Kinder im Gespräch: LOL drauf los

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Niedlich liegt voll im Trend! Wenn Kinder und Jugendliche sich zu halben Wörtern und niedlichen Ausdrücken verleiten lassen, haben Eltern ein erhöhtes Bedürfnis zu verstehen.
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Landkreis – Am Buß- und Bettag sind Eltern gefordert, den eigenen Nachwuchs zu belustigen, weil die Schule ihre Türen geschlossen hält. Jetzt kommt noch mehr heraus, welch Niedlich-Wortschatz von Kids verwendet wird.

Berufstätige Mütter graut es vor dem jährlich schulfreien Buß- und Bettag, der schon lange kein Feiertag in der Arbeitswelt mehr ist. Doch viele nutzen den freien Tag, um Extrazeit mit den Kindern zu verbringen. Das Wetter ist heuer nicht berauschend, umso mehr Kommunikation spielt sich vielleicht ab. Schnell wird klar, auch im Altlandkreis Wasserburg haben es Elternohren oft schwer, die sprachlichen Experimente der Kids auszuhalten.

Bei den 7 bis 16-Jährigen kommt es seit einigen Monaten zur „Niedlich-Sprache“. Sei es im Chat oder zuhause am Tisch. Da wird die Sprache, die bislang nur in der Email- oder Chatversion galt, plötzlich alltagstauglich gemacht. Wir LOLen uns durch den Tag, anstatt viel zu lachen. Mama soll den „Schutzi“ an den Tisch bringen, weil das Wort Schulranzen „zuuuuu lang“ sei. Das Fach Geschichte wird kurzerhand halbiert und die Tochter lernt nur noch „Geschi“. Schon immer gab es spezielle Ausdrücke für Situationen oder Sachen, doch eine Mutter aus Wasserburg findet die Entwicklung merkwürdig. „Ich möchte meine Kinder ja verstehen, aber kann man nicht vielleicht einen Wortschatz wählen, der allen einleuchtet?“, so Elfie Wimmer.

Die 43-Jährige fühlt sich grundsätzlich nicht zu alt, um Verständnis für Kids zu haben, doch wenn aus vier einzelnen Wörtern niedliche Kombinationen werden, fehle der Respekt vor Veränderung, glaubt die Mutter von zwei Kids im Alter von 8 und 13 Jahren. „Meine Tochter schreibt vollschmatzliebhabknuddelnwillechtkrass als ein Wort in Chatnachrichten. Auch bei ihren Freundinnen ist dies ähnlich, die Teenies verstehen sich hier wirklich blendend und packen viel Gefühl in ein einziges Wort“.

Bei Sprachwissenschaftler stellen sich hier die Haare auf, doch Psychologen sehen die verniedlichte oder zusammengefasste Sprache der Jugendlichen nicht verkehrt. „Die jungen Menschen versuchen so, ihre Gefühle gut ausdrücken zu können und experimentieren gerne“, beruhigt Michaela Weinberger im Gespräch mit wasserburg24.de. Diese Phase solle locker genommen werden, weil es zum Jugendleben nachhaltig dazugehöre. „So gleichen die Jugendlichen Stress im Alltag aus und können sich frei ausdrücken, ohne Zwänge zu verspüren“, erklärt die Expertin. Die Ohren vieler Eltern, die sich heute besonders viel mit ihren Schützlingen unterhalten, gewöhnen sich mit einem "augenzwinkerverstehenwillganzdollliebhabweilgrößterschatz" ganz bestimmt sehr schnell an den neuen Trend der entwickelnden Jugend.

Quelle: rosenheim24.de

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