Sperrstunden-Diskussion

"Wir können andere Menschen nicht erziehen"

  • schließen

Wasserburg - Nächtliche Ruhestörung und Randale sowie Verschmutzungen im Altstadtgebiet, meist in unmittelbarer Nähe zu Lokalitäten. Die Sperrstunde brennt vielen Bürgern und dem Stadtrat unter den Nägeln. Die Wirte fühlen sich in die Buh-Ecke gedrängt.

Es rumpelt im Karton. Die Bürger, die sich vom nächtlichen Lärm belästigt fühlen und durch eine Sperrzeit deutliche Entspannung erhoffen, treffen auf die Wirte, die um ihre Existenz bangen, wenn die Sperrzeit ihre Betriebe einschränken. Sich öffentlich dazu äußern scheuen manche, fürchten sie doch, dass sie dann noch kritischer beäugt werden.

Jürgen Häuslmann von der Schranne in Wasserburg versteht den Unmut der Lokalitäten, die auf die langen Öffnungszeiten angewiesen sind. "Man kann nicht immer nur den Wirten die Schuld geben", so Häuslmann. "Wir können nicht die anderen Menschen erziehen". 

Wenn auf öffentlichem Bereich Lärm gemacht werde, sei dies doch Angelegenheit der Polizei und nicht Sache der Wirte. "Die Gäste müssen nach draußen zum Rauchen und sind nicht still, und wenn sie die Kneipen verlassen, dann ist der Dienst der Wirte doch eigentlich erledigt", versteht Häuslmann die Pflicht der Wirte teils zu sehr angeprangert.

Polizeipräsenz erhöhen?

Ihn selbst betrifft die Sperrzeit nicht, doch er hat großes Verständnis für seine Kollegen. "Uns fehlt ein bisserl die Polizeipräsenz, denn bei den Festen, zum Beispiel dem Nationenfest oder Weinfest sind Polizeistreifen da gewesen und hatten einen guten Überblick, das fehlt uns an den normalen Tagen einfach", so Häuslmann. Hier zieht der Wirt eine gleiche Meinung wie auch Stadträtin Edith Stürmlinger. Sie warnt davor, mit Sperrzeiten die Stadt nachts aussterben zu lassen. "Wir dürfen nicht den Boardstein einfach zuklappen", so Stürmlinger.

Brennpunkte besser im Blick haben

Die Bewohner pochen auf ihre Rechte, die Lokale sehen zuviel Schuld auf ihre Schultern geladen. Eine Protestaktion wurde ausgerufen: Nicht von den Wirten, sondern von Menschen, die gerne in Wasserburg sind und gerne dort feiern wollen. Auch zukünftig.Einer Meinung sind sich die Betroffenen wohl zumindest: Es gibt einige Gastronomen, die sich um keinerlei Besserung bemühen, um ein Zeichen zu setzen, dass eine Sperrstunde nicht nötig sei in Wasserburg.

In einem Lokal gibt es bereits Türsteher, die das Geschehen beobachten und mildern, in einer weiteren Lokalität wird mit gutem Zureden der Gäste versucht, den Lärmpegel zu dämmen. Außerdem wurde in einem beliebten Club Maßnahmen getroffen, dass die Lautstärke im Lokal gedämmt wird.

"Wenn es einige Menschen gibt, denen es egal ist, ob andere in der Ruhe gestört werden oder nicht, dann haben das definitiv nicht die Wirte zu verantworten", betont Jürgen Häuslmann abschließend. Die Wirte seien nicht die Babysitter für die Menschen, die das Lokal verlassen und auf der Straße weiter Radau machen, sind sich viele einig.

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Wasserburg

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser