Kultusministerium verteidigt Öffnungs-Konzept an Schulen

Diverse Unterrichtsformen, Verstärkerbusse, Selbsttests - Was hat sich nach einem Jahr Corona verbessert?

Trotz steigender Inzidenzen öffnen in Bayern die Schulen - mit vereinzelten Sonderregelungen in Abhängigkeit der Inzidenzen. Viele Eltern sind verärgert ob des ewigen Hin und Her mit Öffnungen und Wiederschließungen von Schulen und Kitas. Das Kultusministerium bezieht Stellung.

Wasserburg/Landkreise - Besonders das Elternbündnis Wasserburg kämpft seit der Pandemie für mehr Sicherheit und Schutzkonzepte für die Kinder in den Schulen und auch den Bussen. Die Regierung erlässt immer neue Vorgaben und Konzepte - und doch fühlen sich die Eltern und auch die Schüler häufig im Stich gelassen und fragen sich, was sich nach einem Jahr Leben mit dem Virus überhaupt getan hat. Viele Fragen bleiben offen.

Das Kultusministerium sei bemüht, wie ein Regierungsssprecher auf Nachfrage von wasserburg24.de offenbart: „Auch in den Phasen des Distanzunterrichts fand und findet in ganz Bayern geregelter Schulbetrieb statt. Ungeachtet dessen sollte dennoch aufgrund des persönlichen Kontakts zwischen Schülern und Lehrkräften möglichst viel Präsenzunterricht stattfinden, sofern dies aus Sicht des Infektionsschutzes vertretbar ist.“

„Keine überdurchschnittlich hohen Infektionszahlen an Schulen“

Zum 15. März seien „weitreichende Öffnungsschritte“ in Kraft getreten, die gemäß der Infektionsschutzmaßnahmenverordnung von der Sieben-Tage-Inzidenz abhängen. Die Abschlussklassen aller Schularten befinden sich dauerhaft im Präsenzunterricht - unter strengen Hygieneregeln und Infektionsschutzvorgaben. „Hinweise auf überdurchschnittlich hohe Infektionszahlen an Schulen liegen uns nicht vor“, gibt der Sprecher Entwarnung.

„Um den Schulbetrieb noch sicherer zu machen, werden für Lehrkräfte und Schüler Selbsttests zur Verfügung gestellt. Lehrer sollen sich zweimal, Schüler einmal pro Woche testen. Die bisherige Beschränkung auf Schüler über 15 Jahre wird aufgehoben, so dass allen ein entsprechendes Selbsttest-Angebot gemacht werden kann.“

Sonderregelungen für faire Bedingungen der Schüler

„Wir haben die Situation, auch die der besonders betroffenen Landkreise, im Blick und können sehr gut verstehen, dass man sich in den von hohen Inzidenzwerten betroffenen Regionen Ostbayerns ganz besonders für die jüngsten Schüler, denen die Schule und das soziale Miteinander sicherlich besonders fehlen, nach mehr Präsenzunterricht sehnt“, räumt der Sprecher des Kultusministeriums ein.

Die Umsetzung von zusätzlichen und freiwilligen Präsenz-Angeboten sei immer abhängig von der Entwicklung des Infektionsgeschehens vor Ort und der Gewährleistung strenger Hygieneauflagen. Dazu befinde man sich in regem Austausch mit den Landkreisen, Schulen und den Gesundheitsbehörden. Zudem seien bereits zahlreiche schulrechtliche Sonderregelungen erlassen worden, um für die Schüler faire Bedingungen zu schaffen. Diese Regelungen ließen Spielraum zu, um der Situation in den Landkreisen gerecht zu werden, in denen Klassen schon besonders lange im Distanzunterricht seien.

