Staudham als neue Kulisse

Poetry Slamer sind Wiederholungstäter

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Poetry Slam in Staudham: Reimrausch hatte geladen, die Region ließ sich nicht zweimal bitten.
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Wasserburg - Kennen Sie das noch aus Filmen? Ein Poet steht vor dem Mikro, das Publikum lauscht und anstelle des Applaus klopfen alle auf der Tischplatte herum oder schnippen. Diese Zeiten sind vorbei: Beim Poetry Slam ist fast alles erlaubt.

Ein Ingenieur als großer Redner. Eine Studentin, die plötzlich richtig frech werden kann. Ein Landwirt, der sein Kornfeld „aufs Korn nimmt“ oder aber auch die Zicke, die an jedem und allem etwas auszusetzen hat. Das alles ist auf einem Poetry Slam zu finden.

Poetry Slam in Staudham begeistert Publikum

Die Teilnehmer, die sich auf die Bühne trauen, könnten unterschiedlicher nicht sein. Doch sie haben eines gemeinsam: Die Liebe zur Poesie und den Drang, sich mit besonderen Worten zu präsentieren. Seit 2010 sorgen Mic Mehler und Christoph Hebenstreit unter dem Claim REIMRAUSCH dafür, dass die Region wieder mit vielen Worten versorgt wird. Erlaubt ist, was gefällt. „Wir haben keine speziellen Vorgaben“ erklärt Mic Mehler auf Nachfrage.

Jeder Slamer darf sechs Minuten das Mikro für sich beanspruchen und zeigen, was er kann. Eine bayrische Version des Erlkönig zum Beispiel, die mit teils derber Wortwahl und knallharter Situationskomik das Publikum begeistert. Eine Wort-Musik-Mischung, die alle Emotionen eines Liebespaares spiegelt oder aber auch die Tragik, mit eingeschweißten Möbeln den Haussegen schief zu bekommen. In Wasserburg galt die ehemalige Burgstube (Café Barfuß) als Herberge für den REIMRAUSCH Poetry Slam. Doch mit Staudham habe man nun eine äußerst angenehme Kulisse für den Wettbewerb gefunden, werde auch zukünftig hier die Bühne für Slamer bereithalten, heißt es von Christoph Hebenstreit.

Wie entstand Reimrausch?

Angefangen habe alles in einer Gaststätte in Ebersberg, erklärt Mic Mehler. „Es gab in München schon immer viele Slams, aber im Umland bislang leider noch nicht“, so Christoph Hebenstreit. Darum haben sich die beiden Slamer zusammengetan, um die Region mit solchen Veranstaltungen zu begeistern. Viermal im Jahr habe man auch in den vergangenen zwei Jahren bereits Poetry Slams in Wasserburg gemacht, alle seien immer hervorragend angekommen, erzählt Mic Mehler.

Ist Jeder Poetry Slam – tauglich?

Vereint der Poetry Slam Generationen? „Es ist tatsächlich so, dass immer mehr junges Gewächs nachkommt“, witzeln Mehler und Hebenstreit. Ihre Moderationen vor und zwischen den Auftritten der Slamer wirken locker, teils charmant, teils äußerst frech.

Immer jedoch frisch und frei Schnauze. „Wir wollen eine Atmosphäre schaffen, die sowohl den alten Hasen als auch den neuen Slambegeisterten gefällt“, so Hebenstreit. Poeten kehren ihr Innerstes nach außen, sind im normalen Alltag teils schüchtern, teils sogar böse, nutzen die Bühne als das Sprachrohr zur Welt. Sie kommen daher, wie sie sich wohlfühlen. Anzug, Hosenträger, normale Alltagsklamotte – es gibt kein übertriebenes „Aufgebrezelt“ sein bei einem Poetry Slam. „Hier zeigt sich jeder so, wie er ist, schließlich sind die Worte entscheidend und nicht die Optik“, betont Mehler.

Das Publikum ist übrigens in der Pflicht, den Gewinner zu küren. „Wir halten uns da zurück, denn die Gäste heben die Punktetäfelchen und ermitteln so den überzeugendsten Auftritt. Die Poeten nehmen teils große Strecken in Kauf, um bei einem Slam mit dabei zu sein. Warum dieser persönliche Aufwand? „Es macht großen Spaß, man kommt rum und lernt tolle Menschen kennen, es ist zu meinem allerliebsten Hobby geworden“, erklärt Markus Berg. Der Ingenieur ist oft bei den Poetry Slams mit dabei, hat Freude am Schreiben und an dem Flair das auf der Bühne und im Publikum herrscht. Poetry Slammer sind Wiederholungstäter, kommen oft nicht los von der Poesie. Die fällt unterschiedlich ernst aus.

Eine Eintagsfliege wird der REIMRAUSCH Poetry Slam in Staudham nicht sein. „Wir kommen wieder, suchen schon nach einem Termin für die Fortsetzung hier in der LandWirtschaft“, grinst Mic Mehler. „Fortsetzung“ - Ein Wort, das in den Ohren der Fans wie Musik klingt, denn Worte gehen bekanntlich niemals aus.

Quelle: rosenheim24.de

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