Polizei als Facebook-Freund?

Gibt es bald eine Online-Polizeiwache?

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Was steckt hinter dem Modellversuch des Polizeipräsidium München und des Facebook-Accounts? Kommt es womöglich sogar zu einer Online-Wache?
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Landkreis - Soll die Polizei einen Account auf Facebook und Twitter haben? Die Meinungen darüber gehen auseinander. Ein Modellversuch in München soll klären, ob es dadurch eine bessere Kommunikation zu den Bürgern gibt.

Die Polizei als „Facebook-Freund“ und Helfer? Der klassische Slogan ist möglicherweise im Wandel. Steht uns in Bayern eine Online-Polizeiwache bevor?

Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd hat aktuell und auch in nächster Zukunft kein Ansinnen, einen Facebook- oder Twitter-Account zu eröffnen. „Wir könnten aber auch mit solch einem Facebook-Account dann nicht einfach online auf Verbrechersuche gehen, wir sind doch keine Cybercops“ erklärt Stefan Sonntag auf Anfrage. Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd bleibe auf dem klassischen Wege weiter erreichbar und sei auf Hinweise durch die Bevölkerung durch persönliches Vorsprechen in den Inspektionen angewiesen, heißt es von Sonntag weiter.

Pilotprojekt in der Landeshauptstadt

Während sich das Polizeipräsidium Oberbayern Süd aktuell klar gegen einen eigenen Facebook-Account ausspricht, blicken viele Facebook-User interessiert nach München. „Wir befinden uns seit September in einem Modellversuch und haben nach gut drei Monaten schon mehr als fünf Tausend Fans“ erklärt Wolfgang Behr vom Polizeipräsidium München im Gespräch mit wasserburg24.de.

Sowohl auf Twitter als auch auf Facebook habe man im Herbst einen Account eröffnet, heißt es aus dem Münchener Polizeipräsidium weiter. Veröffentlicht werden Pressemeldungen und auch allgemeine Informationen.

Dient es möglicherweise auch der besseren Kontrolle, ob sich via Facebook und Twitter möglicherweise Hinweise auf Straftaten ergeben? „Nein, natürlich nicht“ betont Behr. „Wir wollen weder hier auf Spurensuche gehen, noch Facebook-Nutzer kontrollieren, sondern sehen durch den Account eine Möglichkeit, mit Bürgern in Kontakt zu treten, und interessierten Bürgern Informationen zur Verfügung zu stellen, die die Öffentlichkeit erhalten darf“, so Behr auf Nachfrage.

Facebook und Twitter werde intensiv genutzt, mehrere Millionen User haben sich registriert, darum werde in dem Modellversuch ausprobiert, ob die Polizei diese beliebte Kommunikationsplattform zugunsten einer besseren Kommunikation mit den Bürgern positiv voranbringe, heißt es aus dem Polizeipräsidium München. „Wenn Einschätzungen zufolge gut ein Drittel der Bundesbürger Facebook als Medium nutzt, darf sich die Polizei nicht verschließen und sollte den Bürgern Informationen über diesen Verbreitungsweg zur Verfügung stellen“ zeigt sich Wolfgang Behr überzeugt. „Wir nutzen Facebook und Twitter als Kommunikationskanal“ so Behr.

Positiver Nebeneffekt?

Kann ein Bürgerhinweis via Facebook an die Polizei übermittelt werden?

Oder nutzt die Polizei möglicherweise den Nebeneffekt, jetzt mehr ein Auge auf öffentliche User-Aussagen oder Beleidigungen haben zu können? „Ganz klar Nein“ erklärt Wolfgang Behr mehrmals.

Ein Hinweis auf dem Titelbild des Accounts des Polizeipräsidium München verdeutliche, dass man keine Anzeigen über Facebook, etwa über PN’s, erstatten könne. „Das hat erstens datenschutzrechtliche Gründe, außerdem gibt es in Bayern einfach keine Online-Wachen“, erklärt Behr auf Nachfrage.

Es bleibe auch weiterhin bei allen Anliegen der Gang zur Polizeiinspektion, hier werden Anzeigen wie gewohnt aufgenommen, zudem gelte der klassische Postweg und Briefwechsel als Möglichkeit für Anliegenbearbeitung, betont Behr. „Hier bleibt es beim traditionellen Weg“.

Von den vielen verschiedenen sozialen Medien die es gibt, habe man sich zunächst auf Facebook und Twitter geeinigt, heißt es aus dem Polizeipräsidium München weiter. Start des Modellversuchs war der 15. September, das erste Fazit nach den drei Monaten sei durchwegs positiv zu bewerten.

In 1 Jahr wird resümiert

Im Gespräch mit wasserburg24.de erklärt Wolfgang Behr, dass diese Testphase des Facebook- und Twitter-Accounts für das Polizeipräsidium München für ein Jahr angesetzt sei. „Danach wird es ein Fazit geben, ob wir das weiter machen sollen, wie erfolgreich die Kommunikation erweitert werden konnte“, so Wolfgang Behr. „Momentan können wir aber schon feststellen, dass es sehr gut angenommen wird von den Bürgern, die Fans, die unseren Accounts folgen, werden täglich mehr“ zeigt sich Behr erfreut.

Eines möchte er jedoch klar deutlich machen: Die Account-Namen auf Facebook sind frei wählbar, daher sei der Account des Polizeipräsidium München auch unter selbigem Account-Namen zu finden.

„Wir haben beispielsweise gar nichts mit dem Account Polizei München zu tun“, erklärt Wolfgang Behr. „Wie so oft im Leben – es ist nicht überall Polizei drin, was sich äußerlich so nennt“.

Quelle: rosenheim24.de

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