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Historisches Archivgutverzeichnis entdeckt

Schlaglicht auf die Vergangenheit des Stadtarchivs

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Wasserburg- Vor kurzem wurde im Stadtarchiv bei Erschließungsarbeiten ein historisches Inventarbuch entdeckt, das den Zustand des Archivs im Jahr 1644 dokumentiert.

Damit ist erstmals ein umfassender Blick in die Bestände und ihre Aufstellung möglich, die weiter zurückreicht als die aktuelle Ordnung, die aus dem 19. Jahrhundert stammt.

In den vergangenen Monaten wurden im Stadtarchiv verstärkt die Bestände des sogenannten „Alten Archivs“ erschlossen, die bis 2009 in zwei historischen Räumen im Rathaus lagerten.

Dabei kommt es gelegentlich zu Überraschungsfunden. So stieß Bearbeiter Christoph Nonnast im März auf ein Inventarbuch von 1644, das das damalige Archivgut und seine Aufstellung im Archivraum des Rathauses auflistet. Ergänzende Eintragungen reichen bis ins Jahr 1699. Damit wird erstmals ein umfassender Blick in eine frühere Ordnung des Bestands möglich, der 1832 komplett neu sortiert worden war. Von großer Bedeutung für das Stadtarchiv ist auch, dass nach Beendigung der Erschließungsarbeiten mithilfe dieses historischen Verzeichnisses geprüft werden kann, welche Archivgutverluste in den letzten dreieinhalb Jahrhunderten eingetreten sind.

Das Verzeichnis sollte einfachen Zugang zu den Archivalien bieten. Es listet die Inhalte der damals im Archiv vorhandenen Schränke („Cässten“)   Schublade für Schublade auf. Die Ordnung erfolgte nicht nach den abgebenden Stellen, sondern nach inhaltlichen Gesichtspunkten, wobei ansatzweise eine logische Aufstellung angestrebt wurde: der erste Schrank beinhaltete hauptsächlich die vom Rat geführte Verwaltung der Kirchen und Messstiftungen, der zweite die Verhältnisse der Stadt zu Nachbargemeinden und zur Obrigkeit in München, der dritte die beim Stadtgericht und der Stadtschreiberei anfallenden Schriftstücke und der letzte Finanzsachen, wobei diese Ordnung nicht streng eingehalten wurde.

So befanden sich im vierten Schrank zwischen zahlreichen Rechnungsbüchern auch die Beschlüsse der bayerischen Landtage. Darüber hinaus erlaubt das Werk noch einige spannende Einblicke in das frühere Archivwesen der Stadt. So beweist der einleitende Text, dass der Stadtschreiber für das Archiv zuständig war. Er hatte das Verzeichnis im Anschluss an eine vom Rat befohlene Überprüfung und Anpassung der früheren Ordnung erstellt, die er unter Aufsicht mehrerer Ratsmitglieder durchgeführt hatte.

Der Rat der Stadt wachte streng über sein Archiv: das Findbuch hält fest, der Archivraum sei „alzeit wolverschlossen und [würde] ohne beisein der hierzue auß dem löbl[ichen] Rathsmitl sonnderbahr Verordneten niemals geöffnet“ – schließlich lagen Unikate über die Rechte und Freiheiten der Stadt darin, deren Verlust unabsehbare Folgen haben konnte!

Auch die baulichen Gegebenheiten im erst 1618 neu eingerichteten Archivraum sind interessant: Es standen dort damals erst vier Schränke, heute sind es fünf. Diese scheinen noch keine offenen Fächer gehabt zu haben, sondern ausschließlich Schubladen. Darüber hinaus waren bereits zwei „NebenCässtl“ vorhanden, vielleicht Vorgänger der heutigen Aufbauten oberhalb der mannshohen Schränke.

Mit Blick auf erwarteten Zuwachs wurden einige Schubladen noch „lähr“ gelassen. Dennoch wuchs der Akten- und Urkundenbestand bis um 1800 so stark an, dass die Schränke mehrfach umgebaut und über ihnen zusätzliche Fächer angelegt wurden. Danach musste ein zweiter Raum für weiteres Archivgut eingerichtet werden. Im 20. Jahrhundert kamen auch noch der Dachboden des Heimathauses (heute Stadtmuseum) und weitere Räume dazu. Erst mit dem Neubau eines eigenen Archivgebäudes am Kellerberg bis 2002 fanden die Provisorien wieder ein Ende und sämtliche Archivalien dort eine neue Heimat, darunter auch das jetzt wiederentdeckte Altverzeichnis.

Pressemeldung Museum Wasserburg

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