Willi Ernst begeistert Generationen

Meerjungfrauen und Wassergeister in der Altstadt

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Tolle Infos rund um den Wasserburger Künstler Willi Ernst liefert die Ausstellung samt Rahmenprogramm im Heimatmuseum.

Wasserburg - Während auch in der Stadt am Inn alle nur vom kühlen Nass träumen, hat sich das Museum Wasserburg mit einem ganz besonderen Objekt beschäftigt: dem Brunnen vor der Anton-Heilingbrunner-Realschule.

Eine Meerjungfrau, ein Wassermann, Fische, Wasserpflanzen und ein Pferd mit Fischschwanz, ein sogenannter Hippokamp, zieren den Ring des Brunnens. Im Jahr 2013 wurden dem Museum Wasserburg über 50 Entwurfsmodelle aus dem Nachlass des Künstlers Willi Ernst übereignet. Nach ihrer Aufnahme in den Museumsbestand bilden sie in diesem Jahr die Grundlage für die Ausstellung „Willi Ernst. Ein Wasserburger Künstler.“ Unter ihnen befindet sich auch ein Modell für den Ring des Brunnens. Willi Ernst begann im Jahr 1970 mit der Arbeit an dem Bronzering. 1972 konnte der auf eine Säule aus Nagelfluh montierte, mit Wasserausläufen versehene Brunnenring erstmals in Betrieb gesetzt werden. Bis heute hat er seinen Platz vor der Schule inne. Bevor Willi Ernst mit der Arbeit an der in Auftrag gegebenen Bronze begann, fertigte er Entwurfsmodelle aus Gips an. Wie andere Bildhauer benutzte auch er das leicht zu bearbeitende Material, um seine künstlerischen Ideen zu visualisieren. Das Modell im Besitz des Museums hat einen Durchmesser von 33 Zentimetern, während der Originalring einen Durchmesser von 1,62 Metern aufweist. Die Gestaltungselemente und die Darstellung der Figuren sind bei beiden Ringen jedoch nahezu identisch. Für eine lange Aufbewahrung oder gar eine Ausstellung war das Gipsmodell nicht bestimmt. Es diente lediglich als Entwurf für die Arbeit an dem eigentlichen Kunstwerk. Mit der Zeit haben sich von dem unter dem Gips liegenden Metallgestell Rostspuren auf der Oberfläche des Ringes ausgebreitet. Auch wenn die Objekte aus Gips wegen ihrer Fragilität eine Herausforderung für das Museum bedeuten, gewähren sie einen besonderen Einblick in die Arbeitsweise des Bildhauers.

Willi Ernst wurde 1909 in Wasserburg geboren und arbeitete seit 1951 als freier Bildhauer in seiner Heimatstadt. Er erhielt hauptsächlich Aufträge für Skulpturen, Brunnen und Reliefs, in denen religiöse Themen aufgegriffen wurden. Seine meist in Kalkstein, Holz oder Nagelfluh gearbeiteten Figuren scheinen oft eine ruhige Gelassenheit auszustrahlen. Gefühlsregungen kann der Betrachter nur andeutungsweise in ihren Gesichtszügen erkennen. Der Bronzering unterscheidet sich somit von anderen Werken des Bildhauers. Willi Ernst gestaltete hier eine mystische Unterwasserwelt, in der Meerjungfrauen leben und Menschen auf großen Fischen reiten können. Die Gesichter der Meerjungfrau und des Wassermannes sind bestimmt durch ihre weit aufgerissenen Augen und offenen Münder. In den erhobenen Händen hält die Meerjungfrau ihr eigenes, langes Haar, der Wassermann Fische und eine Meeresschnecke. Beide Figuren haben einen nackten Oberkörper, ein auf einem Fisch reitender Junge ist nackt. Nach seinem Abitur absolvierte er eine Lehre bei dem Steinmetz Anton Woger senior, bei dem auch dessen Sohn Anton kurz zuvor in die Lehre gegangen war. Auch dieser wurde Bildhauer, lebte jedoch nach dem Zweiten Weltkrieg in Mayen in der Eifel, wo er eine Fachschule für Steinmetze leitete. Stets bestand eine große Ähnlichkeit zwischen den Werken der beiden geborenen Wasserburger. Im Jahr 1953 schuf Anton Woger ein Wasserbecken für den Kurpark des in der Eifel gelegenen Bad Bertrich. In das runde Becken aus Muschelkalkstein arbeitete er ein Relief, auf dem Fische und Meereswesen dargestellt sind. Eine Meerjungfrau hält dort, ebenso wie bei Willi Ernst, mit beiden Händen ihre eigenen Haare. Auch ein Hippokamp ist zu sehen. Vielleicht kannten beide Künstler das Motiv bereits aus ihrer gemeinsamen Lehrzeit in Wasserburg.Das Modell für den Ring des Brunnens an der Anton-Heilingbrunner-Realschule ist gemeinsam mit anderen Modellen und Originalen von Willi Ernst noch bis zum 18. Oktober in der Ausstellung „Willi Ernst. Ein Wasserburger Künstler“ im Museum Wasserburg zu sehen. Mehr über die Arbeiten des Künstlers kann man in der begleitend zur Ausstellung erschienenen Publikation lesen, die für 3,50 Euro im Museum Wasserburg verkauft wird.

Pressemitteilung Juliane Günther, Museum Wasserburg

Quelle: rosenheim24.de

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