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Das sagen andere Feuerwehren aus der Region

Alle(s) für den Atemschutz? So geht es nach dem Wasserburger Feuerwehr-Eklat weiter

Über die Einrichtung einer solchen Atemschutzkriechstrecke, wie hier auf unserem Symbolbild, streiten sich Stadt, Feuerwehr und Kreisbrandrat. Im Mai sollen dazu erneute Gespräche stattfinden. Ist das die zweite Chance?
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Über die Einrichtung einer solchen Atemschutzkriechstrecke, wie hier auf unserem Symbolbild, streiten sich Stadt, Feuerwehr und Kreisbrandrat. Im Mai sollen dazu erneute Gespräche stattfinden. Ist das die zweite Chance?

Es war der Tropfen, der für den Rücktritt der Wasserburger Feuerwehr-Kommandanten gesorgt hat: Die Atemschutzkriechstrecke, geplant im Neubau des Wasserburger Feuerwehrhauses. Im Mai soll es dazu neue Gespräche geben. Bekommt die umstrittene Anlage also eine zweite Chance? Und wird sie überhaupt gebraucht? Wir haben uns bei den Feuerwehren der Region umgehört.

Wasserburger Land – Es ist der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat: Die Atemschutzkriechstrecke, geplant im Neubau des Wasserburger Feuerwehrhauses. Bekannterweise war sie einer der Gründe, warum sich Wasserburgs Bürgermeister Michael Kölbl und die inzwischen ehemaligen Kommandanten der Feuerwehr überworfen haben. Im Mai sollen zur Finanzierung neue Gespräche zwischen der Stadt, dem Kreisbrandrat, sowie den Verwaltungen von Prien und Bad Aibling, die bereits Atemschutzkriechstrecken betreiben, stattfinden. Bekommt die umstrittene Anlage also eine zweite Chance? Und wird sie überhaupt gebraucht? Wir haben uns bei den Feuerwehren der Region umgehört.

„Es ist ein Jahrhundertbauwerk“

Ein eindeutiges „Ja“ kommt von Martin Berndl, bisheriger Kommandant der Feuerwehr Edling. „Die Stadt Wasserburg hat noch nicht erkannt, wie wichtig das Feuerwehrhaus auch für die umliegenden Feuerwehren ist“, ist er überzeugt. „Es ist ein Jahrhundertbauwerk“. Dabei ginge es nicht nur um die Kriechstrecke, sondern auch um die geplante Schlauchpflegeanlage. All dies werde nicht nur den Wasserburger Feuerwehren, sondern auch denen aus der Umgebung zur Verfügung stehen und diese Tatsache sei noch zu wenig in der Öffentlichkeit und bei den Verantwortlichen angekommen, so Berndl. Zumal diese Ausstattung am Ende ja wieder der Stadt zu Gute komme. „Wir kommen ja jeden Sommer und schöpfen in Wasserburg das Hochwasser ab“, das werde oft von der Stadt vergessen.

„Die Fahrerei ist anstrengend“

Ähnlich sieht Josef Huber, Kommandant der Feuerwehr in Evenhausen, die Situation. Die Anlage „wäre schon gut“, sagt er. Derzeit hätten sie 14 Atemschutzträger in Evenhausen, die mindestens einmal im Jahr zur Übung nach Prien gekarrt werden müssten. „Die Fahrerei ist anstrengend“, sagt Huber. Die Schlauchpflegeanlage werde die Feuerwehr Evenhausen jedoch nicht nutzen, in Amerang steht ihnen selbst eine zur Verfügung.

Josef Friesinger, Kommandant von Albaching, steht ebenfalls hinter der Atemschutzübungsanlage. „Es ist einfach Freizeit, die dort geopfert wird“, sagt er. Atemschutzträger müssten ohnehin schon einiges auf sich nehmen und beispielsweise ein ärztliches Attest vorlegen. Dass sie jedes Mal noch zwei Stunden zur Übung fahren müssten, sei noch eine zusätzliche Bürde. Außerdem könne mit einer Kriechstrecke alles, was den Atemschutz anbelangt, an einem Ort erledigt werden. „Die Wartung unserer Flaschen wird jetzt schon in Wasserburg gemacht“, sagt Friesinger, da sei es praktisch, alles an einer Anlaufstelle zu haben.

Alle Anlagen an einem Ort

Das gibt auch Georg Weiderer, Kommandant von Griesstätt, zu bedenken. „Alles, was mit Atemschutz zu tun hat, wird im Moment in Wasserburg geregelt“, sagt er, da wäre es von Vorteil, auch die Übungen vor Ort zu machen. 26 Atemschutzträger seien derzeit in Griesstätt tätig, bisher seien alle nach Rosenheim gefahren, diese Anlage fällt aber wegen überalterter Technik weg. Nach Wasserburg zu fahren, würde sich für Griesstätt anbieten. „Das sind ja nur neun, zehn Kilometer“, so Weiderer. „Aber Prien oder Aibling ist auch nicht aus der Welt“, setzt er hinzu, grundsätzlich seien er und seine Mannschaft bereit, auch diesen Weg auf sich zu nehmen. Jedoch, so Weiderer, habe er Zweifel, ob die beiden Anlagen im Landkreis Rosenheim noch ausreichen würden. „Die kommen langsam an ihre Grenzen.“ Es brauche also einen dritten Standort. Allerdings stehe für ihn fest: „Es muss praktikabel und umsetzbar sein.“ Nicht nur finanziell, sondern auch personell. Und ob das in Wasserburg der Fall sei, sei fraglich.

