Hebammen tun sich schwer

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(Symbolbild)

Wasserburg - Ab 1. Juli tun sich viele Hebammen schwer, finanziell über die Runden zu kommen. Der Grund: enorme Steigerungen in der Haftpflichtversicherung. Bedeutet das das Aus für die Hebammen im Raum Wasserburg?

Schon in den letzten Jahren war die Haftpflichtversicherung für geburtshelferische Tätigkeit enorm gestiegen, jetzt machte sie noch mal einen Sprung von zirka 2400 Euro auf fast 4000 Euro.

"Mir erschwert diese Steigerung der Versicherungsprämien den Wiedereinstieg in die Geburtshilfe", bedauert Claudia Neu-Metzner aus Ramerberg. Immer hat sie sich als Hebamme engagiert, gehörte auch zum Team der Hebammenpraxis Bella Donna, die Anfang des Jahres ihre Pforten schließen musste. "Jetzt wären meine Kinder groß genug und ich hätte wieder Lust in der Geburtshilfe zu arbeiten", berichtet sie, "doch bei dieser Versicherungsprämie wäre das vermutlich nicht mehr als ein teures Hobby".

Auch die Hebamme Birgit Engel findet es einen Skandal, dass sie von ihrem hart erarbeiteten Geld nicht mehr leben kann. Als selbstständige Hebamme müsse sie nicht nur die Haftpflichtversicherung bezahlen, sondern sei auch alleine für die Zahlung von Renten- und Krankenversicherung verantwortlich. Außerdem sei sie auf ihr Auto angewiesen, anders sei dieser Beruf nun mal nicht auszuüben. Auch sie war Hebamme in der Wasserburger Hebammenpraxis und von Anfang an dabei im Geburtshaus Rosenheim. "Ich werde sicher meinen Beruf weiter ausüben, auch mit Geburtshilfe, schließlich habe ich das Geburtshaus mit aufgebaut", sagt sie stolz. "Aber für viele ist die Schmerzgrenze erreicht, bei denen geht es vermutlich nicht weiter".

Doch nicht nur die gestiegenen Kosten sieht sie als Ursache für die derzeitigen Probleme im Hebammenberuf. Seit Jahren seien die Gebührensätze für Hebammen durch die Kassen nicht angepasst worden. Ein Skandal sei, dass es für jede Geburt nur einen Pauschalsatz gebe, unabhängig davon wie lang eine Geburt dauere. Knapp 400 Euro für eine Geburt ständen in der Regel in keinem Verhältnis zum Aufwand, den eine Hebamme während einer Geburt leiste und die Stunden, die sie zur Verfügung stehe, so Birgit Engel.

Auch für die Beleghebamme Erika Diller aus Babensham wird die Versicherungsprämie immer mehr zum Problem. "Mich den ganzen Tag im Krankenhaus bereit zu halten, lohnt sich fast nicht, weil die Geburtenfrequenz zu gering ist. Aber wegfahren, etwa nach Haag zu einem Hausbesuch, kann ich auch nicht, weil das zu weit ist, um schnell genug zurück zu sein." Sie befürchtet langfristig, das Aus für die wohnortnahe Versorgung und Betreuung vor, während und nach der Geburt.

Diese Gefahr sieht auch der Gynäkologe Dr. Martin Heindl, Chefarzt der Romed Klinik in Wasserburg. "Schon jetzt müssen immer mehr Geburten in große Zentren verlagert werden. Gründe dafür sind zum einen der Ärztemangel, zum anderen müssen auch bestimmte Risikoschwangerschaften an große Zentren überwiesen werden. Das zieht bei den kleinen Häusern natürlich Potenzial ab", so seine Einschätzung. Derzeit, so glaubt er allerdings, hätten die fünf Beleghebammen in der Entbindungsstation bei einer Jahresgeburtenzahl von 550 Geburten genügend Patientinnen, um die Versicherung aufbringen zu können.

Claudia Neu-Metzner jedenfalls hat sich entschlossen, vorläufig keine Geburtshilfe anzubieten, obwohl sie das gerne tun würde. Sie konzentriert sich unter anderem auf Stillberatung und Kurse zur Säuglingspflege. Aber es sei ohne Geburtshilfe schwierig, die Schwangeren zu überzeugen. Sie hofft, eines Tages doch in die Geburtshilfe zurückkehren zu können und baut dabei auch um Untersützung für die Hebammenarbeit, indem sich möglichst viele eintragen unter www.hebammenarbeit.de.

jus/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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