Von der Wiege bis zur Bahre

Ausstellungsführung im Museum Wasserburg

+

Wasserburg- Vom schönsten Frühlingswetter über herbstliche Regenstürme und Graupelschauer bis zum Schneegestöber hat das diesjährige Aprilwetter alles geboten.

In früheren Zeiten war das Wetter nicht nur Gesprächsthema sondern bestimmte das Leben der Landbevölkerung.

Die Menschen stellten schon in früheren Jahrhunderten Wetterbeobachtungen an. Man verfolgte die Windrichtung über die Wetterfahne oder beobachtete die Wassersäule im gläsernen Bauernbarometer, um Rückschlüsse auf die Veränderungen des Luftdrucks zu ziehen.

Darüber hinaus richtete man sich nach den Bauernregeln und konsultierte Rat gebende Kalender.

Doch auch genaue Kenntnisse der Wetterphänomene schützten die Menschen nicht vor deren Auswüchsen. Lang anhaltende Regenfälle ließen das Getreide auf den Feldern verfaulen.

Schnee und Graupel im Frühling zerstörte die empfindlichen Blüten der Pflanzen. In Dürreperioden vertrocknete das Gras auf den Weiden. Stürme verwüsteten die Wälder und Gewitter setzten ganze Höfe in Brand.

In ihren Nöten suchten die Menschen Zuflucht in religiösen und magischen Handlungen. Seit dem Mittelalter wird in Frühjahr und Sommer vom Priester am Ende der Heiligen Messe der Wettersegen gesprochen.

In ländlichen Gebieten halten bis heute zahlreiche Pfarrer zwischen dem Fest des hl. Markus am 25. April bis zum Fest der Kreuzerhöhung am 14. September an der Tradition fest.

Bis ins 19. Jahrhundert stand den Menschen ein ganzes Arsenal geistiger Mittel zur Verfügung, um Unwetter zu bekämpfen. So wurden bei aufziehenden Gewittern die Kirchenglocken geläutet, schwarze Wetterkerzen aus Altötting entzündet und im Kreise der Familie Gebete gesprochen.

Die Häuser waren mit Bildern des Heiligen Florian und verschiedenen Segensformeln geschmückt. Als das wirkmächtigste Amulett gegen die Zerstörungskraft der Unwetter galt der große Wettersegen, der alles Heilige zu bündeln suchte.

Als Andachtsgegenstand war der Wettersegen vor allem im ländlichen katholischen Bayern weit verbreitet.

Im Zentrum der Wettersegen steht ein Agnus Dei, ein Wachstäfelchen, das auf einer Seite das Bild des Lamm Gottes und auf der anderen das eines Heiligen trägt und welches ursprünglich nur vom Papst selbst im ersten und jedem weiteren siebten Jahr seiner Amtszeit gesegnet werden durfte.

Um das Agnus Dei herum sind Sakramentalien und Devotionalien wie Reliquienpäckchen, heilige Kreuze, Schluckbildchen, Heiligenbilder, Segenssprüche, Schabmadonnen, Pflanzenteile und segenspendende Münzen angeordnet. Immer wieder finden sich auch Sebastianipfeile, Weihrauchkörne und verehrte Zungen wie die Antonius- und die Nepomukszunge. Die Rückseite bildet bei dem vorliegenden Exemplar eine mit Blattarabesken und IHS reich gravierte Messingplatte.

Häufig sind die Rückseiten aber auch mit christlichen und heidnischen Beschwörungsformeln versehen. Hergestellt wurden die Wettersegen in den Klöstern.

Wer mehr über die Sorgen und Nöte vergangener Zeiten und die religiösen und magischen Zeichen der oberbayerischen Volkskultur und erfahren möchte, kann die Objekte noch bis zum 25. Juni im Rahmen der Ausstellung „Dem Himmel so nah. Vom Leben in alter Zeit“ im Museum Wasserburg besichtigen.

Von der Wiege bis zur Bahre Ausstellungsführung im Museum Wasserburg 30. April 2017, 14:30 Uhr

Die Sonderausstellung „Dem Himmel so nah. Vom Leben in alter Zeit“ erzählt vom Leben der einfachen Menschen im 18. und 19. Jahrhundert im ländlichen Oberbayern. Dabei zeichnet sie den Lebensweg von der Wiege bis zur Bahre mit all seinen Stationen, Herausforderungen und Gefahren nach.

Auf diese Weise wird deutlich, welche Rolle den religiösen und mystischen Vorstellungen bei der Bewältigung eines unsicheren, durch harte Arbeit, Krankheit und Entbehrungen geprägten Alltags zukam.

Die Führung lässt alte Bräuche, magische Praktiken und religiöse Vorstellungen, die mit den Stationen im Lebenslauf in Verbindung standen, wieder lebendig werden.

Pressemeldung Heimatmuseum Wasserburg

Zurück zur Übersicht: Wasserburg

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser