"Abfälle" von 1200 vor Christus

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Der kleine Krug oben im Bild ist das einzige Stück, von dem die Fachleute einige zusammensetzbare Scherben fanden. Sonst blieb es bei Einzelstücken wie denen unten - wobei diese Exemplare schon zu den großen gehören.

Wasserburg - Es wurden vorgeschichtliche Scherben und Speisereste an Südseite der Frauenkirche gefunden. "

Schade, dass es wieder nur für eine rasche Notbergung und nicht für eine systematische Untersuchung und Dokumentation eines der letzten, ungestörten Streifen der spätbronzezeitlichen Siedlung Wasserburgs am Marienplatz gereicht hat", bedauert Kreisheimatpfleger und Museumsleiter Ferdinand Steffan.

Eigentlich hätte man es nach Ansicht Steffans bei der Planung der Gehwegsanierung wissen können, dass sich die vorgeschichtliche Fundzone, die am Marienplatz, bei der Sakristei und auf der Nordseite der Frauenkirche schon mehrfach angeschnitten worden war, auch entlang der Südseite der Kirche erstreckt. Erst als die Fundamentierung des Gehweges schon weitgehend eingefüllt war, konnten Susanne Raffler, Armin Göttler und der Museumsleiter, unterstützt durch einen Bauhofarbeiter, für wenige Stunden den verbliebenen Graben zwischen südlicher Treppe und Gebäudeeck buchstäblich "durchwühlen", wo in einer deutlich sichtbaren schwarzen Brand- und Siedlungsschicht die Geschirr- und Speiseabfälle der frühen Bewohner der Halbinsel aus der Zeit um 1200 vor Christus steckten.

Zumeist handelte es sich um stark zerscherbte Keramik in Fingernagel- bis Handtellergröße von mindestens 20 verschiedenen Gefäßen, die in der Antike einfach hinter die Hütten oder in flache Gruben geworfen worden war. Wenigstens von einem kleinen bauchigen Henkelgefäß ließ sich etwa die Hälfte der Scherben finden und zusammensetzen. Alte Bruchstellen zeigen, dass das unverzierte Gefäß, nachdem es für die Siedler unbrauchbar geworden war, weggeworfen wurde. Daneben trat eine Vielzahl von zersplitterten Tierknochen zu Tage, die nach einer fachmännischen Auswertung, einen Einblick in den Speisezettel der Menschen vor gut 3000 Jahren geben.

Im hellen Flussschwemmsand zeichneten sich auch kleine Pfostenlöcher ab, die sich aber laut Steffan zu keinem System zusammenführen lassen. Da die Fundschicht nur geringfügig durch mittelalterliche und neuzeitliche Funde (Glas, Scherben, Nägel und eine abgebrochene Klinge) gestört war, hätte man bei einer eingehenderen Untersuchung weitaus mehr Funde bergen können, vermutet der Kreisheimatpfleger.

Wann und an welcher Stelle der Altstadt sich wieder einmal ein Blick in die Vorzeit auftut, lässt sich nicht voraussagen, doch muss laut Steffan mit Überraschungen bei allen Eingriffen in den Boden Wasserburgs gerechnet werden. fst

Quelle: rosenheim24.de

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