Umstrittener Hit

Geknüpft: Wie gefährlich ist der Loom-Trend?

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Landkreis – Und plötzlich knüpfen sie alle! Das wechselhafte Ferienwetter hat den Loom-Bändern den Titel „Sommertrend“ eingebracht. Viele Jugendliche knüpfen fleißig. Experten aber warnen!

„Am Frühstückstisch kommt es mir so vor, als säße Wolfgang Petry neben mir“ grinst ein Vater aus dem Altlandkreis Wasserburg. Er beschreibt die neue Lust am Loom-Bänder knüpfen seiner Tochter.

Pandabär oder Maus, viele putzige Tierchen können aus den Gummis gefertigt werden.

Bunte Vielfalt aus der Tüte. Gummi- oder Silikonringe, aus denen Armbänder, putzige Tierchen oder Blumen gestaltet werden können. Viele Kinder sind ganz verrückt danach. Die Tütchen mit den notwendigen Gummiringen, aus denen die Accessoires gemacht werden, gibt es in den verschiedensten Farben, sogar mehrfarbig ist das Material zu erstehen.

Und es ist enorm beliebt unter den 5- bis 15-Jährigen. „Es ist so toll, was ich damit machen kann“ schwärmt Nele. Sie hat bereits 59 Armbänder geknüpft und trägt sie oftmals alle an ihrem zierlichen Arm. „Damit seh ich cool aus, und ich allein entscheide, welche Farben ich für mein Armband wähle“. Während die Eltern Gefallen daran finden, dass die Kids eine Beschäftigung gefunden haben, die wetterunabhängig und bezahlbar ist, warnen die Verbraucherzentralen und auch Ärzte. „Die Gummiringe können Stoffe enthalten, die für Kinder giftig sind“ heißt es von Prof. Dr. Anton Mehrle. Der Allergologe zeigt sich erschrocken von dem Boom auf das künstliche Material.

Auch Blumen werden untereinander getauscht, Loom machts möglich.

Weil es auch Loom-Artikel ohne Prüfzeichen gebe, kämen beispielsweise aus Asien über Angebote von speziellen Verkaufsplattformen ungesunde Waren direkt ins Kinderzimmer. „Vor einigen Jahren waren Eltern noch auf Holzspielzeug und geprüftes Material scharf, jetzt fehlt gerade jede Art von gesundheitsbewusstem Denken wie es scheint“, zeigt sich Prof. Dr. Mehrle verständnislos. Der stetige Hautkontakt zu den Loom-Gummis habe bereits in einigen Fällen Allergien ausgelöst, warnt der Experte.

Es gebe zudem Grund zur Annahme, dass sich giftige Stoffe, wie etwa Phthalate in den Loom-Bändern befinden. Im Alltag kann es zu Problemen kommen: Wenn der Weichmacher mit Speichel in Verbindung kommt, können die schädlichen Stoffe direkt in den Körper gelangen. Der Inhaltsstoff sei äußerst bedenklich und dieser Trend sei ein Trend hin zur echten Gesundheitsgefahr, erläutern Mitarbeiter der Verbraucherzentrale. „Loom-Bänder punkten mit bunten Farben und der einfachen Möglichkeit, aus dem Material etwas ohne besonderes Geschick zu fädeln“, erklärt Roswitha Eggert von der Verbraucherzentrale. Sie bittet vor allem um Kontrolle, woher die Gummiringe kommen: „In jedem Fall sollte zumindest das CE-Siegel auf der Packung sein. Dies ist für ganz Europa gültig und soll aufzeigen, dass das Produkt den Gesundheitsanforderungen entspricht. Daher Finger weg von Auslandseinkäufen wie etwa aus Asien“, so Eggert. Manche Loom-Materialien seien außerdem mit dem TÜV und GS-Siegel versehen, so die Gesundheitsexpertin der Verbraucherzentrale weiter. So könne noch bewusster die Prüfung der Ware angezeigt werden.

Kids im Hype

Den Kindern ist es freilich zunehmend egal, ob es Warnungen gibt. Das Loom- oder auch Loop-Bänder-Knüpfen macht Spaß und ist ein netter Zeitvertreib. Viele ABC-Schützen wünschen sich die Tütchen mit bunten Gummiringen in ihre Schultüten hinein.

Ein bunter Regenbogen aus selbst geknüpften Loom-Bändern zieren die Arme vieler Kinder aus der Region 

Das Knüpfen ist sowohl bei Mädchen als auch bei Jungs beliebt. Und auch die Stars haben plötzlich anstatt teuren Designer-Armbändern das selbstgeknüpfte Armband, das die Tochter gemacht hat, am Arm. David Beckham zeigte sich kürzlich mit einem Loom-Band in der Öffentlichkeit.

Der Trend scheint keine Grenzen zu kennen. „Was ist schon dabei, soll Mama doch froh sein, dass ich nicht vor dem Computer oder dem Fernseher sitze, Loom-Bänder sind jetzt einfach angesagt, da kann ich doch nicht einfach Nein sagen, denn es knüpfen doch auch alle meine Freunde“ wettert Caroline. Sie hat mehrere Tausend Loom-Gummis und verteidigt ihr neues Hobby.

Eines hat sie ihrer Mutter jedoch versprochen: „Nachts kommen die Bänder runter vom Arm und ich muss aufpassen, dass ich keine Gummiteile am Boden liegen lasse. Wenn mein kleiner Bruder oder unser Hund die runterschlucken würde, dann wär das schlecht“ weiß Caroline. Hier zeigt sich die 8-Jährige verständnisvoll, ging deshalb mit ihrer Mutter den Kompromiss ein, dass die Loom-Bänder nur in ihrem Kinderzimmer und nur auf einer ausgebreiteten Decke geknüpft werden dürfen. „Am Abend wird die Decke zusammengefaltet und der Boden abgesucht, aber tagsüber bin ich der Star mit meinen bunten Armbändern und Tierchen“. Und das soll laut Caroline auch noch lange so bleiben.

Quelle: rosenheim24.de

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