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Verärgerung im Kollegium

Für 752 Schüler und 72 Lehrer am Gymnasium Wasserburg nur 480 Corona-Selbsttests geliefert

Lehrer und Schüler, die sich selbst auf Corona testen: So sollte ein sicherer Wechselunterricht gelingen, so die Staatsregierung. Fürs Gymnasium Wasserburg wurden 480 Selbsttests geliefert – für 752 Schüler und 72 Lehrkräfte. Gerhard Widmann, Delegierter des Bayerischen Philologenverbandes, ist sauer.

Wasserburg – Es ist eine einfache Rechenaufgabe: 752 Schüler und 72 Lehrkräfte hat das Luitpold-Gymnasium in Wasserburg. Dass für diese Menge an Menschen die gelieferten 24 Selbsttest-Sets (20er-Packungen) nicht ausreichen, versteht wohl schon ein Grundschulkind.

Lehrer sollten sich zweimal pro Woche selber testen, die Schülerschaft einmal – es sei genügend da, wie Gesundheitsminister Klaus Holetschek Ende Februar angekündigt hatte. Die Selbsttests sollten den Wechselunterricht sicherer machen. Nun reichen sie bei Weitem nicht aus.

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Richtig wütend macht diese Diskrepanz zwischen Ankündigung und Ist-Zustand Gerhard Widmann, Delegierter des Bayerischen Philologenverbandes für Wasserburg. Im Interview findet er deutliche Worte.

Wie war die Stimmung der Lehrkräfte, als sie die Lieferung sahen?

Gerhard Widmann: Die Bayerische Regierung hatte vollmundig angekündigt, es seien „genug Schnelltests für Schule und Kita“ da. Entsprechend groß waren Fassungslosigkeit und Empörung der Lehrkräfte des Luitpold-Gymnasiums, als am Donnerstagnachmittag für 752 Schülerinnen und Schüler sowie 72 Lehrkräfte ganze 24 Sets mit je 20 Schnelltests geliefert wurden. Der als „Macher“ gepriesene neue Gesundheitsminister entpuppte sich als „Ankündiger“.

Wann beginnt der Wechselunterricht?

Widmann: Ab Montag, 15. März, bzw. Dienstag, 16. März, kehren die Schülerinnen und Schüler der weiterführenden Schulen auch in Wasserburg im täglichen Wechselmodell wieder in ihre Schulen zurück. Angesichts der bayernweit leicht steigenden Infektionszahlen und der ansteckenderen Virusvarianten ist dies durchaus ein gewagter Schritt.

Hier sollen die Selbsttests zu mehr Sicherheit führen.

Widmann: So ist es. Wir Lehrkräfte und unsere Schülerinnen und Schüler haben den Ankündigungen des neuen bayerischen Gesundheitsministers Holetschek vertraut. Dieser hatte schon am 26. Februar zugesichert, ab März könnten sich Lehrkräfte zweimal pro Woche selbst testen und Schülerinnen und Schüler ab 15 Jahren einmal pro Woche. „Ein noch stärkerer Schutz an Schulen“ habe „oberste Priorität“, hieß es. Auch Kultusminister Michael Piazolo verkündete, die Selbsttests würden die „Schulen für unsere Kinder und Lehrkräfte noch sicherer“ machen.

Er sei froh, dass man „den Schulen eine große Anzahl dieser Tests zur Verfügung stellen“ könne. Vor zwei Tagen schließlich setzten die beiden Minister noch eins drauf und versprachen, künftig sollten auch Schülerinnen und Schüler unter 15 Jahren sich einmal pro Woche testen können. Der Ministerpräsident betonte, Bayern habe „genug Schnelltests für Schule und Kita“.

Wie positioniert sich der Bayerische Philologenverband?

Widmann: Der Bayerische Philologenverband, der die Lehrkräfte an Gymnasien und beruflichen Oberschulen vertritt, forderte zurecht letzte Woche, flächendeckende Schulöffnungen dürfe es nur mit einer klaren Teststrategie geben. Was in Österreich seit Wochen funktioniert, muss auch in Bayern möglich sein. Außerdem verlangt der Philologenverband ein sofortiges Impfangebot für Lehrkräfte aller Schularten, die jetzt zum Präsenzunterricht zurückkehren.

Wir möchten auch unter schwierigen Bedingungen guten Unterricht für die uns anvertrauten Schülerinnen und Schüler bieten, aber nicht dabei unsere Gesundheit aufs Spiel setzen. Die Kontakte der Kinder werden durch kleinere Gruppen im Wechselunterricht reduziert, wir Lehrkräfte stehen jedoch alle 45 Minuten vor einer neuen Gruppe. Wir erwarten, dass unser Dienstherr der Fürsorgepflicht für sein Personal gerecht wird!

Welchen Herausforderungen haben sich derzeit die Lehrer zu stellen?

Widmann: In den vergangenen Wochen haben wir Lehrkräfte nach Anlaufproblemen wegen überlasteter Tools einen funktionierenden Digitalunterricht umgesetzt. Wir haben uns bemüht, alle Schülerinnen und Schüler in Videokonferenzen zu erreichen. Wir haben täglich die hochgeladenen Hausaufgaben kommentiert und zurückgeschickt.

Wo stoßen Lehrer an Grenzen?

Widmann: Wir sehen natürlich auch, dass die Schule als Ort sozialer Begegnungen mit Gleichaltrigen fehlt, dass manche Kinder zu Hause keine optimalen Lernvoraussetzungen haben und dass die persönliche Begegnung für erfolgreiches Lernen sehr wichtig ist. Daher stellen wir uns der Herausforderung eines Wechselunterrichts mit überzeugendem Testkonzept.

Zwar können wir uns nun um die Gruppe, die jeweils daheim ist, nicht mehr so gut kümmern. Denn für das Streaming aus dem Klassenzimmer reicht unsere Datenleitung noch nicht. Hierfür ist uns aber immerhin zeitnah eine Verbesserung versprochen worden.

Rubriklistenbild: © Zacharie Scheurer

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