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Täter auf der Flucht

Aral-Tankstelle in Wasserburg wird zum dritten Mal Opfer eines Raubüberfalls

Die Aral-Tankstelle in Wasserburg war bereits drei Mal Tatort eines Raubüberfalls.
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Die Aral-Tankstelle in Wasserburg war bereits drei Mal Tatort eines Raubüberfalls.

Es dauerte nur eine Minute, dann war der Spuk vorbei. Doch der Schock über den Überfall auf die Aral-Tankstelle in Wasserburg wirkt nach. Es ist das dritte Mal, dass sie Opfer eines Raubes wurde. Nicht immer ging es so glimpflich ab. Sogar ein späterer mutmaßlicher Mörder war unter den drei bisherigen Tätern.

Wasserburg – Montag, 21. Februar, 19.30 Uhr: Ein unauffälliger junger Mann betritt den Kassenraum der Aral-Tankstelle am Kreisel in der Burgau. Er wirkt äußerlich ruhig, die Mimik ist hinter der schwarzen FFP-2-Maske kaum zu erkennen. Der Mann im Alter zwischen 20 und 30 Jahren zückt eine Pistole, fordert die Herausgabe des Bargelds, geht um die Theke herum, greift selbst in die Kasse, nimmt die Scheine heraus und verschwindet wortlos wieder. Erst am Ende des Tankstellengeländes wechselt der Täter vom ruhigen Gang in den Laufschritt – und verschwindet. So berichtet es am Dienstmorgen das Ehepaar Fellner. Selbst eine groß angelegte Suche der Polizeikräfte mit Einsatz eines Hubschraubers blieb am Montagabend erfolglos. Nach wie vor wird nach dem Unbekannten gefahndet.

Mit diesen Fotos fahndet die Polizei nach dem Täter

Mitarbeiter geht es gut

Dem Mitarbeiter der überfallenen Tankstelle geht es nach Angaben der Fellners gut. Der 30-Jährige wirke innerlich gefasst, sagen sie. Und hoffen, dass die erfahrene Kassenkraft trotz des erlittenen Schocks das Geschehene auch weiterhin gut verarbeiten kann. In solchen Fälle gibt es, so berichten Annemarie und Josef Fellner, auch Hilfe bei der Verarbeitung des Geschehenen von der Berufsgenossenschaft und von Aral. Die Mitarbeiter in der Tankstelle sind außerdem geschult im Umgang mit kriminellen Handlungen. Denn nach wie vor gibt es Überfälle, obwohl sich in der Kasse einer Tankstelle aufgrund des Trends zur Kartenzahlung in der Regel keine größeren Geldbeträge befinden. So auch diesmal nicht, gestohlen hat der Täter nach Angaben der Fellners einen kleinen dreistelligen Geldbetrag.

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Trotzdem wissen sie: Menschen, die eine Tankstelle überfallen, sind in der Regel psychisch stark unter Druck, sie benötigen auf die Schnelle Bargeld. Vor der Pandemie ließ jedoch jeder, der mit einer Maske in den Kassenraum trat, die Alarmglocken sofort schrillen, berichten die Fellners. In den vergangenen zwei Jahren ist diese Maskierung nichts Besonderes mehr. Und so traf den Kassenangestellten der Überfall auch wie aus dem Nichts.

Alles richtig gemacht

„Unser Mitarbeiter hat alles richtig gemacht, besonnen gehandelt“, zeigen sich die Fellners erleichtert. Den Helden spielen, das bringe nichts. „Menschenleben geht vor. Solche Täter sind unberechenbar. Wir schärfen unseren Mitarbeitern ein, das Geld sofort rauszugeben. Dann sind die Täter meistens auch schnell wieder weg.“ Genauso war es am Montagabend: Nach einer Minute war der Räuber wieder draußen. Der Mitarbeiter sperrte das Geschäft ab und rief die Polizei. Am gestrigen Morgen ging der Betrieb ganz normal weiter.

Dass es auch schlimmer ausgehen kann, hat Josef Fellner beim ersten Überfall im Jahr 2008 am eigenen Leib erlebt. Eine junge Frau bedrohte die Kassiererin. Die Täterin stand unter Drogen, verletzte Fellner beim Überfall schwer mit einer aufgeschlagenen Bierflasche am Hals und am Auge. „Das hätte bös ausgehen können“, sagt er.

Beim zweiten Überfall 2010 war eine schwangere Kassenangestellte das Opfer. Sie hat nach Angaben der Fellners lange gebraucht, sich psychisch vom Geschehenen zu erholen. Denn der Täter, ein damals 19-jähriger Azubi, war mittags mit einer Halloweenmaske in den Kassenraum gestürmt, hatte mit einer Schreckschusspistole um sich geschossen. Fellner konnte den Räuber gemeinsam mit Helfern auf dem Tankstellengelände stellen und niederringen. Der Mann entschuldigte sich bei Fellner später für die Tat. Doch sieben Jahre später soll er in Rott zwei Menschen erstochen haben.

Diesmal verlief der Überfall auf die Aral-Tankstelle ohne Kampf, ohne Eskalation der Ereignisse. Trotzdem sagt Annemarie Fellner: „Es ist einfach sehr bitter, wenn uns so etwas Furchtbares alle paar Jahre passiert“. Überhaupt ist der Beruf des Tankwarts schwieriger geworden, sagt sie. In der Pandemie häufen sich die meist verbalen Auseinandersetzungen mit Menschen, die sich weigern, eine Maske zu tragen. Trotzdem führen die Fellners den Betrieb seit 1997 mit großer Freude und viel Liebe zu den „vielen netten Stammkunden“. Sie freuen sich, dass die dritte Generation mit am Start ist. „Wir müssen mit der Gefahr leben“, sagen die 60-Jährigen. Sie und ihre Angestellten hätten gelernt, mit extrem schwierigen Situationen umzugehen. „Auch das wird zur Routine“, sagen sie.

Jetzt ist die Hoffnung groß, dass sich die Überfälle in Zukunft nicht mehr wiederholen werden. Denn die Aral-Tankstelle bekommt einen Nachbarn, der wie kaum ein anderer für Sicherheit steht: Nebenan zieht die neue Polizeiinspektion Wasserburg in einen Neubau.