Signale blieben ungehört

Funkmast: Missachtung des Bürgerwillens?

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Nichts hat sich getan! Das Fundament wurde noch vor der Behandlung der Petition gebaut, eine Standortverlegung daher nicht mehr möglich.
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Soyen/Wasserburg – Der Funkmast in Koblberg, der seit Monaten für Aufregung sorgt, weilt im Dornröschenschlaf. Die Bürgermeister bleiben verstimmt nach diesem „Hauruck-Verfahren“.

Eine bedauerliche Entwicklung gab es rund um die geeignete Standortsuche für den Funkmast in Koblberg, der für eine BOS-Antenne gebaut werden soll. Die Betreiberfirma hat noch vor der Behandlung der Petition im Innenausschuss vollendete Tatsachen geschaffen und das Fundament erstellt. Weitergebaut wurde nicht, doch an eine Versetzung des Mastenstandorts ist nach Baubeginn des untersten Fundaments nicht mehr zu denken. „Er wurde an einen Platz gebaut, für den wir Bürger eine Alternative vorgeschlagen hatten“, wettern nach wie vor Betroffene, darunter der Petitor selbst, Hubert Schex.

Nicht nur die Bürger wurden von den überstürzt begonnenen Baumaßnahmen des Fundaments überrannt, auch für die betroffenen Bürgermeister aus Soyen und Wasserburg, Karl Fischberger und Michael Kölbl ist die Situation nicht glücklich und korrekt gelaufen. „Es ist bedauerlich, wenn sich Bürger engagieren und sagen, wir lehnen den Funkmast nicht grundsätzlich ab, sondern wollen, dass er etwas verlegt wird. Die Gemeinden Soyen und Wasserburg sprachen sich einhellig für eine Verlegung aus, man zog beim Standortthema für den Mast in Koblberg an einem Strang“, blickt Bürgermeister Michael Kölbl zurück. Dann seien - kurz bevor der Petitionsantrag behandelt worden sei, durch die Betreiberfirma – vollendete Tatsachen geschaffen worden, so Kölbl im Gespräch mit wasserburg24.de. „Ich empfinde das persönlich als Missachtung des Bürgerwillens“, fährt das Stadtoberhaupt fort.

Ein kleiner Erfolg sei, dass es nur ein Funkmast für den Digitalfunk für Rettungskräfte werde und dieser Funkmast Betreibern von Mobilfunkantennen NICHT zur Verfügung stehe, bekräftigt Kölbl. Dieses Ergebnis der oberen Behörde liegt mittlerweile beiden Bürgermeistern, Michael Kölbl und Karl Fischberger gleichermaßen schriftlich vor. Zumindest könne man auf Dauer sicherstellen, dass kein Mobilfunkbetreiber auf diesen Masten in Koblberg komme, so der Bürgermeister aus Wasserburg.

Unmut auch in Soyen

Ähnlich erbost reagiert auch Soyens Gemeindeoberhaupt Karl Fischberger auf die vollendeten Tatsachen und das Vorgehen der Betreiberfirma. Gegenüber den Zuständigen der genehmigungsbefähigten Behörde spart er nicht mit Kritik. „Der Kompromiss, den wir jetzt also aushandeln haben können, ist nicht komplett zufriedenstellend“, findet Fischberger. Gut sei es in jedem Fall, dass festgesetzt wurde, dass keine Mobilfunkantennen auf den Mast in Koblberg aufgesetzt werden, doch die Vorgehensweise zu diesem grundsätzlichen Standort sei eine Frechheit. „Es ist sehr schade, dass von Staatssekretär Gerhard Eck angeblich wegen Zeitmangels der Baubeginn nicht eingestellt oder verschoben werden konnte, vor allem weil ja das Thema wegen einer eingereichten Petition im Innenausschuss zeitnah behandelt werden sollte“ erläutert Karl Fischberger.

Der Bürgermeister aus Soyen ist nicht sehr amüsiert darüber, weil er den dringenden Beginn der Fundamentarbeiten nicht nachvollziehen kann. „Der Mast steht bis heute noch nicht, nach wie vor gibt es nur dieses schnell errichtete Fundament, das alle Möglichkeiten für eine Standortverschiebung nahm“, so Fischberger im Gespräch mit wasserburg24.de.

Es sei nicht verständlich, warum die beiden Kommunen, die sich einhellig gegen den jetzt festgesetzten Standort aussprachen, einfach unerhört blieben.

Wie bereits seit einigen Monaten bekannt, wurde das nicht gegebene Einvernehmen der Stadt Wasserburg einfach ersetzt, auch das Missfallen der Gemeinde Soyen an diesem Standort und die Vorschläge zu einer Standortverschiebung wurden von den Zuständigen der Regierung von Oberbayern und der Betreiberfirma schlichtweg „überhört“. Eine Fahrt zum Masten-Standort, auf dem Anfang Juli das Fundament kurz vor der Behandlung der Petition dringend aufgebaut werden musste, hat ergeben: Nichts hat sich seitdem verändert. Es wurde nichts weiter aufgebaut, auch vom Mast selbst ist bislang nicht ein Zentimeter. „Dies lässt den Verdacht nahe, dass es wirklich nur darum ging, uns Kommunen und vor allem die Bürger vor vollendete Tatsachen zu stellen“, wirft Fischberger unter anderem der Firma Telent vor.

Betreiber sagt nichts dazu

Von der Firma selbst wollte sich niemand zum Sachstand oder dem Verhalten der Dringlichkeit des Baubeginns äußern. Der Projektverantwortliche sei beschäftigt, hieß es stets, vier Mal hat unsere Redaktion versucht, einen Kontakt für ein Interview herzustellen, klar und deutlich wurde auf den Standort Koblberg hingewiesen, doch der Projektleiter rief weder zurück noch konnten wir zu ihm oder einem Vertreter durchgestellt werden.

Der Probebetrieb für den BOS-Funk startet im Oktober 2015, bis dahin sollen die Funkmasten stehen und die notwendigen Antennen aufgebaut sein. „Unfassbar, wenn man merkt, dass schnell das Betonfundament gegossen wurde, und eigentlich ja definitiv noch jede Menge Zeit vorhanden ist, bis der Mast für die BOS-Antenne stehen muss“, so Karl Fischberger.

Quelle: rosenheim24.de

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