Geschäfte wieder geöffnet

Freude über Wiedereröffnung trotz vieler Unsicherheiten: So startet der Einzelhandel im Wasserburger Land

Anne Donath, Pfeiffer am Rathaus, freut sich, dass sie ihre Ware nicht mehr an der Tür übergeben muss.
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Anne Donath, Pfeiffer am Rathaus, freut sich, dass sie ihre Ware nicht mehr an der Tür übergeben muss.

Kreativität und Spontanität fordern die neuen Corona-Regeln vom Einzelhandel im Wasserburger Land. Denn schwankende Inzidenzwerte und verwirrende Regeln erschweren die Wiedereröffnung. Trotzdem überwiegt die Freude über den Neustart..

Wasserburg/Haag – Spontan musste Gabi Sax vom Schuhgeschäft Sax in Wasserburg und Haag sein. Am Freitag ging sie noch davon aus, lediglich die Filiale in Wasserburg öffnen zu können.

Der Inzidenzwert für den Landkreis Mühldorf lag über 100, am Sonntagnachmittag kamen dann aber neue Anweisungen vom Landratsamt: Der Inzidenzwert war gefallen, die Geschäfte können mit dem neuen Konzept „Click und Meet“ öffnen. Spontan plante Sax um, eröffnete beide Filialen.

Es gibt Geschäfte, die sind zweigeteilt

Auch die Buchhandlung Libretto in Haag machte auf – sogar unabhängig vom Inzidenzwert. „Wir als Buchhandlung wurden als Verkäufer von Gegenständen des täglichen Bedarfs eingestuft“, erklärt Angelika Müller-Czap. Das bedeutet, die Öffnung des Geschäfts ist unabhängig von Inzidenzzahlen und die Kunden dürfen, ohne sich vorher anzumelden, eintreten. Müller-Czap ist erleichtert. „Wir merken auch bei den Kunden eine gewisse Leichtigkeit“, sagt sie. „Die meisten sind froh, einfach wieder durch die Regale stöbern zu können.“

Dennoch hat die Buchhandlung weiterhin nur reduzierte Öffnungszeiten. Müller-Czap will nur langsam wieder mehr Personal einsetzen. „Viele wissen noch gar nicht, dass wir wieder auf haben“, sagt sie. „Die Verwirrung ist groß.“

Recht ruhig geht es an diesem Montagvormittag in den Wasserburger Bücherstuben zu. Aber Inhaber Matthias Lehmann ist trotzdem froh: „Mein erster Kunde heute war hellauf begeistert, ganz rührend.“ Den Tag nennt er einen „kleinen Schritt in die Normalität“, die Leute wollten einfach mal wieder selbstständig stöbern. Lehrmann freut sich über den Status als „systemrelevantes Geschäft“, auf eine Registrierungsprozedur seiner Kunden darf er verzichten.

Kreativität angesichts der schwer zu verstehenden Regeln muss auch Anne Donath, Inhaberin des Geschäfts Pfeiffer am Rathaus, beweisen. Ihr Geschäft ist nun zweigeteilt. Im vorderen Bereich hat sie die Schreibwaren aufgestellt, dieser Bereich ist ohne „Click und Meet“ betretbar. Für den hinteren Bereich mit den Spielwaren ist eine Anmeldung notwendig. Der Stufenplan sei auf ein Mischgeschäft wie ihres nicht vorbereitet, findet sie.

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Dadurch entstehe auch die Situation, dass sich vorne im Geschäft drei Kunden aufhalten dürften, während der hintere Teil nur von einer Person betreten werden könne. Trotzdem ist Donath froh, öffnen zu dürfen. Sie habe auch schon in den ersten Stunden nach der Wiedereröffnung Kundschaft im Laden begrüßt.

Markus Ruepp, Inhaber des Juweliers Ruepp in Wasserburg, wurde schon während des Lockdowns kreativ. „Für uns hat sich ein neuer Geschäftsbereich aufgetan.“ Der Juwelier bietet nun Trauringberatung zu Hause an. 300 Ringpaare stellt Ruepp Heiratswilligen zur Verfügung, diese können sie sich zuhause anschauen und aussuchen, beraten werden die Kunden über Videochat. Das will Ruepp auch während und nach „Click und Meet“ aufrechterhalten, denn die Resonanz sei gut.

Juwelier Markus Ruepp hat Erfolg mit seiner Online-Trauring-Beratung.

Pünktlich zum Verkaufsstart hat sich das Innkaufhaus auf die neuen Regeln eingestellt: Die Mitarbeiterin Evi Stockhammer empfängt an einem Tresen am Eingang die Kunden, die sich per „click and meet“ anmelden müssen. „Das klappt sehr gut“, sagt Inhaberin Sibylle Schuhmacher. „Der Kunde bekommt eine Kundenkarte, und wenn er das nächste Mal kommt, muss er nur diese Karte vorlegen, muss sich also nicht mehr erneut registrieren lassen.“ „Die Kunden sind happy. Man merkt: Sie haben echt wieder Lust, einkaufen zu gehen.“ Auf keinen Fall soll aber der Kunde das Gefühl haben, er sei zum Kauf verpflichtet, nur weil er sich registrieren lassen müsse.

Wie auf einem Pulverfass

Gut gelaunt zeigt sich auch Geschäftsführerin Sonja Schacherl vom Gewandhaus Gruber. „Wir haben schon Termine von Kunden aus München erhalten“, berichtet sie freudig. Auch im Gewandhaus nimmt eine Empfangsdame die Personalien entgegen. Das wird laut Schacherl „gut akzeptiert“, die Leute seien „total nett“. In der vergangenen Woche habe sie mit ihrem Team bis in die Nacht hinein gearbeitet, um den Start vorzubereiten. Trotzdem fühle sie sich wie auf einem Pulverfass, wenn sie auf die Inzidenzzahlen blicke.

Hoffnung auf Belebung der Stadt

Felix Zanker vom Sporthaus Enzinger beklagt, dass nur wenige Leute in der Stadt seien. „Manche fühlen sich wegen Corona halt nicht so sicher.“ Seine Kunden werden an der Kasse registriert, auch die Uhrzeit beim Eintritt werde festgehalten. Für die Folgetage gebe es schon Anmeldungen. „Ich merke, dass die Leute dankbar sind, wieder ein Geschäft betreten zu dürfen.“ Wenn sich die Stadt weiter belebe, sehe er mit Zuversicht in die Zukunft.

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