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Vorsorge für den Todesfall

Sich zu Lebzeiten um seinen Tod kümmern: Was Bestatter aus dem Wasserburger Land raten

Mit dem Totensonntag rückt auch das Thema Beerdigung in den Fokus der Lebenden – wenn sie es zulassen. Vorsorge für den Todesfall: Das ist ein emotional schwieriges, aber wichtiges Thema, betonen Bestatter aus dem Wasserburger Land.

Wasserburg/Soyen – Jeder wird einmal selbst sterben und einige werden für einen Angehörigen oder Freund eine Beerdigung organisieren müssen. Trotzdem informieren sich viele erst dann über eine Bestattung, wenn sie direkt mit einem Sterbefall konfrontiert werden. Manche dagegen planen ihre eigene Beerdigung schon in jungen Jahren, andere organisieren die Beerdigung ihrer Eltern im Voraus, um die Kosten gesichert zu wissen.

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„Bestattungsvorsorge ist ein wichtiges Thema“, bestätigt Norbert Nussrainer, Büroleiter von Bestattungshilfe Riedl. Das habe zwei Gründe: Zum einen möchten viele Menschen die finanzielle Seite ihrer Beerdigung geregelt wissen, zum anderen möchten sie selbst bestimmen, was bei ihrer Beerdigung passieren soll und was nicht. „Am wichtigsten ist oft das, was man nicht möchte“, weiß Nussrainer aus Erfahrung. In einfühlsamen Gesprächen versuchen die Mitarbeiter mit den Kunden zu klären, welche individuellen Vorsorgeentscheidungen sie für ihre Beerdigung treffen möchten.

Dabei kann es um die Form der Urne gehen, um Lieder, die bei der Trauerfeier gesungen werden sollen oder den Pfarrer, der ja nicht sprechen soll, auch wenn man zu Lebzeiten nicht aus der Kirche ausgetreten ist. „Die einzelnen Wünsche sind ganz unterschiedlich. Deshalb braucht es auch Zeit und erfahrene Mitarbeiter, die persönlichen Vorstellungen mit den Kunden herauszuarbeiten“, beschreibt Nussrainer.

Finanzielle Gründe spielen auch eine Rolle

Auch finanzielle Gründen könnten eine Rolle spielen, sich rechtzeitig mit einer Beerdigung zu befassen. Wer beispielsweise ins Pflegeheim kommt und die Kosten nicht selbst zahlen kann, muss zunächst sein eigenes Kapital einsetzen und bekommt dann erst Unterstützung vom Staat. „Besteht jedoch eine Vorsorge für den Todesfall, dann wird dem Betroffenen ein zusätzlicher Schonbetrag von 3500 Euro für seine Bestattung gewährt“, erklärt Nussrainer.

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Davon könne man schon eine Beerdigung bezahlen, weiß Josef Wagensonner von Kirchreither Bestattungen in Soyen. Für die schlichteste müsse man mit mindestens 1500 Euro rechnen, die meisten würden allerdings weit mehr kosten, nach oben seien keine Grenzen gesetzt.

Corona wirkt nach bis auf’s Grab

Corona habe auch Auswirkungen auf die Trauerfeiern, bedauern die Bestattungsunternehmen einhellig. Die zwischenzeitlichen Zugangsbeschränkungen auf dem Friedhof hätten aber auch manchen Trauernden positiv gestimmt. „Sie sagten mir, der Abschied von ihrem Verstorbenen sei auf diese Weise viel familiärer gewesen“, beschreibt Bestatter Josef Wagensonner.

Freddy Eisner, Bestatter bei Trauerberatung Brand, hat da andere Erfahrungen gemacht. Voller Mitgefühl berichtet er von Angehörigen, denen er den Sarg ihres Verstorbenen aus Hygiene-Gründen nicht mehr zum letzten Abschied nehmen öffnen durfte. „Das will man nicht erleben“, sagt er. Genauso betroffen macht es ihn, wenn Angehörige nicht zur Beerdigung kommen können, weil sie zehn Tage in Corona-Quarantäne sind, ihre Verstorbenen aber, egal ob mit oder an Corona, nach acht Tagen beerdigt werden müssen.

Zum Trösten in den Arm nehmen

Tränen fließen auf dem Friedhof nach wie vor. „Da wird sich dann auch trotz Abstandsregel zum Trösten immer mal wieder in den Arm genommen“, beschreibt Eisner. Das sei nun mal so, wie ein Reflex, genauso wie der Griff zum Aspergil (Wedel für das Weihwasser) oder zur kleinen Schaufel für den Sand.

„Wir räumen aus Hygienegründen beides weg, nur der Pfarrer segnet derzeit mit Weihwasser“, erklärt Eisner auch auf dem Friedhof so manchem Trauergast. Man greife jetzt lieber auf Blütenblätter für den Abschied am offenen Grab zurück.

Rubriklistenbild: © David Vincent/dpa

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