Abschaffung vor 20 Monaten

Praxisgebühr: Wie lebt es sich ohne?

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Die Praxisgebühr ist seit 20 Monaten Geschichte. Wie lebt es sich ohne?
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Landkreis - Vor zehn Jahren wurde sie eingeführt, seit mittlerweile 20 Monaten ist sie Geschichte: Die Praxisgebühr hat für viele Diskussionen gesorgt. Wie lebt es sich ohne?

Aus und vorbei! Die Praxisgebühr, die vielen Patienten eine Art „Selbstbeteiligung“ für Arztbesuche bescherte und viel Aufwand für das Praxispersonal bedeutete, wurde vor 20 Monaten abgeschafft. Das „Leben“ dieser Bürokratiehandlung hat den Krankenkassen Extra-Einnahmen beschwert, viele Ärzte hatten schon am Namen „Praxisgebühr“ kein Gefallen gefunden. „Die Praxisgebühr haben wir für die Krankenkasse von den Patienten eingefordert“ poltert eine Arzthelferin aus dem Altlandkreis Wasserburg. Es habe den Alltag mit den Patienten sehr verlangsamt, das Geldsammeln hätte wichtige Zeit in der Versorgung kranker Menschen verschwendet.

Viele Patienten finden, dass der Quartalsweise Zahltag ein Graus gewesen sei: „Ich bin ohnehin nicht wegen jedem Schnupfen zum Doktor gegangen, aber diese zehn Euro Praxisgebühr haben schon die Anmeldung in der Arztpraxis umständlich gemacht“ findet Karl Fischer aus Soyen. Er hat vor allem die Tatsache noch schlecht in Erinnerung, dass ohne einen Überweisungsschein durch den Hausarzt auch beim Facharzt die zehn Euro gezahlt werden mussten. „Das hat mich wirklich geärgert, weil man nur unterwegs war, um sich den Überweisungsschein abzuholen oder eben lieber nochmal gezahlt hat, um es sich einfacher zu machen“, so Fischer.

Quittung und Behandlung beim Arzt nur gegen die Praxisgebühr! Das ist mittlerweile Geschichte

Auch für Elisa Witt aus Wasserburg war die Praxisgebühr ein Dorn im Auge. „Beim Zahnarzt war es ja unabhängig davon, ob man beim Hausarzt schon gezahlt hatte, zu begleichen. Also musste ich 20 Euro im Quartal ausgeben. Das war wirklich schlimm“, heißt es von der 43-Jährigen. Die Mutter zweier Kinder fand es unnütz, weil doch ohnehin ein Kassenbeitrag von den Bürgern gezahlt worden sei. „Die Praxisgebühr hat auch nicht eingedämmt, was von den Politikern angenommen wurde“, so Witt weiter. Der Arzttourismus für jede Kleinigkeit sei deshalb bestimmt nicht weniger geworden, findet die Wasserburgerin.

Artzpraxen-Personal erleichtert

Der Wegfall der 2004 eingeführten Praxisgebühr sorgte für ein Aufschnaufen bei den zuständigen Mitarbeitern. „Ich bin mir wie ein Geldeintreiber vorgekommen“, erklärt Mia. Sie ist Artzhelferin in einer eingesessenen Arztpraxis und hatte immer ein schlechtes Gewissen, den Patienten die 10 Euro abzunehmen. „Außerdem war es für unser Team am Empfang sehr umständlich“, so Mia im Gespräch mit wasserburg24.de „Wir hatten eine eigene Gebührenkasse einrichten müssen und die Quittungen für die Patienten ausstellen müssen“. Es sei wichtige Zeit für den Patienten weggefallen wegen den bürokratischen Aufgaben vor einer Behandlung.

Das sagen die Krankenkassen

Für die Krankenkassen gab es mit der Praxisgebühr ein deutliches Plus auf dem Konto. Doch eine deutliche Zunahme von Arztbesuchen konnte die Vereinigung der Krankenkassen weder bestätigen noch widerlegen. „Unsere Befürchtungen, dass der Arzttourismus, der mit der Praxisgebühr eingedämmt werden sollte, nach Ende des Zusatzbeitrags wieder zugenommen hätte, können wir nicht darlegen“, heißt es von einem Servicemitarbeiter der Vereinigung. Das Modell der Pharma-Verträge mit den Krankenkassen, das im Nachhinein wichtiger geworden sei, habe zudem dafür gesorgt, dass es nicht erneut zu einer enormen Kostenexplosion gekommen sei, so der Insider weiter.

Die verschiedenen Krankenkassen haben sich mit Abnahmeverträgen mit Pharmaunternehmen darauf verpflichtet, Medikamente von bestimmten Firmen abzunehmen. So könne es sein, dass zwei Patienten, die das gleiche Medikament/ den gleichen Wirkstoff benötigen, Produkte von unterschiedlichen Firmen erhalten würden, weil sie in unterschiedlichen Kassen versichert sind. „Jede Krankenkasse hat Verträge mit anderen Firmen“, so der Mitarbeiter weiter. Nach Ende der Praxisgebühr im Januar 2013 wurde dieses Modell besonders wichtig.

Die Praxisgebühr, die von 2004 bis Ende 2012 eingefordert wurde, brachte jährlich Einnahmen in Höhe von ungefähr 2 Milliarden Euro. Zum 1. Januar 2013 wurde sie abgeschafft, damals stimmten alle 548 Bundestagsabgeordneten für den Wegfall der Praxisgebühr. Eine Wiedereinführung ist vom Bund nicht geplant.

Quelle: rosenheim24.de

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