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Vorreiterrolle in Bayern

Denkmalschutz und Klimaschutz: Wie geht das zusammen? Wasserburg wird Modellstadt in Bayern

Die Altstadt in der Innschleife steht unter Ensembleschutz: Trotzdem will Wasserburg beweisen, dass sich regenerativen Energie realisieren lassen.
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Die Altstadt in der Innschleife steht unter Ensembleschutz: Trotzdem will Wasserburg beweisen, dass sich regenerativen Energie realisieren lassen.

Eine Photovoltaikanlage auf einem Dach aus dem Mittelalter? Denkmal- und Klimaschutz scheinen unvereinbar zu sein. Doch Wasserburg will beweisen, dass es geht. Die Kommune wird Modellstadt und will in dieser Rolle zeigen, dass in einer Altstadt Anlagen für regenerative Energien möglich sind.

Wasserburg – Ein Bürgerworkshop hat dem Bauaussschuss des Stadtrates Mut gemacht, diesen Weg über ein bayernweit einmaliges Pilotprojekt zu gehen. Denn die Teilnehmer zeigten sich bereit, den Spagat zu schaffen: Die beteiligten Bürger wollen das unverwechselbare Bild der Altstadt und ihren Charme bewahren – und trotzdem etwas für den Klimaschutz tun, das heißt: neue „grüne“ Energieanlagen installieren.

Wunsch: Ein Handbuch mit Positivbeispielen

Das galt bisher oft als unrealisierbar, denn die gesamte Altstadt steht unter Ensembleschutz. Die Möglichkeiten, Solaranlagen auf den Dächern zu installieren, oder Blockheizkraftwerke zu integrieren, sind eher gering. Außerdem ergab der Workshop mit den Bürgern laut Professor Georg Sahner, der das Arbeitstreffen leitete und ausgewertet hat, dass viele Wasserburger mit der Gestaltungssatzung für die Altstadt nicht zurechtkommen.

„Wer liest schon gerne einen juristischen Text“, zeigte Bürgermeister Michael Kölbl (SPD) Verständnis. Die Bürger wünschen nach Angaben von Sahner eine Fibel mit bildhaften Darstellungen von Positivbeispielen – „was Konkretes an die Hand“, das nicht nur zeigt, was die Eigentümer von Denkmälern in der Altstadt nicht dürfen, sondern auch, was sie dürfen. Sogennannte „Best-Practice-Beispiele“ also, die Mut machen. Der Wunsch, das historische Gebäude zu bewahren, sei tief verankert, so der Workshopleiter, doch viele Bürger würden auch ebenso intensiv um eine Lösung für die Integration von Photovoltaik- und Solaranlagen ringen. Auch größere Module auf den Dächern seien ein Anliegen. Sogar Quartiersnetze für die Nahwärmeversorgung von kleineren Gebäudegruppen ständen auf der Wunschliste. Die Bürger würden Mustermodellanlagen, Handbücher und Beratung durch Fachleute fordern.

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Die Gestaltungssatzung der Stadt lässt jedoch nur einen sehr engen Handlungsraum übrig. Solaranlage dürfen von Aussichtspunkten oder vom Straßenraum aus beispielsweise in der Altstadt nicht zu sehen sein. Es gibt Auflagen zur Anordnung und Neigung von Modulen und zur Größe. Fazit laut Sahner: „Kaum ein Dach ist geeignet“.

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Das frustriert. Einige Bürger haben bereits feststellen müssen, dass ihre Vorstellungen nicht realisierbar sind. Deshalb setzt die Stadt jetzt auf eine neue Strategie: Sie will Musterlösungen erarbeiten, die Wege aufzeigen, wie es doch klappen kann mit PV-Anlagen, kleineren Nahwärmeversorgungen, Brennstoffzellen und Netzen. Bewusst riskiert die Stadt, dass diese Demonstrationsobjekte der Gestaltungssatzung widersprechen könnten. Daraus dürfen Bürger nicht automatisch ableiten, dass sie mit ähnlichen Vorhaben auch einen Anspruch auf Befreiung haben, stellte Stadtbaumeisterin Mechtild Herrmann im Bauausschuss auf Anfrage klar. Trotzdem kann es sein, dass dauerhaft die Satzung geändert wird. Geplant ist auf jeden Fall ein neuer Leitfaden als Handbuch für Verwaltung und Bürger, der Wege aufzeigt.

Aufruf an die Bürger: Wer will Pionier werden?

Diese Strategie wird vom Bayerischen Wirtschaftsministerium und vom Landesamt für Denkmalpflege unterstützt, teilten Kölbl und Herrmann mit. Wasserburg ist Modellstadt in Bayern und wird landesweit Pionierarbeit leisten, wie der Bürgermeister betonte.

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Die Stadt ruft Bürger, die regenerative Energieanlagen in der Altstadt realisieren möchten, auf, sich zu melden. Eine große Chance, wie Sahner betonte, denn: „Solche Vorhaben werden derzeit stark subventioniert.“