Waldtag zeigt nachhaltige Forstwirtschaft auf

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Besonders interessant für junge Zuschauer: Mit Hilfe einer Motorsäge entstehen filigrane Holzskulpturen.

Wasserburg/Babensham - Das notwendige Miteinander von Mensch und Maschine für eine umweltfreundliche und nachhaltige Forstwirtschaft stand am Wochenende im Mittelpunkt des Waldtages im Streitholz.

Anlässlich des internationalen Jahres der Wälder hatten der Bayerische Forstbetrieb Wasserburg, die Waldbesitzervereinigung Wasserburg-Haag sowie das Rosenheimer Amt für Landwirtschaft und Forsten gemeinsam zum Informationstag geladen. Bei herrlichem Sommerwetter nutzten größtenteils Waldbesitzer aus der Region, aber auch einige interessierte Waldspaziergänger die Möglichkeit, sich während eines Rundganges an verschiedenen Stationen über modernste Technik und Arbeitsweisen zur Holzgewinnung und Waldbewirtschaftung zu informieren. Für Kinder gab es ein kleines Unterhaltungsprogramm und nach der Führung warteten Wildspezialitäten vom Grill auf die Besucher.

"Von zentraler Bedeutung ist das naturnahe und generationenübergreifende Bewirtschaften des Privatwaldes", betonte Dr.Georg Kasberger vom Landwirtschaftsamt. Der Wandel der klimatischen Bedingungen und erhöhter Stickstoffeintrag in den Böden sorgten für ein beschleunigtes Waldwachstum, was deutlich mehr Pflege als in früheren Jahrzehnten erfordere. In diesem Jahr bereite den Waldbesitzern die schlechte Witterung mit langen Regenphasen jedoch massive Probleme, so Kasberger: "Der Boden ist stark aufgeweicht und im Moment stehen die Holztransporte still, weil man die Stämme nicht abtransportieren kann." Doch auch, wenn es nun in den kommenden Wochen doch noch eine längere, sommerliche Hitzeperiode geben sollte, sei dies nicht von Vorteil, "denn dann fängt leider der Borkenkäfer wieder an, sich in unseren Wäldern auszutoben."

"Holz wird in Zukunft unverzichtbar"

Rupert Mayer, Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung Wasserburg-Haag, hob die gestiegene Bedeutung der Energiequelle Holz hervor. "Wir können nicht einerseits aus der Atomkraft aussteigen und auf der anderen Seite die Förderung für nachwachsende Brennstoffe vernachlässigen." Deshalb müsse die Politik schon auf lokaler Ebene versuchen, die Holzwirtschaft zu stärken, rief er den anwesenden Bürgermeistern der Region zu. "Das Holz wird in Zukunft unverzichtbar."

Waldarbeiter präsentieren ihre Gerätschaften und Schutzkleidung.

An mehreren im Wald verteilten Stationen konnten moderne Großmaschinen bei der Arbeit beobachtet werden, Waldarbeiter führten ihre Tätigkeiten vor und Fachleute sowie lokale Unternehmer standen für die Fragen der Besucher zur Verfügung. Eine von einem Traktor gezogene Steinfräse etwa zerkleinerte die obere Schicht eines alten Forstweges und sorgte dafür, dass die Fahrbahn dadurch wieder erneuert werden konnte, ohne zusätzlich Kies in den Wald transportieren zu müssen.

Das mechanisierte Fällen, Bündeln und Vorrücken von Schwachholz zur nachfolgenden Produktion von Energieholz wurde mit einem ganz neuen "Fäller-Bündler" demonstriert. Ein sogenannter "Harvester" fällte an einer weiteren Station mit seinem großen Greifarm Bäume, entastete diese und schnitt sie zentimetergenau in Stücke. Diese wurden schließlich von einem "Rückezug" aufgeladen und abtransportiert. Dabei dürfen die Fahrer der Maschinen immer nur auf festgelegten und mit Astmaterial ausgelegten Rückegassen bleiben, um den Wald so wenig wie möglich zu befahren. Spezielle Achstechniken und breite Reifen sorgten dafür, dass der Bodendruck der großen Maschinen deutlich geringer sei, als bei den früher eingesetzten Muldenkippern, so Kasberger. "Dieser sanfte Eingriff in den Wald wäre ohne die moderne Technik gar nicht möglich."

Der Leiter des Forstbetriebes Wasserburg, Dr.Heinz Utschig, berichtete, dass die menschliche Komponente trotz der zunehmenden Technisierung der Waldwirtschaft in Deutschland seit Anfang der 1990er-Jahre weiterhin unverzichtbar sei. "Die Entscheidung, welche Bäume in den jeweiligen Waldstücken gefällt und entfernt werden, trifft niemals der Maschinenführer, sondern immer der zuständige Förster." Nur mit der notwendigen Ausbildung und Fachkenntnis sei es möglich, die Technik unter Beachtung der Prinzipien des naturnahen Waldbaus einzusetzen. "Man sieht dem Wald gar nicht an, welche enorme geistige Arbeit in ihm steckt", meinte Utschig. Zudem sei es in Wäldern mit einem großen Anteil alter Bäume oftmals gar nicht möglich, maschinell tätig zu werden. Hier käme es dann, wie auch schon in früheren Zeiten, einzig und alleine darauf an, sich auf die Erfahrung der Waldarbeiter zu verlassen.

Die Veranstalter zeigten sich sehr zufrieden mit der Besucherzahl und kündigten an, dass man derartige Informationstage künftig in einem festen Rhythmus organisieren wolle, um die Bevölkerung über das sensible Thema Waldbewirtschaftung aufklären zu können.

reg/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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