Ärger mit Rauchern drinnen wie draußen

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Außer einem Aschenbecher können die Wirte vor der Türe nichts anbieten.

Wasserburg - Nach einem halben Jahr haben sich die Raucher im Großen und Ganzen mit dem Rauchverbot in Lokalen abgefunden, so die Wasserburger Wirte. Doch wenn in der Kneipe nicht geraucht wird, kann es davor Probleme geben:

Nicht wenige Anwohner beschweren sich über Ruhestörung.

Ein muffiges Kopfkissen am Morgen danach, Haare, die den Geruch nach Zigarette auch nach dem Waschen nicht ganz verlieren und ein leicht kratzender Hals den ganzen Tag: Wer gehofft hatte, dass dies seit Einführung des absoluten Rauchverbots vorbei ist, wird enttäuscht. Aus einigen Nachtlokalen auch in Wasserburg dringt weiterhin schon beim Öffnen der Türe Qualm.

Das kann für den verantwortlichen Wirt Konsequenzen haben. "Wenn sich jemand als Zeuge zur Verfügung stellt und uns ein Lokal nennt, in dem geraucht wird, dann leiten wir ein Bußgeldverfahren ein. Beim zweiten Verfahren wird das Bußgeld erhöht, beim dritten droht dem Wirt der Konzessionsentzug", so Horst Winkler vom Landratsamt Rosenheim. Die Abteilung Wirtschaft und Energie, die Horst Winkler leitet, ist für die Einhaltung des Gesundheitsschutzgesetzes zuständig. "Das Gesetz sieht keine Kontrollen vor. Wir sehen uns aber gezwungen, nach Anzeigen Kontrollen zu machen", meint er.

Bernd Tröstl, der Pächter des Central in der Herrengasse, wurde schon zweimal kontrolliert. Er grinst und sagt: "Das Gesetz hat keine Lücken mehr, ich habe schon alles ausprobiert." Nachdem er gehört hatte, dass auf künstlerischen Veranstaltungen mit Thema "Rauchen" weiterhin geraucht werden darf, funktionierte er das Central kurzerhand zur Galerie um. "Die Raucher waren als Teil der Installation vorgesehen." Das funktionierte nur ein paar Wochen, nach einer anonymen Anzeige und einer Kontrolle durch das Landratsamt kam das Bußgeldverfahren.

Die meisten gehen freiwillig raus

Für Tröstl sind die Wirte "in einer schizophrenen Situation: Wir wollen ein Geschäft machen, müssen unseren Kunden aber verbieten, dass sie so konsumieren, wie sie das gerne tun." Denn 80 Prozent seiner Gäste seien Raucher, schätzt er. Mit Christoph Hatzl aus dem Roten Turm ist er sich aber einig, dass das Rauchverbot inzwischen allgemein hingenommen werde. Nur noch etwa einen von hundert Gästen müsse man vor die Türe schicken. Alle anderen gingen freiwillig raus.

Im Dilemma, entweder gegen das Gesundheitsschutzgesetz zu verstoßen oder wegen Ruhestörung mit den Nachbarn Ärger zu bekommen: Ein Schild im Key West mahnt die Gäste, keine Getränke zum Rauchen mit vor die Tür zu nehmen.

Ein Kellner im Key West in der Bäckerzeile nimmt das selbst in die Hand. Obwohl er Kettenraucher ist, schätzt er die qualmfreie Atmosphäre im Lokal und geht mit den Gästen gemeinsam vor die Tür. Doch so etwas bringt nicht nur hier Probleme: Die Klagen wegen Ruhestörung häufen sich im gesamten Altstadtgebiet.

Peter Reinthaler vom Ordnungsamt der Stadt sieht vor allem in der Kombination Rauchen, Alkohol und liberalisierte Sperrstunde das Problem: "Wenn es um 3 Uhr früh laut ist vor dem Lokal, tolerieren das die Nachbarn einfach nicht mehr." Rechtlich sei dieser Lärm dem Lokal zuzuordnen, die Betreiber würden dann entsprechend aufgefordert, Einfluss zu nehmen. "Aber die Wirte sind natürlich auch in der Zwickmühle."

Und das gleich mehrfach: "Ich habe extreme Umsatzeinbußen, weil die Leute jetzt lieber privat feiern, da können sie rauchen so viel sie wollen", meint Carlos Santos, Inhaber der Sonderbar am Marienplatz. Mit den Rauchern, die trotzdem noch kommen, hat er aber auch Probleme: "Ich verliere viel Geld, weil Raucher gehen ohne zu zahlen." Problematisch sei auch, dass er den Rauchern außer einem Aschenbecher vor der Tür nichts bieten kann: "Ich darf von der Stadt Wasserburg aus keine Schirme oder Heizlampen vor der Tür aufstellen und aus Denkmalschutzgründen keine Markise anbringen." Besonders ärgert ihn, dass er als Wirt für einen rauchenden Gast geradestehen muss. Dem Gast aber drohe keine Strafe.

Viele Anzeigen kommen von den Wirten untereinander, das ist der Konkurrenzdruck", meint Horst Winkler vom Landratsamt. Er will ernste Konsequenzen für einzelne Lokale auch in Wasserburg nicht mehr ausschließen. Bis dahin bleibt den Wirten nur, auf vernünftige Gäste und tolerante Anwohner zu hoffen. In einem Fall allerdings ist deren Geduld zu Ende: Der Hausbesitzer hat mit der Kündigung des Lokals gedroht.

Bei den lauteren Kneipengängern bleiben den Wirten nur zwei Möglichkeiten: Entweder sie erlauben den Rauchern drinnen zu bleiben und verstoßen damit gegen das Gesetz. Oder sie setzen das Rauchverbot durch und ignorieren die Beschwerden der Nachbarn - so lange es geht. Eine elegantere Variante scheint nicht in Sicht. "Ich glaube, da gibt es fast keine Lösung", befürchtet Peter Reinthaler.

kat/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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