Serie: Schlaf und seine Auswirkungen

Sekundenschlaf! Wer verschläft die Autofahrt?

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Sekundenschlaf ist gefährlich. Doch Unfälle zeigen: Es ist kein seltenes Phänomen.
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Landkreis – Keine Frage, Schlaf gehört zum Alltag. Geregelter Schlaf ist keine Besonderheit. Oder doch? Immer wieder kommt es vor, dass Unfälle wegen Sekundenschlafs passieren. Was steckt hinter dem Phänomen?

Michael Hübner zeigt sich immer noch sehr erschrocken. Der Vertriebsleiter eines großen Versicherungsunternehmens hatte einen Unfall wegen Sekundenschlaf. „Glücklicherweise gab es keine weiteren Beteiligten, ich bin an die Leitplanke gefahren, aber es hätte schlimm ausgehen können“ weiß der 46-Jährige.

In dieser Woche wollen wir dem Schlaf in unserer Serie etwas Zeit widmen. Welcher Schlaftyp sind Sie und welche Schlaftipps geben die Experten? Warum wird Schlaf zur Volkskrankheit in der Region? Heute nehmen wir den Sekundenschlaf unter die Lupe.

Den Grund für den Sekundenschlaf lässt er jetzt im Schlaflabor herausfinden. „Momentan möchte ich einfach wissen, ob ich nur übermüdet war, weil ich zu wenig schlafe und zu viel Stress habe, oder ob eventuell eine Krankheit dahintersteckt“ erzählt Michael Hübner. Er sei besorgt, dass gerade ihm so etwas passiert sei. „Darum will ich das jetzt abklären lassen“, so Hübner.

Hintergründe beleuchten

Dr. Cristina Bartos ist seit 14 Jahren zuständige Ärztin im Schlaflabor in Haag. Im Gespräch mit wasserburg24.de erklärt sie, dass der gefährliche Sekundenschlaf beim Autofahren mehrere Ursachen haben kann. „Oft stecken hinter dem Sekundenschlaf Krankheiten, wie etwa die Schlafapnoe. Menschen, die diese Krankheit haben, haben auch ein siebenfaches erhöhtes Risiko, einen Unfall durch Einschlafen beim Autofahren zu haben“, erklärt Bartos. Auch andere Ursachen können hinter einem Sekundenschlaf stecken, so die Expertin weiter. Übermüdung sei immer wieder Auslöser dafür, ebenso unregelmäßige Schlafzeiten oder der Konsum von Medikamenten, der zum Sekundenschlaf führen könne, berichtet die Medizinerin aus Haag.

Junge Menschen oft besonders gefährdet

Das Thema Schlaf geht nicht nur Menschen „mittleren oder hohen“ Alters etwas an.

Im Gespräch mit der erfahrenen Ärztin wird schnell klar: Junge Menschen neigen ebenso – wenn nicht sogar besonders – dazu, dem Sekundenschlaf zu verfallen. „Am Wochenende feiern viele junge Erwachsene, schlafen daher sehr unregelmäßig und ungenügend und gehören zur Risikogruppe in Bezug auf Sekundenschlaf während der Autofahrt“, zeigt Bartos auf.

Polizei sensibilisiert

Die Polizei warnt davor, sich übermüdet hinters Steuer eines Fahrzeugs zu setzen. „Ablenkung beim Führen eines Kraftfahrzeugs jeglicher Art, ist gefährlich“, erklärt Stefan Sonntag vom Polizeipräsidium.

Es würde oftmals 1 unachtsame Sekunde ausreichen, um bei beispielsweise 100 km/h eine beträchtliche Strecke ohne eigene Kontrolle zurückzulegen, warnt Sonntag. „Das Auto ist sozusagen führerlos unterwegs und dies kann verheerende Folgen haben“ heißt es aus dem Polizeipräsidium Oberbayern Süd.

Neben der Gefahr, die ein Sekundenschlaf im Straßenverkehr mit sich bringen könne, scheint auch die „Unsitte“, wie Stefan Sonntag es nennt, des Handykonsums während der Autofahrt stark zuzunehmen. „Wenn man sich als Fahrzeuglenker nicht auf den Verkehr konzentriert, entgehen dem Fahrer in dieser Zeit Dinge, die zu einem schrecklichen Unfall führen können“, berichtet Sonntag im Gespräch mit wasserburg24.de.

Es sei ein großes Problem, so Sonntag, darum gebe es auch empfindliche Strafen, wenn zum Beispiel ein Fahrer mit dem Handy am Steuer erwischt werde. „Wir sanktionieren hier rigoros, weil es einfach enorm gefährlich für den Fahrer selbst und andere Verkehrsteilnehmer ist“, betont Sonntag.

Eingeschlafen = betrunken fahren!

Wenn ein Fahrer übermüdet sei und einschlafe, werde dies bei der Strafmessung genauso sanktioniert wie ein alkoholisierter Fahrer, heißt es aus dem Polizeipräsidium weiter.

Am Steuer wegen Übermüdung einschlafen und einen Unfall verursachen bedeutet dasselbe wie betrunken fahren und einen Unfall verursachen!

Tatsächlich hat Müdigkeit auf die Fahrtauglichkeit ähnliche Auswirkungen wie Alkohol, zeigen Untersuchungen. Ähnlich wie ein alkoholisierter Fahrer habe auch ein übermüdeter Fahrzeuglenker Probleme sich zu konzentrieren. Beide würden zudem langsamer reagieren und oftmals ihre Fahrfähigkeiten überschätzen.

Einer Studie zufolge haben 17 Stunden ohne Schlaf vergleichbare Auswirkungen wie ungefähr 0,5 Promille.

24 Stunden ohne Schlaf könnten sogar vergleichbare Auswirkungen haben, wie etwa 1,0 Promille.

„Die Anzeige bei der Polizei läuft wegen derselben Straftat“ erläutert Stefan Sonntag. Vor Gericht werde dann jedoch jeder Einzelfall genau betrachtet und gegebenenfalls auch unterschiedlich bestraft, so Sonntag. Studien zeigen auf, dass ein einschlafender Fahrer bei einem Tempo von 100 km/h in gerade mal 1 Sekunde knapp 28 Meter fährt, ohne noch wirklich selbst „Fahrzeuglenker“ zu sein. Wenn ein Fußgänger, im schlimmsten Fall sogar ein Kind am Straßenrand übersehen wird, sind die Folgen oft unwiderruflich. Übermüdet sollte sich daher niemand hinters Lenkrad setzen, ebenso habe das Handy beim Fahrzeuglenker nichts zu suchen, sind sich die Verkehrsexperten einig.

Quelle: rosenheim24.de

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