Serie: Drogenthema in Wasserburg

Methadon als letzte Hoffnung für Absprung?

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Methadonprogramme in der Region - ist es da schon fünf vor zwölf?
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Wasserburg - Tabuthema Drogenkonsum. Wenn es schon fünf vor zwölf ist, wird Beratung und Begleitung für Suchtkranke immer wichtiger. In Wasserburg gibt es ein volles Methadonprogramm.

Die Behandlung von Suchtpatienten, darunter auch Menschen, die wegen Drogenkonsums das kbo-Inn-Salzach-Klinikum aufsuchen, spielt in Wasserburg eine große Rolle. In Wasserburg werden seit vielen Jahren Suchtkranke behandelt. Das kbo-Inn-Salzach-Klinikum verfügt über vier suchtspezifische Stationen mit 86 Betten. Jährlich werden dort ungefähr 2000 Entzugsbehandlungen leitliniengestützt durchgeführt, heißt es.

Die Aufteilung der Abteilungen im Fachbereich Sucht gestaltet sich in regional sektorisierten Aufnahmestationen. Im Haus 25 gibt es zwei Stationen, in denen Aufnahmen zur qualifizierten Entzugsbehandlung und Krisenintervention rund um die Uhr erfolgen. In zwei weiteren Stationen, die sich im Haus 22 befinden, werden Patienten mit drogenassoziierten Psychosen oder komorbiden psychischen Störungen aufgenommen und behandelt.

Hierzu werden auch die Behandlung von pathologischem Glücksspiel oder Computer-/Internetsucht gezählt sowie gezielte opiatgestützte Drogenentzugsbehandlungen. Neben Langzeittherapien und Entzugsprogrammen in einer Klinik für Suchterkrankung, bleibt der Bedarf an einer ambulanten aber nicht weniger strikten Betreuung und ärztlichen Begleitung.

Methadon als Ersatz zur eigentlichen Droge

Menschen, die an einem Methadonprogramm teilnehmen, sind meist aus der Drogenszene raus. Sie obliegen strengen Auflagen und müssen sich im ersten halben Jahr täglich beim Arzt melden. Nicht jeder Mediziner kann ein Methadonprogramm begleiten. In Wasserburg ist es Dr. Raimund Arnold, der eine suchttherapeutische Grundversorgung und Substitutionstherapie anbietet. Seit 1997 ist er als Mitglied und Moderator im Qualitätszirkel „Wasserburger Ärzte“ aktiv.

Bereits seit 15 Jahren betreut er Patienten, die sich in einem Methadonprogramm befinden. „Dieses Programm hat strenge Regelungen“, erklärt Dr. Arnold im Gespräch mit wasserburg24.de. Suchtkranke, die aus der Illegalität aussteigen wollen melden sich zu einem Methadon-Substitutions-Programm, erklärt der Mediziner.

Aktuell betreue er 35 Teilnehmer, im Landkreis Rosenheim gebe es über 100. Lediglich drei Ärzte im Landkreis Rosenheim nehmen Methadonpatienten auf. Juristisch sei es ein äußerst sensibles Thema, die Behandlung und der Spielraum der Sichtweise der Mediziner mache die Betreuung von Methadonpatienten nicht gerade unkompliziert, so der erfahrene Arzt gegenüber wasserburg24.de.

Die frühere Idee, das Medikament nach und nach zu reduzieren, scheint dahin. Vielmehr gehe man davon aus, dass die Einnahme von Methadon eine lebenslange Therapie bedeute, heißt es im Gespräch weiter. „Es handelt sich um eine Krankheit, die fortlaufende Behandlung bedarf“, so der Experte.

Die Abhängigkeit von den Opiaten bleibe bestehen, nur Wenige kämen ganz davon los, darum sei in den meisten Fällen davon auszugehen, dass die Begleitung und Behandlung der Patienten lebenslang erfolge, so Arnold. Einige würden den Absprung ganz schaffen. Methadon sei ein Medikament, was einer Behandlung dieser Krankheit, der Drogensucht gerecht werde.

Nicht alle halten durch

Die strengen Regeln im Methadonprogramm halten nicht alle Patienten durch. Regelmäßig werden Beigebrauchs-Kontrollen gemacht. Dabei geht es darum, dass genau kontrolliert wird, ob der Patient „nebenbei“ zu anderen Drogen greift. „Wenn der Beigebrauch kritisch ist, kann der Patient das Programm nicht weiterführen und wird von der Behandlung ausgeschlossen“ erzählt Dr. Raimund Arnold.

Verpflichtend zum Programm gibt es auch eine psychosoziale Betreuung. Die Fachambulanz für Suchterkrankungen der Diakonie unterstützt Betroffene und deren Familienangehörige sowie all diejenigen Menschen, die sich über eine Suchterkrankung informieren wollen. Methadonpatienten unterziehen sich verpflichtend auch einer solch psychosozialen Begleitung.

Entwicklung

Die Nachfrage an der Teilnahme im Methadonprogramm ist ungebrochen. „In Deutschland sind zwei Drittel der Opiatabhängigen in Substitutionstherapie, ein Drittel erreicht man leider nicht“ berichtet Arnold. Der Mediziner betreibt seit Jahren seine Praxis in Wasserburg, ist Allgemeinmediziner und kann nicht unbegrenzt viele Patienten in sein Methadonprogramm aufnehmen.

Weil nicht besonders viele Ärzte eine Substitutionstherapie anbieten würden, seien auch der Zulauf und die Nachfrage von Menschen aus den Nachbarlandkreisen deutlich spürbar. „Die Nachfrage ist oftmals größer als die Möglichkeiten der Aufnahme in ein solches Programm“.

Opiate keine Modedrogen mehr?

Werden die Patienten, die sich in ein Methadonprogramm wagen, immer jünger? „Nein, im Gegenteil“, findet Dr. Raimund Arnold. „Opiate gehören nicht zu den Modedrogen der heutigen Zeit, der Altersdurchschnitt steigt sogar“ so der Mediziner.

Darum seien die Patienten eher mittleren Alters. Ein Methadonprogramm kommt nur dann zur Anwendung, wenn es sich um eine Opiatabhängigkeit handelt. Wenn Suchterkrankte Kokain oder Amphetamin-abhängig sind, gibt es keine entsprechenden Ersatzprogramme.

Heroin oder Fentanyl seien hingegen Opiate, heißt es vom Experten. Letzteres sei auf dem Markt leider auch leicht zu beschaffen, der Kontakt damit aber ein unkalkulierbares Risiko. „Es ist bedauerlicherweise ein sehr beliebter Stoff, aber eine enorme Gefahr für den Menschen, der beispielsweise Fentanylpflaster falsch benutzt“, erklärt Dr. Arnold. Oftmals sterben Konsumenten an Mischintoxikationen, Fentanyl sei meist der Hauptanteil.

Gibt es Fälle von "Happy End" beim Thema Drogen? Wir waren auf der Suche und nehmen morgen in unserer Serie Bezug.

Quelle: rosenheim24.de

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