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Vogtareuth, Eiselfing, Tuntenhausen betroffen

Keime im Trinkwasser: Ist Klimawandel schuld? Das sagt das Gesundheitsamt

Trinkwasser aus der heimischen Wasserleitung, scherzhaft auch Kranenquelle genannt, ist das am strengsten kontrollierte Lebensmittel, das es in Deutschland gibt. Bisher hieß es „Hahn auf, Durst gelöscht“, doch die Abkochverfügungen werden häufiger.
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Trinkwasser aus der heimischen Wasserleitung, scherzhaft auch Kranenquelle genannt, ist das am strengsten kontrollierte Lebensmittel, das es in Deutschland gibt. Bisher hieß es „Hahn auf, Durst gelöscht“, doch die Abkochverfügungen werden häufiger.

Drei Gemeinden, in denen binnen zwei Monaten das Trinkwasser abgekocht werden musste. Weil sich in den Proben des am strengsten kontrollierten Lebensmittels ein einsamer coliformer Keim – vielleicht auch ein zweiter – fand. Zum Kummer der Wasserversorger. Die fühlen sich zu Unrecht angeprangert.

Update am 7. September - 14.42 Uhr: Gesundheitsamt stützt Auffassung der Wasserversorgung

Hier ist die Einschätzung aus dem Gesundheitsamt: Die Ursache für eine Verkeimung ist immer abhängig von der Probenahmestelle. Wird eine Verkeimung an der Wassergewinnung (Brunnen, Quelle) festgestellt, kann durchaus der Klimawandel eine übergeordnete Rolle spielen. Bei langanhaltenden Trockenperioden tauchen in der Regel zwei Probleme auf.

Der sinkende Grundwasserspiegel: Hier muss die Pumpe stärker in den unteren Regionen des Brunnens saugen, was zu einer Verkeimung führen kann.

Lange, teils tiefe Risse im Boden: Hier ist die Durchlässigkeit der Deckschicht beeinträchtigt und die Filterwirkung nicht mehr gegeben. Bedeutet, Regenwasser und andere Flüssigkeit kann schneller ins Grundwasser gelangen.

Wird eine Verkeimung im Netz festgestellt, kann dies viele verschiedene Ursachen haben. Ein Leitungsnetz ist nie zu einhundert Prozent dicht. Auf Grund des Klimawandels und den damit verbundenen höheren Temperaturen über einen längeren Zeitraum erwärmen sich die Trinkwasserleitungen im Boden natürlich auch. Dies reguliert sich aber in der Regel über die ständige Abnahme der Verbraucher und einen ständigen Wasseraustausch.

Erstmeldung:

„Ich habe das Gefühl, die Leute schauen mich an wie einen Verbrecher.“ Josef Oberberger, Vorsitzender des Wasserbeschaffungsverbandes Vogtareuth, ist hörbar angefasst. Die Proben an seinem Brunnen waren sauber. Wo im Leitungsnetz, ob in der Hauptleitung oder einem Hausanschluss, der Keim auftauchte weiß er nicht. „Aber je weniger Wasser in der Leitung läuft, desto eher sind coliforme Keime vorhanden.“ Bei ihm lief die Chlorung am Dienstag, 6. September, noch.

Ursachenforschung mit Gesundheitsamt

Georg Dettendorfer vom Wasserbeschaffungsverband Ostermünchen ist damit schon durch. „Wir hatten das erste Mal Probleme“, sagt er, und klingt noch immer erschüttert. Sein Verband sei jetzt mit dem Gesundheitsamt dran, nach der Ursache zu forschen.

Georg Reinthaler ist nicht nur Bürgermeister von Eiselfing, der Gemeinde, die den Abkochreigen im Landkreis eröffnete, er ist auch Vorsitzender des Zweckverbandes zur Wasserbeschaffung der Schonstetter Gruppe, der rund 8100 Menschen in Eiselfing, Amerang und Schonstett mit Trinkwasser versorgt. Aus seiner eigenen Gemeinde weiß er, dass es dort keine Gülleausbringung und keine Einspülungen vor der Abkochverfügung gegeben hat. Und er weiß auch, dass an den beiden Brunnen in Eiselfing das Grundwasser messbar gesunken ist. Den sinkenden Grundwasserspiegel, vor allem im Sommer, bestätigen auch Oberberger und Dettendorfer.

Die Tage mit heftigem Dauerregen hätten da nichts gebracht, so Reinthaler, weil der ausgedörrte Boden die Wassermassen gar nicht aufnehmen konnte. Genau das sei nach Starkregenereignissen ein großes Problem, bestätigt Gianmarco Tolomei vom Wasserwirtschaftsamt Rosenheim. Ein Teil des Wassers liefe einfach ab, der andere versickere so schnell, dass die Filterfunktion des Bodens nicht mehr greife. „Wir haben den klassischen Landregen nicht mehr“, bedauert Dettendorfer. Ein nachhaltig hoher Grundwasserspiegel entsteht im Winter. „Viel Schnee, der beim Schmelzen langsam in den Boden sickert“, das wäre laut Reinthaler der Idealfall. „Es ist aber zu befürchten, dass wir die kalten Winter mit viel Schnee nicht mehr kriegen“, sagt er trocken.

Die Böden werden immer wärmer

Es ist aber nicht nur das sinkende Grundwasser, das den Wasserversorgern Sorgen bereitet. Es ist auch die Hitze. „Früher haben wir die Leitungen tief eingegraben, damit sie im Winter nicht frieren. Dann hieß es ‚Friert doch nimmer, muss nicht mehr so tief runter‘ und jetzt haben wir wegen der Wärme das entgegengesetzte Problem“, so Oberberger.

Das sieht auch der Vorsitzende der Schonstetter Gruppe so. Ja, die Böden haben sich erhitzt, ist Reinthaler sicher, auch wenn das nicht so einfach zu messen sei, wie der sinkende Grundwasserpegel. Die erwärmten Böden hätten ihm auch Baggerfahrer bestätigt: Sie grüben deutlich tiefer durch staubtrockene Böden, als vor fünf oder zehn Jahren, hätten sie ihm erzählt, so Reinthaler. „Und durch die warmen Böden kommt mehr Leben in die Leitungen, als wir alle wollen“, so der Verbandsvorsitzende. „Die Wassertemperatur ist im Boden schon bei 19 Grad und das ist keimtreibend“, bestätigt Dettendorfer. Ab 19 oder 20 Grad treten verstärkt coliforme Keime auf, sagt auch Oberberger. Das Gesundheitsamt war bis Redaktionsschluss für eine Einschätzung der Lage nicht zu erreichen.

Wasserversorger spülen nicht gern

„Da müssen wir im nächsten Sommer wohl die Leitungen öfter spülen um das Wasser kühler zu halten“, blickt Oberberger voraus und ist mit dieser Lösung hörbar nicht glücklich. Reinthaler erklärt, warum: Schon bei den Chlorungen müssen die Leitungen durchgespült werden, also werden die Hydranten aufgedreht und das Wasser läuft einfach weg. Das senke womöglich noch den Grundwasserspiegel, trage zur Verschlechterung der Lage bei. Und: „Die Leute werden aufgerufen, Wasser zu sparen und wir müssen es raushauen – das kommt nicht gut an.“

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