Können sie die Gastronomie in der Corona-Krise retten?

Heizpilze wegen Corona wieder erlaubt: Wasserburger Wirte reagieren völlig unterschiedlich

Sandro Tabacchi in seinem Eiscafé „Venezia“ am Wasserburger Marienplatz
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Sandro Tabacchi in seinem Eiscafé „Venezia“ am Wasserburger Marienplatz. Er ist unsicher, was er von der Entscheidung der Stadt halten soll. Die hat das Heizpilz-Verbot wieder aufgehoben, um den Gastronomiebetrieben über die Wintermonate durch die Corona-Krise zu helfen.

Wasserburg am Inn - Das Aufheben des Heizpilz-Verbots als Hilfe in der Corona-Krise führt zu kontroversen Meinungen bei den Wasserburger Gastronomen. In einem Punkt sind sich die Wirte aber einig: Retten wird ein Heizpilz über die Wintermonate ihren Betrieb wohl nicht.

Sandro Tabacchi ist zwigespalten. „Dass man erst Heizpilze betreiben darf, dann plötzlich nicht mehr wegen des Klimanotstands und jetzt darf man auf einmal wieder - das finde ich komisch. Entweder die Gäste sitzen gerne draußen, weil es die Witterung zulässt oder es ist einfach zu kalt - und unter den Arkaden zieht es bei uns ohnehin sehr schnell kalt durch“, betont der Betreiber des Eiscafés „Venezia“ im Gespräch mit wasserburg24.de. Er hat sich noch nicht entschieden, ob er Heizpilze aufstellen wird: „Vor Jahren hatte ich einmal welche. Wenn die alten Pilze noch funktionieren, stelle ich vielleicht welche auf, wenn nicht, lasse ich es bleiben. Ich bin da flexibel.“ Extra neue Pilze kaufen für ein paar Monate werde er nicht, zumal das „V“ im Dezember und Januar eh im Betriebsurlaub sei.


Um die ohnehin durch die Corona-Krise gebeutelte Gastronomie zu unterstützen, erlaubt die Stadt bis Ende März 2021 wieder das Aufstellen von Heizpilzen. So soll garantiert werden, dass die ansässigen Gastronomen ihre Gäste auch über die Wintermonate hinweg im Wirtsgarten bewirten und so trotz Abstandsregeln mehr Plätze schaffen können. Christine Stocker-Hoyer vom „Boulevard 10“ in der Ledererzeile ist weder dafür noch dagegen: „Andere befürworten die Aufhebung des Verbots, für mich sind Heizpilze keine Option. Wir kommen gut zurecht mit den Abstandsregeln und haben genug Plätze auch im Inneren. Sobald es schlecht wird, sitzen die Leute nicht mehr draußen und dann geht auf unserer Terrasse eh kein Geschäft - zumal wir als Tagescafé nur bis 18 Uhr geöffnet haben."

Christine Stocker-Hoyer betreibt das „Boulevard 10“ in der Wasserburger Ledererzeile.

Heizpilze für Gastronomie in Wasserburg wieder erlaubt: Hauptproblem Abstand?

Auch wenn die Stadt das erst im November 2019 erlassene Verbot wegen Corona jetzt wieder aufgehoben hat, Jakob Hastreiter, Inhaber des „Queens Pub“ an der Innbrücke vor den Toren der Stadt, wird keine Heizpilze aufstellen. Er sieht das Hauptproblem beim Abstand: „Die Leute drängen sich direkt an die Pilze und stehen so zu dicht aneinander. Das darf nicht sein. Zudem müsste ich extra investieren, weil wir keine besitzen und 2021 sind die Strahler dann eh wieder verboten.“ Er könne sich auch nicht vorstellen, dass sich im Winter die Gäste raussetzen zum Essen oder Trinken. Hastreiter setzt vielmehr auf die Sicherheit im Inneren - mit Plexiglasscheiben und Trennwänden versucht er so viele Plätze wie möglich herauszuholen. Damit sei er bisher gut verfahren: „Ich bin nicht unzufrieden. Keiner weiß, wie es im Winter wird, aber wenn die Bestimmungen so bleiben, kann ich nicht groß klagen.“

Für Moritz Reil von der „Bar Helmut“ im Gebäude des Theaters Belacqua sind Heizpilze ebenfalls kein Thema, wie er gegenüber wasserburg24.de betont: „Das Problem der Erderwärmung besteht bereits, da muss ich die Energie nicht zusätzlich zum Fenster rausblasen. Wenn sich Leute ins Freie setzen wollen, legen wir lieber mehr Decken bereit.“

Heizpilze im Außenbereich der Gastronomie wieder erlaubt: „Tolle Entscheidung der Stadt“

Decken und Kissen für die Gäste im Außenbereich - ein Aspekt, der bei Miri Sommer Fragen aufwirft: „Darf man das überhaupt in Zeiten von Corona, in denen sämtliche Deko-Artikel auf den Tischen und Bänken verboten sind?“ Die Inhaberin des „Roten Turms“ in der Hofstatt verzichtet daher aktuell auf Decken und Kissen, befürwortet dafür die Entscheidung der Stadt („Je mehr Plätze, umso besser für uns.“) Sie möchte in Heizpilze investieren: „Ich denke, ich werde diese Möglichkeit nutzen. Natürlich muss ich vorher den Kosten-Nutzen-Faktor in Relation setzen - wir hatten ja noch nie Heizpilze.“

Ebenfalls positiv ist die Aufhebung des Heizpilz-Verbots für Christine Deliano. Sie würde lieber heute als morgen in Strahler investieren, allerdings fehlen ihr noch Mittel und Wege. Am liebsten würde sie für die Backstube in der Hofstatt elektrische Sonnenschirme mit Bodenhülsen installieren. Aber: „Die Hauselektrik macht uns einen Strich durch die Rechnung. Die Idee ist praktisch nicht umsetzbar und jetzt muss ich schauen, ob ich mir Heizpilze anschaffen soll.“ Allgemein aber sei die Erlaubnis Pilze wieder aufstellen zu dürfen in ihren Augen „eine tolle Entscheidung der Stadt sowie eine eine gute Möglichkeit, die Gastronomen zu unterstützen“.

mb

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