Wochen-Serie: "Luft und Liebe"

Tuschelgarantie: Mutter mit Job im Bordell

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Mama und Prostituierte, das kam nicht überall gut an. Steffi erzählt über diesen Alltag.
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Altlandkreis Wasserburg – Sie sorgt allein für ihr Kinder, möchte eine gute Mutter sein. Doch der Job einer 31-Jährigen sorgte für Tuschelei. Unsere Wochen-Serie zum Thema Liebe startet mit der Lebensgeschichte einer zweifachen Mutter.

Von Hartz IV hält Steffi nichts. „Ich möchte es selbst schaffen, für mich und meine Kids zu sorgen“, erklärt die Mutter eines 7-jährigen Jungen und eines 10-jährigen Mädchens. Steffi hat sich deshalb entschlossen, einen unüblichen Job anzunehmen. Sie arbeitet als Prostituierte in einem Bordell in Rosenheim. „Ich bin lediglich vier Nächte pro Woche weg und habe das Glück, dass ich in einer Wohngemeinschaft mit einer guten Bekannten lebe, die in den Nächten daheim ist und sich im Ernstfall um meine Kinder kümmern könnte“, so die 31-Jährige gegenüber wasserburg24.de.

Seit fünf Jahren lebt Steffi diesen Alltag nun schon und kommt nach eigenen Aussagen „wunderbar zurecht“. Der Liebe wegen sei sie vor 12 Jahren von München in den Altlandkreis Wasserburg gezogen, bis zum ersten Kind hat sie als Einzelhandelskauffrau gearbeitet. „Was ich in diesem Beruf verdienen würde, würde nicht im Geringsten für das Leben für mich und meine Kinder reichen“, ist sich die 31-Jährige sicher. Wenn sie quasi im Verkauf halbtags arbeiten würde, um nachmittags bei den Kindern sein zu können, wäre sie nie in der Lage, die Wohnung und den teuren Bedarf einer dreiköpfigen Familie zu bestreiten, so Steffi.  

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Auch ein jährlicher Familienurlaub sei ohne Probleme möglich, davon könnten andere alleinerziehende Mütter nur träumen, zeigt sich Steffi überzeugt. Ihre Kinder haben viel Spielzeug, und sie haben eine Mutter, die nachmittags immer für sie da sein kann. „Ich kenne andere Frauen, die auch nachmittags arbeiten müssen, weil sie sonst nicht über die Runden kämen, da habe ich es viel besser“, betont Steffi. Sie könne den Alltag mit ihren beiden Kindern leben, sie von der Schule abholen, zu Elternsprechtagen gehen und es könnten am Nachmittag auch mal Spielkameraden zu ihren beiden Kids kommen. „Das war aber durchaus mal ein kleines Problem“, gibt Steffi zu.

Andere Eltern nicht begeistert

Als ihre Kinder in den Kindergarten kamen, war zunächst alles in bester Ordnung. Steffi kam gut mit anderen Müttern zurecht, man habe sich zum Ratschen verabredet, während die Kinder gespielt haben, wurde Kaffee getrunken. „Das hat sich schnell geändert, als ich recht offen von meiner Tätigkeit erzählt habe“, so Steffi. Von Geheimnissen habe sie bis dahin wenig gehalten. „Es kamen natürlich Fragen, wie ich das schaffe ganz allein, ohne Unterhaltszahlungen und ob das Sozialamt tatsächlich dafür zahle, dass ich eine große Wohnung und meine Kinder viele Klamotten und Spielzeug haben“, erinnert sich die 31-Jährige.„Plötzlich war es vorbei mit dem Kaffeeklatsch. Die Einladungen wurden weniger, die Tuscheleien, wenn ich meine Kinder vom Kindergarten abgeholt habe, wurden mehr“. Gute drei Monate später jedoch habe sie allen Mut zusammengefasst und sei auf die anderen Mamas zugegangen, habe in einem langen Gespräch ihre Situation erklärt. „Das Wichtigste war den anderen Eltern, dass ich erklärt habe, dass ich wirklich sehr reinlich  und gesund bin und ohne Kondome natürlich keinerlei Dienst erfolgt“, erzählt Steffi auf Nachfrage. Es sei den Eltern vor allem wichtig gewesen, dass die Hygiene passe. Auch jetzt werde immer wieder mal getuschelt, gelästert und der Kopf geschüttelt, doch die beiden Kinder von Steffi haben ihren festen Freundeskreis und werden nicht gemieden. „Es ist schön zu merken, dass sich auch auf dem Land nicht nur Menschen befinden, die engstirnig sind“, heißt es von Steffi weiter. Sie möchte auch weiterhin für ihre Kinder selbst aufkommen, ohne Hilfe von Amt oder mit irren Einschränkungen in Bezug auf Hab und Gut. Dies hätten ihr ihre Eltern stets beigebracht. Beide wissen von Steffis Job, konnten der eigenen Tochter dies nicht ausreden. "Mein Papa ist beim Trachtenverein in München dabei und auch ich bin ein echtes bayrisches Girl, aber ich möchte es schaffen, für meine Familie selbst zu sorgen und nicht mit zwei Kindern zu Oma und Opa zu ziehen und im Spießbürgertum leben", so Steffi abschließend.

Quelle: rosenheim24.de

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