Stille statt Radau

Sperrzeit-Protest: Megaphon blieb stumm

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Einige Meter Protest-Papier: Viele Meinungen, eine Botschaft: Die Sperrzeit hat in Wasserburg nichts zu suchen.
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Wasserburg - Der erste Eindruck des Protestmarsches wegen der Sperrzeit-Diskussion: Niemandem war mehr zum Feiern zumute. Doch dann tauten die Protestteilnehmer langsam auf. Dennoch: Es blieb ein stiller Protest.

„Es wäre schlimm für mich, wenn die Sperrzeit kommen würde“, erklärte eine junge Frau. Sie wohnt selbst in der Altstadt und arbeitet neben ihrem Studium in einem Lokal. „So finanziere ich mir mein Studentenleben und wenn die Sperrzeit kommen würde, müsste ich womöglich sogar mein Studium beenden, weil ich den Job dann wohl nur eingeschränkt mit finanziellen Einbußen machen könnte“.

Sie fordere eine nächtliche Patroullie, die diejenigen, die wirklich über die Stränge schlagen, besser im Griff hätte. „Natürlich gibt es die Schwarzen Schafe, die sich besonders daneben benehmen, aber alle dürfen deshalb nicht bestraft werden“, findet die Studentin. Die Stadt würde sich hier selbst ins eigene Fleisch schneiden, denn keine jungen Menschen bedeute eine verstaubte Stadt Wasserburg, ziehen viele der Anwesenden die Meinung der jungen Frau mit.

Plakate mit der Aufschrift: „Altenheim oder Altstadt?“ oder „Stoppt die Sperrzeit“ sollten die Botschaft verdeutlichen, dass diese mögliche Einführung das langsame Sterben des Stadtlebens bedeuten würde. „Die Stadträte sollten sich dringend überlegen, ob sie Gefahr laufen wollen, dass wir jungen Menschen die Stadt verlassen“, so ein wütender Bürger, der das Nachtleben nicht missen möchte. „Wir werden dann quasi aus der Stadt vertrieben“, wettern einige Protestler.

Polizei war zufrieden

Die Polizei war vor Ort, zu Ausschreitungen kam es nicht. „Alles verlief friedlich“, so die Beamten auf Nachfrage. Zwar habe es während des Marsches durch die Altstadt auch einige Sperrzeit-Befürworter gegeben, die Gruppe der Protestler wurde von einigen Bürgern, die die Sperrzeit einfordern, beschimpft. „Jeder darf doch seine Meinung äußern, und wir wollen durch den Protest einfach nur zeigen, dass wir gegen eine Sperrzeit sind“, betont Meryem Zielke. Bürgermeister Michael Kölbl empfing die Protest-Gruppe nicht persönlich, das mehrere Meter lange Papier mit den Unterschriften und Botschaften, warum die Sperrzeit nicht in Wasserburg eingeführt werden soll, wurde an die Tür des Rathauses befestigt. Das Stadtoberhaupt kam nachträglich vorbei und hat das Papier ins Rathaus mitgenommen.

Treten zu wenige dafür ein?

Meryem Zielke zeigt sich zwar nicht enttäuscht, dass der Protest anders gelaufen ist, als sie das gerne veranstaltet hätte, betont jedoch eine Sache besonders. „Es waren Wirte und auch Leute da, die viel in Wasserburg unterwegs sind und die Sperrzeit nicht wollen. Auch politische Gruppierungen zeigten sich engagiert. Aber es waren trotzdem viel zu wenig da“, so Zielke.

Rund 150 Menschen seien dabei gewesen, auf Facebook hätten sich annähernd doppelt so viele angekündigt.

Ob es nur daran lag, dass einen Tag zuvor die Terroranschläge in Paris passierten, daran wagt sich niemand der Organisatoren.

„Ich bin stolz auf die Leute, die da waren. Es hat keinen Ärger gegeben. Andererseits bin ich auch ein bisschen verwundert, dass es eben nicht mehr waren. Wir wollen dafür kämpfen, dass das Nachtleben in Wasserburg nicht eingeschränkt wird und wenn ich mir anschaue, wie viele Leute jedes Wochenende furt gehen und dann trotzdem nichts dafür tun wollen, dass das weiterhin so bleiben kann, dann verstehe ich es nicht“, so Zielke nach der Veranstaltung. „Wir junge Menschen sind nicht einfach „hau-drauf-Menschen“, wir haben an die Opfer des Terrors in Paris gedacht und dann trotzdem im Stillen auf unser Anliegen aufmerksam gemacht, der Mittelweg ist uns ganz gut gelungen finde ich“.

Quelle: rosenheim24.de

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