Eine Anlage „schön zu haben“, aber nicht nötig?

Noch kritischer sieht Michael Fichter, Kommandant der Feuerwehr Freiham, die Situation. „Grundsätzlich ist natürlich zu sagen, dass wir keine Atemschutzfeuerwehr sind“, sagt Fichter, dazu sei die Freihamer Feuerwehr viel zu klein. Dennoch könnten sie vier Atemschutzträger vorweisen, die regelmäßig nach Prien fahren. „Eine Kriechstrecke in Wasserburg wäre also auch für uns schön zu haben. Aber ob man drei Anlagen im Landkreis braucht?“, fragt Fichter zweifelnd. „Ich denke eher nicht.“ Insbesondere angesichts der hohen Ausgaben. „Das Geld kann man meiner Meinung nach, auch für andere Dinge verwenden“, so Fichter.

Nicht nutzen wird die Kriechstrecke die Feuerwehr Haag, erklärt Kommandant Thomas Göschl. Als Feuerwehr im Landkreis Mühldorf stehe für sie fest: „Wir werden weiter nach Waldkraiburg fahren.“ Der Grund liege vor allem an der Kostenabrechnung.

Kreisbrandrat von Notwendigkeit überzeugt

Von der Notwendigkeit einer dritten Atemschutzkriechstrecke im Landkreis ist zumindest Rosenheims Kreisbrandrat Richard Schrank überzeugt: „Wir haben 2180 Atemschutzträger im Landkreis, jährlich können wir 1500 bis 1600 bei den beiden bestehenden Atemschutzstrecken ausbilden.“ Insbesondere im nördlichen Landkreis sei deshalb der Bedarf da. In Wasserburg hätte sich ein Aufbau im Zuge des Neubaus eine solche Anlage angeboten. „Vor allem, da hier etwa zehn Feuerwehren des Umlands schon ihre Atemschutzausrüstung zur Gerätewerkstatt bringen“, so Schrank, man hätte also die Synergie erzeugen und nutzen wollen.

Containeranlage als Übergangslösung

Zwar sei die Kriechstrecke noch nicht ganz vom Tisch und weitere Gespräche in naher Zukunft geplant. Allerdings sei weiterhin die Auskunft von der Stadt, dass eine solche Anlage nicht in dieser Form gewünscht sei, weshalb sich der Kreisfeuerwehrverband schon nach Alternativen umgeschaut habe. „Wir haben eine private Firma zur Hand, die uns eine Containerstrecke bauen könnte.“ Einen Standort dafür gebe es noch nicht, geplant sei es, diese bei einer Feuerwehr im nördlichen Landkreis aufzustellen. „Aber damit kommen wir bei Weitem nicht an das Ergebnis ran, das eine feste Anlage gibt.“ Es sei also nur eine Übergangslösung. Auf Dauer müsse eine dritte Strecke gebaut werden.

Rosenheimer Strecke bleibt geschlossen

Eine Reaktivierung der Rosenheimer Strecke sei in naher Zukunft nicht vorgesehen, da hier einige andere Umbaumaßnahmen noch getätigt werden müssten. Und selbst dann hätte die Rosenheimer Anlage nur Platz für 500 Übungsteilnehmer, es sei also weiterhin knapp. Zudem, erklärt Schrank, sei das Problem mit der weiten Anfahrt aus dem Norden nicht gelöst. „Bei immer steigenden Anforderungen im Job und im Ehrenamt können wir es den Feuerwehren aus Schlicht oder Soyen nicht antun, dass sie an die vierzig Kilometer hierher fahren müssen“, so Schrank. Dadurch würde auch die Bereitschaft sinken, sich als Atemschutzträger zu engagieren, was im schlimmsten Fall ein ernsthaftes Problem darstellen könnte.

Das sagt der Bürgermeister

„Wenn der Landkreis entsprechend zahlt, gibt es nichts gegen eine Atemschutzübungsanlage im neuen Feuerwehrhaus zu sagen“, betont Wasserburgs Bürgermeister Michael Kölbl. Doch die Stadt könne nicht Aufgaben des Landkreises übernehmen, deshalb dürfe die Finanzierung nicht bei der Kommune hängen bleiben. Im Mai werde es diesbezüglich Gespräche geben mit dem Kreisbrandrat und den ebenfalls betroffenen Kommunen Bad Aibling und Prien, die bereits seit Jahren solche Übungsstrecke vorhalten. Diese müssen, wie berichtet, saniert werden. Es gilt jetzt die Grundsatzfrage zu klären, wie sich der Landkreis in Zukunft bei Bau oder Sanierung, Ausstattung sowie Betrieb finanziell einbringen soll oder wird.