Wald, Klima und Gesellschaft

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Wasserburg - Die Waldbesitzer werden mehr. Doch die Generation der Wald-Erben lebt vielfach in Städten und hat ein ganz anderes Verhältnis zu Forst und Holz, als noch deren Eltern und Großeltern.

Das hat Auswirkungen auf die Wirtschaftskraft der Branche. Die ca. 2,5 Mio. Hektar Wald in Bayern sind verteilt auf etwa 600.000 Waldbesitzer. Rund 60 % der Waldfläche befindet sich in privater Hand und hier liegt eine Herausforderung. Der Umgang mit der Ressource Holz ist entscheidend für die Entwicklung unseres Klimas, der bayerischen Wirtschaft und der Zukunft von rund 200.000 Arbeitsplätzen in Bayern. Davon überzeugte sich der Landtagsausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten unter Führung seines Vorsitzenden Albert Füracker vergangene Woche in der Region Wasserburg. Gemeinsam mit Branchenexperten, die die bayerische Cluster-Initiative Forst und Holz stellvertretend für die Wertschöpfungskette vom Forst bis hin zum Holzprodukt eingeladen hatte, begab man sich auf eine Informationsfahrt zum Thema Regionale Wirtschaftskraft durch Forst und Holz.

„Das bayerische Ökosystem Wald liefert den Roh-, Bau- und Werkstoff Holz. Dieser Wertstoff sichert Arbeitsplätze und Wirtschaftskraft im Ländlichen Raum und er ist unverzichtbar für den Klimaschutz“, skizziert Cluster-Sprecher Prof. Gerd Wegener die Hauptbotschaften. „Das ist es, was wir im Bewusstsein von Politik und Gesellschaft verankern wollen. Wald gehört nicht unter die Käseglocke, sondern muss gepflegt und bewirtschaftet werden. Die Kreisläufe der Wald- und Forstwirtschaft, die Wertschöpfungskette Holz wollen wir in die Öffentlichkeit tragen und den Wert dieser Branche für unsere Volkswirtschaft darzustellen.“

Wald, Klima und Gesellschaft

Was Holz als Baumaterial leisten kann, wie Handwerk und innovatives Unternehmertum beständig an der Weiterentwicklung der Einsatzmöglichkeiten von Holz arbeiten, zeigte der Besuch des Holzbaubetriebes Huber und Sohn in Bachmehring. Der Betrieb – einer der Großen im Landkreis – hat sich breit aufgestellt. Vom Fensterbau über Fertigteillösungen zum Hausbau, Dachfertigteilen, Isolierungen bis hin zu einer ausgeklügelten Verpackungsherstellung reicht die Produktpalette. „Wir sehen es als sinnvoll an, unsere Produktion nicht von einer einzelnen Sparte abhängig zu machen“, sagt Josef Huber, Chef des Bachmehringer Unternehmens. „Anhand unserer Produktion kann man sehr schnell sehen, welche Rolle der Rohstoff Holz für mehrere Lebensbereiche spielt. Holz ist im Wohnbereich ein sagenhaft wandelbarer und gesunder Rohstoff. Es gibt kaum Bereiche, in denen Holz nicht eine sinnvolle Alternative zu anderen Baustoffen darstellt. Auch in der Kombination mit anderen Materialien, wie Glas oder Metall ist Holz ein ausgezeichneter Rohstoff.“ Der Betrieb wurde nicht zufällig von der Cluster-Initiative als Ziel der Landtagsexkursion ausgewählt. „Ich komme seit vielen Jahren immer wieder mit meinen Studenten der Holzforschung München in diesen Betrieb“, sagt Clustersprecher Wegener. „Hier bekommt man schnell einen Überblick über die breite Palette der Holznutzung.“ Und das ist auch für einen Landtagsabgeordneten wichtig, denn Zeit ist extrem knapp für die Parlamentarier und entsprechend wertvoll.

Und doch nahmen sich die Ausschussmitglieder viel Zeit für den Wald und die forst- und holzwirtschaftlichen Berufe. Auf den Waldwegen zwischen den Bayerischen Staatsforsten und privatem Waldbesitz und im Gespräch mit Waldbesitzern, Forstserviceunternehmen und Förstern führte die Cluster-Initiative die Akteure mit ihren unterschiedlichen Blickwinkeln zusammen und ermöglichte eine gemeinsame Diskussion. Die Cluster-Initiative wurde gegründet, um Akteure der langen und äußerst vielschichtigen Wertschöpfungskette zusammen zu bringen und so Wissenschaft und Praxis zu einen. Das war vor vier Jahren. Heute hat die Cluster-Initiative schon einiges erreicht, wobei „man einen langen Atem haben muss, um historisch gewachsene Strukturen zu hinterfragen damit die Branche mit gebündelten Kräften zukunftsfähige Lösungen umsetzen kann“, meint Cluster-Sprecher Wegener. Der Dialog fand auf den Waldwegen bei Wasserburg statt und es zeigte sich, dass es unterschiedliche Standpunkte gibt, die die Akteure der Forst- und Holzwirtschaft gemeinsam diskutieren und mit der Politik zukunftsfähige Lösungen erarbeiten wollen. Die rund 200.000 Arbeitsplätze können auch nur erhalten werden, wenn Politik und Gesellschaft die Bedeutung des Waldes und der Forstprodukte für Klimaschutz erkennen und für diesen Roh- Bau- und Wertstoff bereit sind, angemessene Preise zu zahlen.

Mehr Informationen zum Thema finden Sie unter: www.cluster- forstholzbayern.de.

Gisela Goblirsch

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

Zurück zur Übersicht: Region Wasserburg

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser