Altstadtbahn völlig unwirtschaftlich

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Natur statt Infrastruktur: Seit 1987 ist auf der Bahnstrecke zwischen Reitmehring und Altstadt kein Zug mehr gefahren. Alleine die Wiederherstellung der Gleistrasse, auf der inzwischen teils hohe Bäume wachsen, würde über zehn Millionen Euro kosten.

Wasserburg - Eine Reaktivierung der Bahnlinie Reitmehring-Wasserburg-Stadt wäre nicht annähernd wirtschaftlich. Das ist das eindeutige Ergebnis eines Gutachtens, das am Donnerstagabend im Stadtrat vorgestellt wurde.

Damit dürfte das letzte Kapitel der Bahnpläne eingeleitet sein.

Zwei Stunden lang erläuterten die Verkehrsplaner die Untersuchung und ihr Ergebnis. Das war aber nur der erste Schritt zur endgültigen Entscheidung des Stadtrates. Nach einer Vorberatung mit den Fraktionssprechern soll es noch mindestens eine Diskussionssitzung geben.

Denn die Entscheidung hat Tragweite: Seit dem Dammrutsch am 2. März 1987 ist kein Zug mehr auf der 4,4 Kilometer langen Strecke zwischen Reitmehring und Altstadt gefahren. Eine Stilllegung und Entwidmung der Strecke wäre wohl endgültig, die Chance, auch auf einer Schienenverbindung in die Wasserburger Altstadt fahren zu können, für alle Zeit vorbei.

Das Gutachten des von der Stadt beauftragten Verkehrsplanungsbüros Gevas wurde möglich, nachdem letztes Jahr im Verkehrsministerium eine Grundsatzentscheidung für die Strecke Wasserburg-Grafing gefallen war. Ein Stundentakt Richtung München mit Verdoppelung der Züge und eine Beschleunigung sind darin vorgesehen. Der Fahrplan würde auch Luft für eine Weiterfahrt bis zur Altstadt lassen.

Das war die Ausgangslage des Gutachtens, in dem Erik Meder von Gevas für die unterschiedlichsten Szenarien untersuchte, mit wie vielen Fahrgästen auf der Altstadt-Bahnlinie zu rechnen wäre. Das Ergebnis war ernüchternd: Zum einen sei es aufgrund der Fahrplanzwänge praktisch nicht möglich, Schüler zu befördern. Zum anderen würde eine Altstadtbahn weder für das Burgerfeld noch für die Burgau eine Verbesserung bringen, so die Fachleute. Fünf unterschiedliche Prognose-Verfahren brachten letztlich ein sehr ähnliches Ergebnis: zwischen 335 und 500 Fahrgäste pro Richtung jeden Werktag auf der Bahnlinie.

Dem stehen die Kosten für den Betrieb und vor allem die Wiederherstellung der Gleistrasse gegenüber. Und die würde 9,3 Millionen plus Mehrwertsteuer kosten. Das hatte die Untersuchung des Büro Zirl aus Bludenz ergeben. Die alte Schottertrasse müsste praktisch komplett entfernt und neu aufgebaut werden, da sie inzwischen in weiten Bereichen Wald ist, so Ingenieur Andreas Bauer. Außerdem seien entlang der Innleite neue Stützmauern und an der Abbruchstelle eine Brücke erforderlich.

Im letzten Schritt wurde dann nach einem vorgeschriebenen standardisierten Verfahren das Kosten/Nutzen-Verhältnis errechnet. Dabei wurden auch Bevölkerungs- und Verkehrs-Entwicklungen berücksichtigt, beides pro Bahn.

Das Ergebnis sorgte für betretenes Schweigen im Stadtrat: Ein Faktor von 1,0 wäre Schwellenwert für die Wirtschaftlichkeit. Erreicht wurde aber je nach Szenario - der Schülertransport wurde hier sogar eingerechnet - nur ein Faktor von 0,13 bis 0,21.

Weder der Gutachter, noch Bürgermeister oder Stadträte ließen sich zu einer spontanen Kommentierung dieses Ergebnisses verleiten. Klargestellt wurde aber, dass damit auch eine Bezuschussung in weite Ferne gerückt ist. Neben dem Faktor 1,0 seien dafür mindestens 2000 Fahrgäste pro Tag Voraussetzung, was man doch "recht deutlich" unterschreite, so Erik Meder.

Ein Signal für den Trend im Stadtrat könnten die Nachfragen der Stadträte sein, die sich mehr um die am Rande vorgestellte Berechnung für eine Radtrasse auf der alten Bahnstrecke drehten, als um die Reaktivierung. Ein solcher Radweg würde immerhin auch noch mindestens 1,5 Millionen Euro kosten.

Gefordert und auch versprochen wurde eine "größtmögliche Transparenz und Öffentlichkeit", wie es Werner Gartner (SPD) formulierte. So soll das Gutachten auch bei den kommenden Bürgerversammlungen ein Thema sein. Und das komplette Gutachten, das in seiner endgültigen Form noch gar nicht vorliegt, soll auch im Internet veröffentlicht werden.

koe/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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