Stetiger Austausch mit allen an der Schulbildung Beteiligten

Das Gefühl vieler Eltern, es bessere sich seit Monaten nichts, könne man indes nicht teilen: „Das Kultusministerium ist im ständigen direkten Austausch mit der Schulfamilie, um die durchaus zum Teil unterschiedlichen Sichtweisen von Eltern, Schülern, Lehrkräften, Schulleitungen, Kommunen unmittelbar zu erfahren und diese in Entscheidungsprozesse einzubeziehen.“

Dabei stelle die „leider sehr dynamische und meist nicht langfristig vorhersehbare Entwicklung des Infektionsgeschehens alle Beteiligten vor große und vor allem oft kurzfristig zu bewältigende Herausforderungen“. Kultusminister Piazolo und Staatssekretärin Stolz seien in Bezug auf die Corona-Pandemie seit Monaten im persönlichen und kontinuierlichen Dialog mit den entsprechenden Vertretern der verschiedenen Schularten. Auch über die Schulaufsicht vor Ort sei das Kultusministerium „nah dran“ an den Problemen, mit denen die Schulen in der Corona-Pandemie derzeit konfrontiert seien.

Strikte Regeln und Maskenpflicht beim Sportunterricht

Sportunterricht und weitere schulische Sport- und Bewegungsangebote können bereits durchgeführt werden, heißt es weiter aus dem Ministerium. Folgende Punkte aber seien dabei zu beachten:

  • Sportunterricht findet unter den allgemeinen Rahmenbedingungen des Rahmenhygieneplans, also mit Mund-Nasen-Bedeckung (MNB), statt. Der Auswahl geeigneter Unterrichtsinhalte bei der Sportausübung mit MNB legen den Fokus insbesondere auf eine geeignete Pausengestaltung sowie keine hochintensiven Dauerbelastungen.
  • Sportausübung im Freien ist zu bevorzugen, soweit die Witterungsbedingungen dies erlauben. Im Freien ist eine Sportausübung ohne MNB möglich, soweit der Mindestabstand von 1,5 Metern unter allen Beteiligten eingehalten werden kann.
  • Soweit im Rahmen von Abschlussprüfungen Leistungsnachweise erforderlich sind, kann zur Vorbereitung und Durchführung von Leistungserhebungen im Fach Sport auch im Innenbereich auf das Tragen einer MNB verzichtet werden, wenn der Mindestabstand von 1,5 m unter allen Beteiligten eingehalten werden kann.
  • Sportausübung mit Körperkontakt sollte derzeit auch in festen Trainingsgruppen unterbleiben.

Abstands- und Schutzkonzepte in überfüllten Schulbussen

Abschließend steht noch die Frage der Schülerbeförderung als kommunale Pflichtaufgabe in häufig überfüllten Bussen im Raum: Zuständig für die Grund-, Mittel- und Förderschulen seien hier laut Ministerium die Sachaufwandsträger der Schulen. Für die anderen öffentlichen und staatlich anerkannten Schulen stünden die Landkreise und kreisfreien Städte in der Verantwortung. In erster Linie seien öffentliche Verkehrsmittel zu verwenden.

Mit Blick auf die aktuelle pandemiebedingte Ausnahmesituation fördere die Bayerische Staatsregierung ein erhöhtes Platzangebot im Schülerverkehr, um die Gefahr einer Ansteckung mit dem Corona-Virus auf dem Schulweg zu minimieren. Um das Platzangebot vor allem in den Schulbussen und damit die Abstände zu erhöhen, habe die Staatsregierung den Schulen und deren Aufgabenträgern mehrfach empfohlen, Schulbeginn und Unterrichtszeiten wo möglich zu entzerren. Über die Umsetzung entscheiden die Schulen vor Ort, die die Unterrichtszeit im Benehmen mit dem Aufgabenträger für die Schülerbeförderung und dem Schulforum festsetzen.

Verstärkerbusse: Staatliche Finanzierung zu 100 Prozent bis zu den Osterferien

„Wenn vom Freistaat geförderte Verstärkerbusse eingesetzt werden, werden die Kommunen bei der Förderung dazu verpflichtet, eine mögliche Entzerrung des Unterrichtbeginns gemeinsam mit den kommunalen Aufgabenträgern des allgemeinen öffentlichen Personennahverkehrs zu prüfen.

Zusätzliche Verstärkerbusse können ein wichtiges Mittel sein, das Infektionsrisiko der Fahrgäste sowie der Schüler effektiv zu reduzieren“, erklärt der Sprecher zum Schluss. Die Bayerische Staatsregierung habe daher beschlossen, zunächst bis zu den Osterferien 100 Prozent der Kosten für Verstärkerfahrten im Schülerverkehr zu übernehmen.

mb

 

 

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Ronny Hartmann

Kommentare