Zwischenzeugnis nicht für alle

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Nicht alle Schüler kommen mit einem Zwischenzeugnis heim
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Der Zeugnistag ist da. Die Zwischenzeugnisse werden verteilt. Doch nicht überall kommen die Schüler mit dem traditionellen Papier nach Hause.

Wer mehrere Schulkinder zuhause hat, erlebte oft den Zeugnistag gleich. Die Schüler winkten mit dem Leistungsnachweis zur Haustüre hinein.

Auch wenn die

Noten mal nicht die Besten waren, im

Bemerkungstext standen doch immerhin auch angenehme Sachen: „Die freundliche Schülerin war stets hilfsbereit“. „Mit Lerneifer bei der Sache“.

Für manche Eltern und auch Schüler waren es genau diese Worte, die das Zeugnis so wertvoll machten.

In einigen Realschulen der Region gibt es das Zwischenzeugnis jedoch nicht mehr. Es wurde „weggekürzt“! Dies mag gute Gründe haben – doch es irritiert manche auch.

Stirbt ein Klassiker aus?

Von einigen Realschulen kamen Erklärungen, die nur Positives mit dem Wegfall der Zeugnisse zum Halbjahr verbinden: „Anstelle der Zwischenzeugnisse werden sowohl im November als auch im April Notenbögen ausgegeben, die alle bislang erarbeiteten Noten aus Stegreifaufgaben und Schulaufgaben auflisten“, erklärt ein Direktor die neue Situation. So hätten die Eltern eine regelmäßigere Information, ob die Leistungen des Kindes für ein Vorrücken in die nächste Jahrgangsstufe ausreiche. Man könne besser auf schlechte Noten reagieren, heißt es weiter.

Viele Eltern sauer

Eine trockene Angelegenheit, wenn man ein kleines Stück Papier, nicht einmal im Format A5 in Händen hält und einem das eigene Kind erwartungsvoll anschaut. Viele Eltern finden das Streichen des Zwischenzeugnisses nicht vorteilhaft: „Die Noten meiner Tochter kenne ich doch eh. Sie kommt mit den Noten heim, ich unterschreibe jede Art von Test und so weiß ich ohnehin, welche Noten ins Haus flattern oder wie meine Tochter steht, wo es noch hapert“. Viel wichtiger sei es den meisten Eltern, dass sie einen Einblick in das Sozialverhalten ihres Kindes bekommen.

Eltern vermissen Zwischenzeugnis

Eine Mutter ist extrem enttäuscht und zeigt kein Verständnis dafür, dass es das Zwischenzeugnis in vielen Jahrgangsstufen der Realschulen nicht mehr gibt: „Da machen es sich die Schulen ja wirklich einfach. Der einzelne Schüler muss menschlich also gar nicht mehr beurteilt werden. Ich möchte wissen, wie sich mein Kind in der Schule verhält, ob es sich bemüht, ob es sich korrekt gibt, auf menschliche Art. Die reinen Notenauszüge sind Schwachsinn. Hier kommt mir nichts Neues ins Haus. Die Bemerkungen beim Zeugnis haben mir gezeigt, wie sich mein Kind in der schulischen Gemeinschaft sozial verhält. Das war wichtig für mich“.

Ein anderer Vorwurf kommt von einem Vater, der von einer eingeführten Anonymität an den Realschulen spricht. Der Schüler werde nur noch anhand der abgerufenen Leistungen bewertet, das Menschliche sterbe aus.

Alles hat Vor- und Nachteile

Nicht ganz so dramatisch sieht es der Ministerialbeauftragte für die Realschulen in Oberbayern Ost, Wilhelm Kürzeder: „Natürlich werden auch weiterhin die Eltern zum Halbjahr darüber informiert, ob ihr Kind gefährdet ist, das Klassenziel nicht zu erreichen. Der Vorteil der Leitungsstands-Nachweise ist der Einblick in die individuellen Noten des Kindes. Jede Realschule kann beschließen, ob das Zwischenzeugnis ersetzt werden soll. Dies funktioniert allerdings nur in den Jahrgangsstufen 5-8. In der Neunten Klasse ist es einfach so, dass sich die Schülerinnen und Schüler damit oftmals ja bewerben. Die Arbeitgeber verlangen ein Zwischenzeugnis. Somit bekommen die Neunt- und Zehntklässler in jedem Fall ein Zeugnis zum Halbjahr“. Schon seit einigen Jahren sei ein Ersetzen der Zwischenzeugnisse durch Leistungsberichte möglich. Er persönlich habe diese veränderte Form der Beurteilung während seiner Zeit als Rektor in der Realschule Haag jedoch nicht eingeführt, so Kürzeder weiter. Für ihn kam die Einführung der Leistungsstands-Berichte nicht in Frage. Er sah die Bemerkung beim Zeugnis immer als eine ganz wichtige Möglichkeit, den Schüler zu beurteilen. Er gehe nach wie vor davon aus, dass Eltern die Noten ihrer Kinder weitgehend kennen. Doch wie sich der Schüler von seinem Sozial- und Arbeitsverhalten her zeigt, erläutere eben die Beurteilung außerhalb des Notenbereichs, so der Ministerialbeauftragte mit Sitz in Wasserburg: „Wir Eltern nehmen unsere Kinder zuhause oft ganz anders wahr, da ist es für viele ganz wichtig, dass die menschliche Komponente nicht zu kurz kommt“. Dennoch sei es eine Entscheidung, die der jeweilige Rektor treffen könne. Beide Versionen haben nach Meinung von Wilhelm Kürzeder Charme.

Auch er nimmt an, dass Eltern die Noten ihrer Schützlinge beobachten. Es gäbe auch die kombinierte Form, erläutert der Ministerialbeauftragte weiter. Manche Schulen geben einen Leistungsnachweisbericht aus, der im November und April gemacht werde, und behalten dennoch auch das Zwischenzeugnis bei.

Nicht alle verbannen das Dokument

Eine Schule in der Region ist sogar wieder zum klassischen Zwischenzeugnis zurückgekehrt. Hier habe man den Dokumenten-Charakter des Zeugnisses plötzlich sehr vermisst, heißt es.

Denn zugegeben, es ist etwas anderes, ob einem ein Zettel mit Noten in die Hand gedrückt wird, oder das traditionelle Zwischenzeugnis. Der Zeugnistag hatte eben was Besonderes. Der Lauf der Zeit verändert aber wohl so manche Tradition.

Quelle: rosenheim24.de

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