Schüler kämpfen mit psychischem Druck

Schwieriges Corona-Schuljahr: So kommt das Kultusministerium den Schülern entgegen

Das Coronavirus macht ein normales Schuljahr wie wir es bisher kannten unmöglich. Druck und Belastung werden nicht weniger. Doch das Kultusministerium möchte den Schülern mit verschiedenen Angeboten unter die Arme greifen.

Wasserburg/Landkreise - Kultusminister Michael Piazolo bezeichnete in einer Pressekonferenz Anfang März das Corona-Schuljahr als „kein leichtes, aber auch kein verlorenes“ . Für Luca Fischer, Abschlussschüler an der FOS/BOS Wasserburg eine „freche Aussage“. Ein verlorenes Schuljahr sei es nicht zwingend, räumt er im Gespräch mit wasserburg24.de ein, doch der Druck und die Leistungserwartung der Schüler seien dermaßen hoch angesetzt und „ziemlich happig“. Man habe gehofft, das Ministerium käme den Schülern mehr entgegen.

Individuell angepasste Verbesserungen je Schule und Jahrgang

Stellt das Ministerium wirklich keine Besserung in Aussicht? „Doch“, stellt ein Sprecher des Kultusministeriums auf Nachfrage klar. Man käme den Schülern bezüglich Leistungsnachweisen und Anpassung des Notenschlüssels durchaus entgegen: „Die Regelungen zur Notengebung wurden und werden auch weiterhin stets situationsbezogen auf die aktuellen Begebenheiten und Einschränkungen des Schulbetriebs an den jeweiligen Schularten angepasst. Zu Anzahl und Art der Leistungsnachweise enthalten die Schulordnungen zum Teil konkrete Vorgaben, die – soweit erforderlich – pandemiebedingt bereits reduziert wurden.“ 

Aufgrund der Einschränkungen im laufenden Schuljahr habe man beim Übertrittsverfahren auf weiterführende Schulen in der Grundschule mehrere Anpassungen und Erleichterungen vorgenommen: Die Anzahl der Proben in den Fächern Deutsch, Mathematik und Heimat- und Sachunterricht der Jahrgangsstufe 4 der Grundschule seien auf maximal insgesamt 14 Probearbeiten reduziert worden. Bei dieser Zahl handele es sich um eine Richtzahl, die situationsbedingt auch deutlich unterschritten werden könne. Um die Schüler sämtlicher Jahrgangsstufen der Grundschule noch weiter zu entlasten, sei zudem die Höchstzahl der schriftlichen Proben pro Woche von bisher zwei auf maximal eine minimiert worden.

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Weniger Leistungsnachweise für Realschüler und Gymnasiasten

Für die Realschule gelte eine verbindliche Reduzierung der Anzahl der großen Leistungsnachweise um eine Schulaufgabe je Fach, auch bei Fächern mit nur zwei Schulaufgaben pro Schuljahr, sowie eine verbindliche Reduzierung der kleinen Leistungsnachweise im zweiten Halbjahr um einen Leistungsnachweis je Fach. Schüler, die der Meinung seien, der Notenstand entspreche nicht ihrem Leistungsvermögen, würden zudem die Möglichkeit zu einem zusätzlichen freiwilligen Leistungsnachweis erhalten. Ähnliche Regelungen gelten für die Jahrgangsstufe 5 bis 10 des Gymnasiums.

Die Art und die Zahl der Leistungsnachweise in allen Jahrgangsstufen der Mittelschule hingegen sei generell nicht vorgegeben. Die Lehrkräfte würden hier verantwortungsvoll und mit Blick auf ihre Schüler nach pädagogischem Ermessen entscheiden.

Angepasste Begebenheiten an besonders von der Pandemie betroffenen Schulstandorten

In der Q11 des Gymnasiums sowie der 11. Jahrgangsstufe der Fachoberschule müsse in den Schulaufgabenfächern im ganzen Schuljahr anstelle von zwei Schulaufgaben nur noch eine Schulaufgabe geschrieben werden. Das Ministerium erklärt hierzu: „Wurde diese Schulaufgabe bereits geschrieben, ist im zweiten Halbjahr keine weitere Schulaufgabe mehr zu erbringen. Die im gesamten Schuljahr 2020/21 erbrachten Leistungen können als Ergebnis für das erste wie für das zweite Schulhalbjahr gewertet werden.“

