Energiewende

Vortrag gelungen: So klappt´s in der Kommune

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Ein Vortrag, der zeitgemäßer nicht sein könnte. Energiewende im Blick.

Wasserburg - Anlässlich des Klima-Aktionswochenendes vor der laufenden UN-Klimakonferenz in Paris hatten die Wasserburger Grünen Dieter Gewies zu einem Vortrag über die Energiewende in der Kommune eingeladen.

Während seiner Amtszeit als Bürgermeister der 3500-Einwohner-Gemeinde Furth bei Landshut von 1996 bis 2014 ist es der Gemeinde gelungen, ihre Energieversorgung zu annähernd 100 Prozent auf erneuerbare Energien umzustellen. Dafür erhielt Furth 2014 den Deutschen Nachhaltigkeitspreis in der Kategorie „Kleinstädte und Gemeinden“.

„Die wollen ja mal wissen, wie es geht, und nicht, wie es nicht geht“, begann Dieter Gewies seinen Vortrag in den Paulanerstuben. Dreh- und Angelpunkt sei die Bürgerbeteiligung bei allen wichtigen Entscheidungen gewesen. Projekte ließen sich nur umsetzen, wenn es gelinge, die Bürgerinnen und Bürger dafür zu begeistern. Sein Ziel sei von Anfang an eine Energieversorgung gewesen, die in eine nachhaltige Entwicklung eingebettet ist, wie sie die Agenda-21-Konferenz 1992 definiert hatte: „Ökonomie, Ökologie, Soziales, Kunst und Kultur sollen gleichermaßen beachtet werden.“

So habe nach seiner Wahl in Furth ein Prozess eingesetzt, bei dem acht Nachhaltigkeitsfelder schrittweise abgearbeitet wurden: Bildung und Erziehung, Leben im Alter, Energie, Wasser, Pflanzen und Tiere, Innenentwicklung statt Entwicklung nach außen, Verkehr und Finanzen. Eine Richtschnur sei gewesen, dass alle Maßnahmen nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch sinnvoll sein müssen. Von Vorteil sei zudem die enge Verbindung zu TU und LMU München gewesen, wodurch sich deren Studenten auch in die Further Ortsentwicklung eingebracht hätten.

Ein erster Schritt sei 1996 mit der Planung und Realisierung eines in Bayern einmaligen Hackschnitzelheizwerkes mit Solaranlage und Kondensation zur Wärmerückgewinnung getan worden. Sie bilde den Kern der Further Energieversorgung und beliefere die ganze Ortsmitte mit Fernwärme: die Volksschule, das Gymnasium, das Kloster, den Kindergarten, die Krippe und den Hort, das neu errichtete Dorfzentrum mit 25 Wohnungen und 8 Läden, das Rathaus, das Altersheim, das Betreute Wohnen, verschiedene Gewerbebetriebe und ca. 40 Wohnhäuser.

1999 habe der Gemeinderat parteiübergreifend das Ziel einer hundertprozentigen Versorgung mit erneuerbaren Energien beschlossen. Vorausgegangen war eine Studie von Studenten der Fachhochschule Weihenstephan, die der Gemeinde ein hohes Potenzial für erneuerbare Energien bescheinigt hatte.

Heute werde Furth zu 80 % mit Energie aus dem großen Hackschnitzelheizwerk und kleinen modernen Hackschnitzelanlagen, Pellet- und Stückgut-Anlagen, Sonnenkollektoren und PV-Anlagen auf den Hausdächern sowie einer Biogasanlage für die Nahwärmeversorgung in einem kleineren der drei Ortsteile versorgt. Bestückt werden die Anlagen mit naturbelassenen Hackschnitzeln weitgehend aus der Region, die beispielsweise aus Landschaftspflegeresten, Christbaumplantagenausschuss und Gehölzschnitt aus privaten Gärten hergestellt werden.

Parallel dazu werden beim interkommunalen Wasserprojekt so verschiedene Bereiche wie Hochwasserschutz, Gewässer-Renaturierung, die Europäische Wasserrahmenrichtlinie, Reinigung des Wassers und Hackschnitzel-Erzeugung durch Mittelwald und schnell wachsenden Energiewald in einer Maßnahme umgesetzt.

Die bedeutendste Säule im Further Energiekonzept aber sei das Energiesparen. So gebe es eine gemeindliche Energiesparberatung. Die meisten Häuser seien mittlerweile so gedämmt, dass sie mittels PV-Anlage, Sonnenkollektoren und Holzofen mit ausreichend Energie versorgt werden können. Die Grund- und Hauptschule aus den 70er Jahren wurde generalsaniert und mit einer PV-Anlage auf dem Dach ausgerüstet. Die gesamte Straßenbeleuchtung sei auf LED umgerüstet, wodurch ihr Energieverbrauch um ca. 80 % gesenkt werden konnte.

Als jüngstes Projekt der Gemeinde Furth nannte Gewies den Erwerb des ehemaligen Klostergebäudes für fünf Millionen Euro. Dort solle ein Gründerzentrum entstehen, auch um die vielen Abiturientinnen und Abiturienten am Ort zu halten.

2014 sei er nicht mehr zur Wahl angetreten. Sein Nachfolger wolle aber den Weg mit eigenen Schwerpunkten fortsetzen, erklärte Dieter Gewies auf Nachfrage abschließend.

Pressemitteilung Grüne Wasserburg

Quelle: rosenheim24.de

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