Aktion gegen Personalnot

Personalnot: Keine Zeit mehr für Patienten?

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Wasserburg - Eine Krankenschwester, die wegen Überarbeitung selbst zum Patienten wird. Ein Pfleger, der nur noch wenig Zeit für die Patienten hat, weil der nächste schon klingelt. Personalnot in Kliniken, ein echtes Problem.

Die bundesweite Aktion sollte ein Zeichen setzen. In Deutschland fehlt es an Krankenhauspersonal, besonders die Pflegekräfte spüren dies am eigenen Leib. Und auch für die Patienten ist es ein Nachteil, wenn Personal in den Krankenhäusern fehlt. "Jeder Patient hat ein Recht darauf, dass er gut versorgt wird und dass echte Pflege in den Kliniken ganz selbstverständlich ist", betont Betriebsrat Dieter Klee von der RoMed-Klinik Wasserburg. Er ist selbst Krankenpfleger und kennt den Alltag nur zu gut. 

Der ver.di - Aufruf, für zehn Minuten vor den Kliniken auf diesen Personalnotstand - es fehlen bundesweit 162.000 Stellen in den Kliniken, in Bayern sind es gut 21.000, aufmerksam zu machen, kam auch in der Region gut an. 

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An der RoMed-Klinik in Wasserburg versammelten sich gut 120 Mitarbeiter vor dem Haupteingang. In der Hand ein Nummernschild, das für die vielen fehlenden Stellen stand. "Wir möchten eine realistische gesetzliche Personalbemessung, eine, die wirklich ausreicht", erklärt Dieter Klee während der Aktion.  Es ist ein Aufschrei der Krankenhaus-Mitarbeiter, den auch die Lokalpolitiker ernst nehmen. Der zweite Bürgermeister der Stadt Wasserburg, Werner Gartner zeigt sich sehr betroffen davon, dass es in einer so wichtigen Einrichtung, wie einem Krankenhaus, zu wenig Personal gebe. "Jeder von uns ist froh darüber, wenn er im Krankenhaus gut versorgt wird. Ohne qualitativ hochwertige Pflege ist auch die Lebensqualität schlechter. Patienten brauchen gute Pflege, und Pflegepersonal braucht die nötige Zeit dafür, sich um die Patienten zu kümmern", erklärt Gartner auf Nachfrage. Es sei unbedingt erforderlich, dass man genug Personal hätte, um Überstunden und Mehrarbeit einzudämmen und die Überlastung des Krankenhauspersonals reduzieren könnte. "Es muss optimiert werden".

Ebenso solidarisch zeigten sich Bezirksrat Sebastian Friesinger sowie Eiselfings Bürgermeister Georg Reinthaler. "Auch das Wasserburger Umland ist auf eine gute Versorgung im  Krankenhaus angewiesen, darum unterstütze ich die Aktion hier vor den Toren der RoMed-Klinik gerne", so Reinthaler. Er selbst hat eine Ausbildung in der Krankenpflege abgeschlossen und weiß um die Wichtigkeit eines gesunden, realistischen Pflegeteams in Kliniken. 

Das Menschliche fehlt

Auch der kaufmännische Leiter der RoMed-Klinik in Wasserburg, Markus Kaiser, unterstützt diese ver.di-Aktion. 

"Es geht momentan gar nicht um den Verdienst, es geht darum, dass wir sehen, dass die Menschen überlastet werden", betont Betriebsrat Dieter Klee. Krankenhauspersonal werde mittlerweile verheizt, es gäbe einen deutlichen Anstieg an Überlastungsanzeigen, darum müsse schnell etwas geändert werden. Doppelschichten, Überstunden, zu wenig Zeit für die Patienten. 

"Die Versorgung wird immer schwerer, jeder spricht immer von nötiger Qualität, von pay for quality, doch die dokumentativen Aufgaben, die zum normalen Krankenhausalltag hinzukommen, machen es für die Mitarbeiter noch anstrengender", heißt es von Dr. Claus Bittner. Das fatale sei, dass wegen der verpflichtenden Dokumentation von Aufgaben zusätzlich Zeit für die persönliche Zuwendung zum Patienten fehle, so Bittner weiter. Es zerreisse die Mitarbeiter, weil das Teufelsrad der Patientenversorgung und der Dokumentation extrem belaste. 

Auch im Inn-Salzach-Klinikum wurde mit Schildern auf die fehlenden Stellen aufmerksam gemacht. 

Auch die Beschäftigten des Inn-Salzach-Klinikums in Wasserburg hat auf die fehlenden Mitarbeiter hingewiesen. "Es ist wirklich tragisch, dass die Zeit für den Patienten durch fehlendes Personal oder die Überlastung der Pflegekräfte durch die Politik scheinbar nicht ernst genommen wird", erklärt Prof. Dr. Theodor Danzl gegenüber wasserburg24.de. 

Die bundesweite Aktion soll verdeutlichen, dass Schluß sein muss, mit der Überlastung des Krankenhauspersonals durch fehlende Stellen. Ein Aufschrei, der zeigt, dass es einer raschen Lösung bedarf.

Quelle: rosenheim24.de

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