Geschlecht nicht einig waren. Allerdings stimmten sie bei ihrer Aussage überein, dass der Wagen kurz nach dem Unfall angehalten habe und dann weitergefahren sei.

Ob die Geschädigte das Gesicht des Fahrers beim Unfall überhaupt erkennen habe können, blieb auch nach Abschluss der Beweisaufnahme unklar. Denn einige Zeugen hatten angegeben, dass das Fahrzeug die Geschädigte von hinten erfasst habe und sie mit dem Rücken über die Motorhaube auf die Straße gefallen sei.

Bei so vielen Widersprüchen konnte das Gericht die Tatvorwürfe nicht eindeutig nachweisen und sprach beide Angeklagten frei.

ca/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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