Stirbt diese Geste bald aus?

Friedensgruß ohne Zukunft?

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Friedensgruß auf dem Abstellgleis? Die Pfarrgemeinden diskutieren aktuell über diese Geste und deren Wichtigkeit.
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Altlandkreis - Ist der Friedensgruß noch zeitgemäß oder gehört er aus hygienischen Gründen ersetzt oder gar abgeschafft? In vielen Pfarrgemeinden wird diskutiert.

Der Friedensgruß gilt als Geste der Gemeinschaft und des Entgegenkommens im kirchlichen Alltag. Viele Priester rufen in Gottesdiensten und Messen gezielt zum Friedensgruß auf. Jetzt gibt es Diskussionen, ob das Handgeben als Zeichen des Friedens ersetzt werden solle, beispielsweise in Form eines gemeinsamen Liedes.

In Rott wird aktuell aus hygienischen Gründen auf das Handgeben verzichtet, diesem Wunsch kommt die Pfarrgemeinde während der Winterzeit nach. "Wir hatten eine Box für Anliegen und Wünsche aufgestellt. Dieses Thema stand gleich mehrfach auf dem Zettel", berichtet Rotts Pfarrer Klaus Vogl und hat deshalb reagiert.

Etliche Kirchengänger würden Ansteckungsgefahr beim Händeschütteln fürchten, heißt es aus dem Pfarrbüro. Die Meinung dahingehend gingen jedoch auseinander. Ein Zwang zum Friedensgruß mache aber keinen Sinn, erklärt Vogl. "Wenn man einem anderen die Hand reicht, soll das eigentlich von Herzen kommen".

Friedensgruß gehört dazu

„Ich fände es sehr schade, wenn der Friedensgruß plötzlich verschwinden würde“ heißt es von der evangelischen Pfarrerin aus Wasserburg, Cordula Zellfelder.

Man gebe doch auch zur normalen Begrüßung anderen Menschen die Hand, der Friedensgruß sei für sie definitiv keine Gefährdung des Bürgerwohls, ist sich Zellfelder sicher. Sie werde in ihrer Pfarrgemeinde auch weiterhin zum Friedensgruß einladen, zeigt sich die evangelische Pfarrerin überzeugt.

Ebenso betonen viele katholische Pfarrer das „Ja zum Friedensgruß“.Pater Ulrich Bednara aus Gars ist sicher, dass die Menschen nicht durch den Friedensgruß krank werden können. „Mir kommt immer wieder zu Ohren, dass einige Kirchgänger Angst vor Bakterien des Banknachbarn in der Kirche haben und deshalb den Friedensgruß nicht gerne mitmachen“, erklärt Bednara auf Anfrage. Er selbst glaube nicht, dass eine durch Gott gewollte Geste Krankheiten übertragen würden, heißt es aus dem Pfarrbüro in Gars.

Im Pfarrverband Gars bleibe dieses Zeichen des Friedensgrußes beim Gottesdienst erhalten. „Täglich fassen wir viele Türklinken an, da ist das Risiko der Ansteckung weitaus größer als beim Friedensgruß“ findet Pater Ulrich Bednara. „Wenn wir unseren Glauben ernst nehmen, könnten wir durchaus zuversichtlich sein, dass Gott bestimmt nicht möchte, dass wir uns anstecken und deshalb dieser Friedensgruß nicht als Bakterienübertragung dienen wird“, so Bednara weiter.

Der Pater stelle es jedem frei, ob der Friedensgruß über Handschlag oder einer freieren Geste gemacht werde. „Jeder Kirchgänger, der sich ganz enthalten möchte, kann sich bereits vorzeitig hinknien, während die anderen in der Kirchenbank sich den Friedensgruß geben, das sollte in der heutigen Zeit wirklich nicht zum Problem werden“, so Ulrich Bednara aus tiefster Überzeugung.

Pfaffinger dürfen frei entscheiden

Ebenso verhält es sich in der Pfarrgemeinde Pfaffing bei Pfarrer Josef Huber. Jeder solle über den Friedensgruß frei entscheiden dürfen.

„Wenn jemand sich nicht am Friedensgruß beteiligen möchte, darf er sich einfach schon zum Agnus Dei niederknien, diese Geste bleibt frei wählbar für alle Kirchgänger und diese eigene Entscheidung finde ich in einem Gottesdienst auch sehr wichtig“, betont Josef Huber aus Pfaffing. „Ich bitte in meiner Gemeinde immer um Toleranz, auch bei der Wahl, ob beim Friedensgruß mitgemacht wird oder nicht, sollten alle Kirchgänger untereinander tolerant umgehen“, so Pfarrer Huber auf Nachfrage. Huber zeigt sich jedoch überzeugt, dass ein gesunder Mensch vom Handgeben zum Friedensgruß nicht krank werde.

Gibt es eine Empfehlung von oberster Stelle?

Vom Ordinariat der Erzdiözese München und Freising heißt es auf Nachfrage von wasserburg24.de.: „Es gibt keine direkte Empfehlung durch das Ordinariat, jede Pfarrgemeinde dürfe selbst darüber entscheiden, zum Friedensgruß aufzurufen oder diesen zu ersetzen“, so die Meinung aus dem Büro des Ordinariats. „Im Messbuch steht ganz klar, dass ein Priester nicht zum Friedensgruß muss, sondern dass er kann“, so Bettina Göbner. Hier spielten die aktuellen Gegebenheiten oft auch eine Rolle.

Aus dem Ordinariat heißt es weiter, dass alle Kirchgänger jederzeit gerne das Gespräch mit dem Seelsorgeteam oder dem örtlichen Pfarrer suchen dürfe, um Bedenken zum Friedensgruß anzusprechen. „Es gibt auch Erfahrungen aus manchen Pfarreien, bei denen beispielsweise zu bestimmten Zeiten in der Kirche gesagt wird, momentan herrscht Grippewelle, heute nicken wir uns alle als Friedensgruß lediglich zu, hier kann jede Pfarrei selbst individuell auf Situationen eingehen“, so Göbner.

Es gebe verschiedene Formen des Friedensgrußes, nicht allein das Hände schütteln sei Geste dieses Aufrufes. „Zweiter Punkt ist ganz klar, dass niemand mitmachen muss, die Einladung zum Friedensgruß bleibt freiwillig“, erklärt Göbner aus dem Ordinariat weiter.

Man könne sich sehr wohl auch aus eigenem Willen lediglich zunicken, niemand müsse seinem Nebenmann um den Hals fallen, betont Göbner abschließend.

Fazit bleibt also auch zukünftig die Freiwilligkeit des Friedensgrußes. Es bleibe Einladung und keinerlei Pflicht für die Pfarreien und Kirchgänger.

Jede Pfarrgemeinde habe allein die Entscheidung darüber, dem Friedensgruß Zukunft zu geben oder diesen zu ersetzen, egal aus welchen Gründen. Vereinzelt wird in den Pfarreien im Altlandkreis darüber diskutiert, ob der Friedensgruß aus hygienischen Gründen nicht mehr per Handschlag gegeben werden solle.

Quelle: rosenheim24.de

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