„Sollten Schüler der Meinung sein, ihr bisheriger Notenstand aus den bereits erbrachten Leistungsnachweisen in diesem Schuljahr entspreche nicht ihrem Leistungsvermögen, greifen flexible Alternativlösungen wie eine Günstigerprüfung zur Notenverbesserung am Gymnasium oder eine Ersatzprüfung an der FOS. Die Regelungen für die 11. Jahrgangsstufe der FOS gelten auch für die Vorklassen an FOSBOS, die für Q11 am Gymnasium entsprechend auch für Abendgymnasien und Kolleg.“

Für den Abiturjahrgang (Q12 des Gymnasiums, Jahrgangsstufe III am Abendgymnasium und Kolleg sowie Jahrgangsstufen 12 und 13 der FOSBOS), der bereits seit 1. Februar meist im Wechselunterricht zurück an den Schulen ist, habe man die Prüfungstermine frühzeitig zur Gewinnung von mehr Lern- und Unterrichtszeit verschoben und die Zahl der Schulaufgaben im zweiten Halbjahr reduziert.

Klausuren finden am Gymnasium nur noch in den schriftlichen Abiturfächern statt“, heißt es weiter. „Für die 12. und 13. Klasse der FOSBOS wurden die Vorgaben für die sonstigen Leistungen wie Kurzarbeiten, Stegreifaufgaben oder mündliche Leistungen ebenfalls flexibilisiert durch die Reduktion auf mindestens zwei mündliche Leistungen im Schulhalbjahr, um den Begebenheiten an besonders von der Pandemie betroffenen Schulstandorten gerecht werden zu können.“

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Wie können Defizite aus dem Corona-Schuljahr bei den Schülern wieder aufgeholt werden?

Das Corona-Schuljahr wird begleitet von ständigen Öffnungen und Wiederschließungen. Dass dies nicht spurlos an den Schülern vorbeigeht, sieht auch der Laufener Schulleiter Johannes Kumeth, der vor Defiziten bei den Schülern warnt. Dieser Entwicklung möchte das Ministerium gezielt entgegenwirken: Nach langen Phasen des Distanzunterrichts gelte es, jeden Schüler bei der Rückkehr an die Schule individuell in den Blick zu nehmen - sowohl in Bezug auf Lernrückstände als auch auf gegebenenfalls erlebte psychosoziale Belastungen beim Lernen zu Hause.

Zur individuellen oder gruppenbezogenen fachlichen Förderung gebe es seit Beginn des Schuljahres 2020/21 Brücken- und Förderangebote, betont der Sprecher: „Ziel der Brückenangebote ist es, pandemiebedingte Lernrückstände aufzuholen, die zum Beispiel infolge von Quarantäneanordnungen entstanden sind.“ Die konkrete Ausgestaltung liege dabei in der Verantwortung der einzelnen Schulen.

Unterstützung von Schulpsychologen und Beratungslehrkräften

„Die Brückenangebote an allen Schularten werden insbesondere in den Kernfächern, vor allem in Deutsch, Mathematik, Englisch und den Fremdsprachen angeboten. Sie richten sich in besonderer Weise an Schüler, die pandemiebedingt ‚auf Probe‘ in das aktuelle Schuljahr vorgerückt sind und entsprechende Lücken aufweisen“, erläutert der Ministeriumssprecher. Im Fokus stehe die Vermittlung der Kompetenzen und Inhalte, die für den Wissensaufbau im jeweiligen Fach und die Anschlussfähigkeit an die nächsthöheren Jahrgangsstufen von zentraler Bedeutung seien.

Die Brückenkurse werden von den Schulen vor Ort „je nach Bedarf passgenau ausgestaltet und bedarfsorientiert entsprechend der Rahmenbedingungen vor Ort angeboten“. Für die individuelle Beratung und Unterstützung besonders bei psychosozialen Belastungen in Einzelfällen stehen außerdem Schulpsychologen und Beratungslehrkräfte sowie deren Ansprechpartner außerhalb der Schule zur Verfügung - daneben an einigen Schularten auch die Fachkräfte der Jugendsozialarbeit an Schulen.

Anlässlich der Kinder- und Jugendkonferenz am 8. März sei darüber hinaus ein umfassendes Unterstützungskonzept für die Schulen vereinbart worden, dessen Ziel eine deutliche Ausweitung der Unterstützungsangebote – sowohl unterrichtsbegleitend - sprich während der Schulzeit am Nachmittag - als auch unterrichtsergänzend wie beispielsweise in den Ferien mit „Intensivkursen“ - sei. Auch die bewährten freizeitorientierten Angebote des Bayerischen Jugendrings (BJR) werden wieder aufgelegt.

mb

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