"Frauen weg vom Herd, ab zur Feuerwehr!"

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Feuerwehren hoffen zunehmend auf Unterstützung von aktiven Feuerwehrfrauen
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Landkreis – Die Freiwilligen Feuerwehren plagen meist keine Nachwuchssorgen, vielmehr die Angst vor fehlenden Einsatzkräften. Tagsüber könnte man aber auf Hausfrauen zurückgreifen, so die Idee.

Frauen können gut kochen und backen, erziehen die Kinder und ratschen gern über Handtaschen und Kleidung. Aber in Frauen steckt mehr als nur diese typischen Verhaltensmuster.

Es sei ein Klischee, das definitiv widerlegt werden könne, heißt es von Kreisjugendwart Manuel Pöhmerer. „Frauen können ebenso kraftvoll bei Einsätzen mitmachen, wie die Männer“, so Pöhmerer. Er betont, dass beispielsweise in der Wasserburger Feuerwehr Jugendwart Michaela Huber bestes Beispiel dafür sei, dass Frauen in der Feuerwehr nicht einfach nur Däumchen drehen würden. „Die Frauen, die aktiv bei der Feuerwehr mit dabei sind, machen uns in manchen Einheiten sogar etwas vor und sind um Längen besser“, so der Kreisjugendwart im Gespräch mit wasserburg24.de. So könnten sie neben dem allgemeinen Anpacken bei Einsätzen vor allem auch bei der Gruppenführung und dem Organisieren von Übungen sowie dem Einsatzplanen punkten, ist sich Pöhmerer sicher. „Bei den Atemschutzübungen merken wir immer wieder, dass die Frauen hier besonders erfolgreich ihre Aufgaben meistern, oftmals besser als die Männer“, lächelt Pöhmerer. Er ruft daher alle Frauen im Landkreis dazu auf, sich einen aktiven Einsatz bei der örtlichen freiwilligen Feuerwehr zu überlegen.

Warum werden Frauen gebraucht?

Die Tatsache, dass viele Einsätze tagsüber personell von den Freiwilligen Feuerwehren im Ort nicht mehr gestemmt werden können, sei nicht von der Hand zu weisen, heißt es von Kreisbrandrat Richard Schrank.

Berufsbedingt seien viele aktive Feuerwehrmänner nicht am Wohnort anwesend, wenn der Alarm komme. „Die wohnortnahe Arbeitsstelle gibt es zwar noch, doch vermehrt befinden sich die Einsatzkräfte auch außerhalb des Landkreises in der Arbeit“, so Schrank weiter. Feuerwehrler könnten nicht eine Stunde Fahrtzeit auf sich nehmen, um dann endlich am Einsatzort anzukommen.

Daher werde es immer schwieriger, bei Einsätzen unter Tags eine komplette Mannschaft zu stellen, die zu Einsätzen fahren könne. „Frauen, die tagsüber zu Hause sind oder die wohnortnah arbeiten, wären ideal für die Feuerwehren der Region“, sind sich Richard Schrank und Manuel Pöhmerer einig. Auch von Thomas Rothmaier von der Freiwilligen Feuerwehr Wasserburg kommt der Apell, dass doch mehr Frauen der Feuerwehr aktiv beistehen sollten. „In der heutigen Zeit ist es völlig egal, ob ein Mann oder eine Frau bei den Einsätzen dabei ist, keiner erkennt einen Unterschied, auch kräftemäßig nicht“, sind sich Verantwortliche der Kreisbrandinspektion einig.

Kreisbrandrat erzählt von guten Erfahrungen

Richard Schrank hat langjährige Erfahrungen im Alltag der freiwilligen Feuerwehren.

Im Gespräch mit der Redaktion erklärt Schrank, dass er im Jahr 2002 bei der Freiwilligen Feuerwehr Kolbermoor als Kommandant anfing, 2003 die Jugendfeuerwehr eingeführt habe. „Damals sind die ersten Mädchen dazu gekommen, heute sind diese Gruppenführer, Atemschutzgeräteträger und voll integriert“, heißt es von Kreisbrandrat Richard Schrank.

Er sehe keinerlei Unterschied zu männlichen Kollegen. Wenn man etwas nach vorne schaue, habe es keinerlei Bestand mehr, die Feuerwehrarbeit als Männeraufgabe anzusehen. Zwar gebe es auch Feuerwehren im Landkreis Rosenheim, die sich dahingehend nicht öffnen würden, dass Frauen aktiv die Einsatzkräfte unterstützen können. Schrank sehe aber definitiv Chancen, durch den Einsatz von Frauen bei der Freiwilligen Feuerwehr die Einsätze weiter gut absolvieren zu können. „Die Frauen sichern den Bestand der Feuerwehren, weil sie oftmals absolut schnell bei Einsätzen mit dabei sein können“.

Viele Männer, die bei der Feuerwehr seien, könnten tagsüber oftmals nicht abberufen werden, weil die Arbeitsstelle zu weit weg vom Wohnort sei. Dadurch könnten Frauen die Mannschaften der Freiwilligen Feuerwehren tatkräftig unterstützen, damit ein sofortiger Einsatz möglich bleibe, sind sich viele Kommandanten einig.

„Uns gehen die Einsatzkräfte aus, und wenn uns die Frauen, die wohnortnah tagsüber zu erreichen sind, dann bleiben unsere Einsatzmöglichkeiten für die Region stabil und gelten auch weiterhin als gesichert“, schließt Kreisbrandrat Richard Schrank ab. Daher sei es wahrlich kein Scherz, wenn man sage: Frauen, weg vom Herd und ab zur Feuerwehr. Nachgefragt in der Runde der jetzt schon aktiven Feuerwehrfrauen in der Region heißt es ganz klar: „Wir überraschen die männlichen Kollegen immer wieder mit unserer Kraft und Energie“.

Auf der Straße allerdings trafen wir auf wenig Bereitschaft, sich der Feuerwehr anzuschließen. „Ich kann mir das für mich selbst nicht vorstellen, zur Feuerwehr zu gehen, aber ich hab tiefen Respekt vor denen, die sich in diese Männerdomaine schwingen“, erklärt eine Frau Mitte 30. Natürlich muss jede Frau selbst entscheiden, ob ihr die Aufgaben bei der Feuerwehr liegen. Den Feuerwehren der Region würde allerdings jede Unterstützung gut tun.

Quelle: rosenheim24.de

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