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Wenn Corona-Symptome nicht mehr weggehen

So hilft die Wasserburger Tagesklinik bei Long- und Post-Covid

Oft ist bei Post- und Long-Covid die Lungenfunktion beeinträchtigt.
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Oft ist bei Post- und Long-Covid die Lungenfunktion beeinträchtigt.

Extreme Müdigkeit, immer wieder auftretendes Kopfweh, anhaltende Konzentrationsschwierigkeiten: Das sind Symptome nach einer Corona-Infektion, die auf ein neues Krankheitsbild hinweisen können: Post- oder Long-Covid. Hilfe gibt es ab dem 15. März in einer Tagesklinik im Inn-Salzach-Klinikum.

Wasserburg – Ein Banker, der sich nicht mehr auf komplexe Sachverhalte konzentrieren kann, eine Krankenschwester, die Wortfindungsstörungen hat, eine Erzieherin, die den Lärm in der Kitagruppe nicht mehr aushält, eine Mutter, die nicht für die Familie kochen will, weil sie nichts schmecken kann, ein Kraftfahrer, den immer wieder starke Kopfschmerzen quälen: verschiedene Symptome, die sich unter einem Krankheitsbild zusammenfassen lassen: Long- und Post-Covid. Hilfe gibt es ab dem 15. März in der ersten Tagesklinik für diese Patientenklientel in der Region im kbo-Inn-Salzach-Klinikum (ISK).

Junges, komplexes Krankheitsbild

Isabella Eder, Leiterin der neuen Tagesklinik.

„Es ist ein junges Krankheitsbild, sehr komplex, eine Erkrankung, die interdisziplinär angegangen werden muss“, betont Dr. Tobias Winkler, Chefarzt der Neurologie am ISK. Bis heute sei nicht genau erforscht, warum manche Menschen nach der Akut-Phase vollständig genesen, andere extrem lange leiden würden. Wer vier Wochen über anhaltende Symptome klagt, erhält nach Winklers Informationen die Diagnose Long-Covid-, nach zwölf Wochen Post-Covid-Syndrom.

Die Wissenschaft gehe davon aus, dass zehn bis 20 Prozent aller Infizierten davon betroffen sei. Es treffe nicht nur Menschen, denen das Virus in der Akutphase schwer zu schaffen mache, sondern auch solche, die die Infektion als leicht empfunden hätten, jedoch dauerhaft keine Besserung erleben würden. Long- und Post-Covid gebe es bei allen Virusvarianten, die in über zwei Jahren Pandemie aufgetreten seien.

Fünf Betreuungsplätze bietet die neue Tagesklinik am ISK in Wasserburgs Stadtteil Gabersee. Durch die Integration in die Klinik für Neurologie am Inn-Salzach-Klinikum könnten viele Synergien genutzt werden, betont Winkler: „Unsere Klinik verfügt über alle fachspezifischen Untersuchungsmethoden aus den Bereichen der Neurologie, wie zum Beispiel CT oder MRT. Außerdem stehen eine Physiotherapie-, Ergo- und Logopädieabteilung zur Verfügung. Das heißt, wir können die Patienten untersuchen, präzise Diagnosen erstellen und die Therapien dann ganz den individuellen Bedürfnissen anpassen.“

Der erste wichtige Schritt ist die richtige Diagnose

Je nach Erkrankungsschwere bleiben Patienten eine bis sechs Wochen, bei Bedarf auch länger. Eng arbeitet die Tagesklinik auch mit der Romed-Klinik und der dortigen Inneren Medizin zusammen.

Wichtig ist eine richtige Diagnose, sagt Winkler. Denn nicht immer stecke Long- oder Post-Covid hinter einer Erkrankung, die zeitnah nach einer Infektion auftrete. Ist es jedoch so, beginnt ein individuelles Therapieprogramm – mit Gerätetraining für die Stärkung der Ausdauer, mit Atemübungen für die Lunge, Logopädie für das Sprechen oder Konzentrationstraining. Sogar das Riechen kann wieder gelernt werden – über Übungen mit Vanille und Zitrusdüften beispielsweise, berichtet Winkler..

Auch für die Seele gibt es Hilfe im psychiatrischen Fachkrankenhaus in Wasserburg. Denn Betroffene leiden oft unter der Tatsache, dass ihre Erkrankung nicht als solche anerkannt wird, berichtet Ärztlicher Direktor Professor Dr. Peter Zwanzger. „Hab dich nicht so“, heiße es oft. „Der Leidensdruck ist enorm“, bedauert Zwanzger. Betroffene könnten Ängste entwickeln, depressiv werden.

Er stellt fest, dass auch Menschen mit sehr guter Kondition und Gesundheit schwer und lange an Corona und den Folgen erkranken können. Zwanzger weiß von Leistungssportlern, die sich monatelang nicht erholen. Viele treibe die Frage um: „Was ist normal, was ist krankhaft?“ Auch deshalb sei die Diagnose oft der erste Schritt zur Heilung.

Ziel: zurück in den Alltag

Zwanzger ist überzeugt, dass die Folgen der Pandemie das Gesundheitswesen noch mindestens eine Dekade begleiten werden. Mit der Tagesklinik sei das Inn-Salzach-Klinikum Vorreiter bei der Behandlung der Spätfolgen. Die nächste Einrichtung dieser Art gebe es erst wieder in Nürnberg oder am Isar-Amper-Klinikum in München-Haar.

Extrem belastende Langzeitfolgen

Die Wahl auf das Inn-Salzach-Klinikum sei beim Gesundheitsministerium gefallen, weil das ISK als zertifiziertes Fachkrankenhaus für Psychiatrie, Psychosomatik und Neurologie mit Covid-Station in den vergangenen Monaten bereits zahlreiche Patientinnen und Patienten mit Corona-Infektion behandelt habe. Isabella Eder, die Leiterin der neu geschaffenen Tagesklinik weiß, „dass besonders die Langzeitfolgen extrem belastend sein können. Die Symptome haben nicht nur körperliche, sondern auch psycho-soziale Auswirkungen, wenn zum Beispiel die soziale Isolierung betroffener Patienten auftritt.“ Die neue Tagesklinik lege den Fokus auf die Behandlung der individuellen Beeinträchtigungen, „sodass wir den Patientinnen und Patienten helfen, ihren Alltag wieder bewältigen zu können.“

Alle Informationen zum Ablauf der Behandlung, der Zuweisung und Kontaktmöglichkeiten zur Tagesklinik finden sich unter www.kbo-isk.de.

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