Ohne Bus und S-Bahn nach Bethlehem

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Der Eiselfinger Dreigesang sang unter anderem vom Beginn der Weihnachtsgeschichte.

Wasserburg - Es hätte nicht besser passen können fürs 45. Wasserburger Adventssingen: Alle Plätze im historischen Rathaussaal waren besetzt und der verschollen gewesene Stern ist auch wieder da.

Eines war ein wenig anders. "Der Lindauer Bert hört angeblich auf? Und was wird dann aus dem Adventsingen?" fragten wohl manche Freunde alpenländischen Singens und Musizierens im Advent. Diese Unsicherheit beseitigte der Bert gleich nachdem die Mitwirkenden Platz genommen hatten, indem er seinen Nachfolger vorstellte. Helmut Fassl, in vielerlei Weise der Musik zugetan, wird ihm in Sachen Organisation nachfolgen, was dieser als "eine Wahnsinns Ehr" bezeichnete.

Ein bisschen Rückschau- Erinnerungen gab es dann doch, etwa an die Wasserburger Hackbrett- und Saitenmusik, die von Anfang an bis heute dabei ist, natürlich altersmäßig und in der Besetzung verwandelt. Oder an Namen wie Familie Arzberger, Lukas Maier oder Ilse Dempf.

Die Söchtenauer Blechbläser eröffneten hoch oben auf der kleinen Seitenempore das Adventssingen 2010 mit einer dem mittelalterlichen Saal angemessenen festlichen Intrada, gefolgt vom dezenten Rosenheimer Hochzeitsmarsch, vorgetragen von den Zupfinstrumenten der Wasserburger Hackbrett- und Saitenmusi.

Die Rettenbacher Sängerinnen folgten zur Verkündigung mit einem Lied von Müttersorgen und -freuden.

Nachdenkliches über einen kommerzialisierten, stressigen, modernen Advent und die Alternative eines geistigen Pilgerwegs mit Zeit zum Grübeln oder Schmunzeln enthielt Lindauers erster Text. Darauf antworteten die Männer vom Eiselfinger Dreigsang mit dem Abschiedslied von der Alm: "Pfüat di God, schöner Sommer", die Herzog Flötenmusi, immer wieder ein Genuss, dieses Blockflötenensemble zu hören und zu sehen, setzte einen gemütlichen Landler drauf, und dann kam der erste Einsatz des prächtigen Chors vom Ebersberger Singkreis: "D' Sunn hoid si staad..." mit einem Chorjodler.

Was wäre, wenn es kein Weihnachten und damit keinen Advent gäbe? Eine Fantasie, die zu den Quellen, den Evangelisten Lukas und Matthäus führe, sagte Bert Lindauer, der im Folgenden in bairischen Versen die Weihnachtsgeschichte in sechs Abschnitten darstellte. Die Rettenbacher Sängerinnen führten dahin mit dem Lied aus dem verschneiten Pustertal "Pfiat di Gott, schena Hirgst", wobei "ma z'samma rucka und a Lieadl singa, des uns gfreit", und die Wasserburger steuerten einen ganz zierlichen Wiegenlandler mit allen Instrumenten bei. "In Nacht und Dunkel liegt die Erd", mit diesem bekannten Adventlied begleiteten die drei Männer aus Eiselfing volltönend den Beginn der Weihnachtsgeschichte, die Verkündigung kommentierten die Rettenbacher mit dem einfühlsamen, Mutterfreuden und -sorgen bedenkenden Lied "Trat ein Engelsbot", und den Volkszählungsbefehl kündeten die Söchtenauer lautstark mit ihrem "Freudentanz" an. "Maria muss auf Reisen furt" erzählten die Rettenbacher mit einem versöhnlichen Halleluja. Aber "koa Omnibus, koa S-Bahn" für die Fußgänger Maria und Josef auf dem Weg nach Bethlehem, hieß es in Lindauers Text. Da fragte der Ebersberger Singkreis "Wo is denn im Schnee no a Wegerl" und die Wasserburger illustrierten das Ganze musikalisch mit dem entzückend bewegten Schneeflockentanz.

Geschichten zum Schmunzeln erzählte Bert Lindauer wieder. Ein wenig hielt er aber auch Rückschau bei seinem letzten Adventssingen als Organisator.

Ganz dunkel und ganz still wurde es, als die von Claudia Geiger geschulten Saitenpfeifer-Kinder als Hirten die Bühne erklommen. Aus der Wasserburger Zeitung erfuhren sie von der Geburt Jesu und als Geschenk probten sie gleich ihr bestens geübtes Musikstück. Dazu gaben sie noch einige witzige Kommentare und frischten ihr Geburtstagsliedl für den Kleinen auf. Dann machten sie sich, begleitet vom begeisterten Beifall der Zuschauer, auf den Weg, und Bert Lindauer merkte an: "Gott sei Dank, der Nachwuchs schläft nicht."

Beinahe vorgezogen weihnachtlich wäre es danach geworden mit dem "Auf, auf ihr Hirten, säumet nicht", einer Bauernpolka mit der Illusion von tanzenden Engerln und dem "S'Christkindl liegt drin". In den Advent zurück holten die Bläserweise der Söchtenauer Blechbläser und der Chor mit dem Adventlied "Tauet Himmel", wozu auch Lindauers köstliche zweiteilige G'schicht von der Pfarrersköchin Gretl und ihren ach so gut versteckten Platzerln passte, begleitet vom Hirtenboarischen der Herzog-Flötenmusi. Sepp Krammer und sein Chor fragten eindringlich nach "He Brüada, wisst's wia ois og'fanga hat?" Die Wasserburger umrahmten die feine Parabel von der Baumwollschnur und dem Bienenwachsrest mit einem Deutschen Tanz und der unverzichtbaren Glocknweis.

Dann erschallte der Advent ruf der Bläser und der Chor stimmte den Andachtsjodler an. Stehend sangen alle mit, wie jedes Jahr ein andächtiger Schluss des Advent abends, für den es reichlich Applaus gab.

von Agnes Ständer

Quelle: rosenheim24.de

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